In Österreich sind derzeit sind insgesamt 240.000 Menschen zur Kurzarbeit vorangemeldet, sagte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) am Mittwoch. Diese Maßnahme werde von der Beherbergung und Gastronomie am meisten genutzt, mehr als vom Handel und vom Produktionssektor. 80 bis 90 Prozent der Leute, die im April 2020 in Kurzarbeit waren, hätten ihre Beschäftigung auch im Herbst noch gehabt, so Kocher.

Für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr sieht der Arbeitsminister gute Chancen auf einen starken Konsum. Allerdings werde die Erholung in den verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich sein. "Wir werden natürlich die Kurzarbeit so umgestalten - in der Phase 5, ab 1. Juli - dass die Betriebe, die sie noch brauchen, eine Absicherung haben und die Kurzarbeit weiter nutzen können." Falls es im Herbst doch schlechter kommen sollte als erwartet, werde die Kurzarbeit wieder ein Sicherheitsnetz sein. Geplant sei, die Phase 5 der Kurzarbeit noch im Mai vorzustellen.

Die Arbeitslosigkeit habe sich in den letzten drei Monaten in allen Branchen entspannt, allerdings gebe es eine starke Zweiteilung am Arbeitsmarkt: Eine bereits relativ gute Situation in der Industrie, am Bau sowie im Gewerbe und Handwerk, während Tourismus und Gastronomie noch immer in einer sehr schwierigen Lage seien. Aber mit der geplanten Öffnung am 19. Mai gebe es Grund zu Optimismus, "die schlimmste Zeit liegt glücklicherweise hinter uns", so Kocher.

Corona-Sorgenkind Tourismus

Der Tourismus ist eine der Branchen, die von der Pandemie am härtesten getroffen wurde. Er hat allerdings einen Anteil von 7,3 Prozent an der österreichischen Wertschöpfung. Österreich sei extrem abhängig von ausländischen Touristen, meinte Kocher. Obwohl durch die Kurzarbeit und die Verlängerung der Wiedereinstellungszusage während der Corona-Krise die Abwanderung von Arbeitskräften aus dem Tourismus in andere Branchen deutlich gebremst hat, ist im vergangenen Jahr die Anzahl der Tourismusbeschäftigten um mehr als 40.000 gesunken. 

"Arbeitskräftemangel gehört zu den größten Herausforderungen für unseren heimischen Tourismus", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). "Das war bereits vor Corona ein großes Thema und wurde durch die Pandemie zusätzlich verschärft. Viele Arbeitskräfte und Lehrlinge sind in andere Branchen gewechselt."

2010 waren durchschnittlich noch 180.000 Menschen in der Hotellerie und Gastronomie tätig gewesen, bis 2019 stieg die Beschäftigung in dieser Branche auf mehr als 220.000. Durch die Krise wurde dieser Trend jedoch gestoppt: Im Corona-Jahr 2020 ging die Zahl der Tourismusmitarbeiter auf 178.025 zurück. "Wir müssen alles dafür tun, dass viele dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder zurückkehren in den Tourismus und junge Menschen motivieren, im Tourismus zu arbeiten."

Nicht nur Gäste, auch Lehrlinge fehlen

Besonders dramatisch sei der Rückgang bei der Einstellung von Lehrlingen gewesen, so die Tourismusministerin. In Gastronomie und Tourismus seien im letzten Jahr um gut ein Viertel weniger Lehrlinge angestellt worden, was angesichts der unsicheren Situation nachvollziehbar sei, zumal "Training am Gast" ja nicht möglich gewesen sei. "Wir wollen daher bei den Lehrlingen einen Schwerpunkt setzen", kündigte Köstinger an.

Man habe gesehen, dass die Öffnungsschritte im Handel sofort zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit geführt hätten, sagte Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Denselben Effekt erwarte man von den Öffnungen am 19. Mai und den großen geplanten Öffnungsschritten im Sommer.

Es gebe aber eine Reihe von Branchen, etwa die Stadthotellerie oder den Kongress- und Messebereich, die das noch nicht spüren würden, "die brauchen weiterhin das Instrument der Kurzarbeit", so Kopf, "und wir werden es noch eine ziemlich Zeit lang brauchen, in manchen Branchen sicher tief ins nächste Jahr hinein und wie wir gehört haben möglicherweise darüber hinaus". (apa)