Cellophan, PVC, Silikon und Hartplastik - zusammengefasst als Plastik - gehören zu unserem Alltag. Von Frischhaltefolien bis Babyschnuller. Elastisch, geruchslos, geringes Gewicht. Ein praktisches Material, dass im Alltag keine Probleme macht und deswegen sehr beliebt ist. Doch Plastik hat einen Haken: Das Material ist unzerstörbar und kann als Müll nur sehr schwer zersetzt und abgebaut werden. Damit wird Plastik zum Problem für die Umwelt. Wie kann das verhindert werden?

2015 präsentierte die Europäische Kommission den Aktionsplan "Den Kreislauf schließen - Ein Aktionsplan der EU für die Kreislaufwirtschaft". Der Aktionsplan sieht eine Reihe von Maßnahmen vor, mit denen Materialen wie Plastik wiederverwertet werden sollen.

Auch ein Ziel wurde ausgegeben: Bis zum Jahr 2030 soll die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen in jedem EU-Land bei 55 Prozent liegen. Für das Recycling von Kunststoff-Getränkeflaschen definierte die Kommission ein Ziel von 90 Prozent.

Wie sieht die Lage in Österreich aus?

Als gelernter Österreich ist man auf du und du mit den bunten, klobigen Tonnen, die an jeder Straßenecke stehen. Die grüne Tonne für Buntglas, die weiße Tonne für Weißglas, die rote Tonne für Altpapier, die gelbe Tonne für Metall und Plastik.

75.000 Tonnen werden recycelt

Doch auch das Recycling-Wunderland Österreich hat Aufholbedarf. Wie eine Studie der Wiener Wirtschaftskammer (WKW) zeigt, werden nur 75.000 Tonnen von insgesamt 300.000 Tonnen Verpackungen recycelt, die Quote liegt bei 25 Prozent. Um die EU-Ziele zu erreichen, muss dieser Wert bis 2030 jedoch um 90.000 Tonnen gesteigert werden.

Bei den Kunststoffflaschen liegt die derzeitige Quote in Österreich bei 70 Prozent, das EU-Ziel gibt jedoch 90 Prozent vor. Werden die Ziele nicht erreicht, drohen Strafzahlungen.

Dabei könnte mit mehr Plastik-Recycling sogar Geld verdient werden. So sieht es der WKW-Standortanwalt Alexander Biach: "Mir tut es leid, wenn das Geld in der Mülltonne liegen gelassen wird", sagt er.

Bereits heute erwirtschaften Unternehmen der Wiener Kreislaufwirtschaft einen Umsatz von jährlich 15,6 Milliarden Euro. Sie induzieren dadurch eine jährliche Bruttowertschöpfung von 6,7 Milliarden Euro. "Von der geschaffenen Wertschöpfung profitieren einerseits die Unternehmen durch Betriebsüberschüsse von knapp drei Milliarden Euro und andererseits die Arbeitnehmer durch eine Lohnsumme in Höhe von 3,5 Milliarden Euro", erklärt der Standortanwalt.

Durch Branchenverflechtungen in die anderen Bundesländer würde in ganz Österreich ein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 14,6 Milliarden Euro oder 3,8 Prozent entstehen. Die 3.000 Betriebe der Wiener Kreislaufwirtschaft beschäftigen zudem 128.000 Menschen in Vollzeitjobs. "Die Vorgaben der EU verlangen eine enorme Kraftanstrengung", sagt Biach. "Aber sie bergen auch große Chancen für den Wirtschaftsstandort und für den Arbeitsmarkt."

Doch es gibt auch ein weiteres Problem: Derzeit werden pro Jahr 7.600 Tonnen recycelte Plastikflaschen von den gelben Tonnen in Wien per Lkw die 200 Kilometer nach Graz transportiert. Dort werden sie weiterverarbeitet. Ein langer Weg, der eingespart werden könnte, was Geld und CO2-Ausstoß betrifft, sagt Biach. Er fordert daher eine vollautomatische Sortieranlage für Wien mit Bahnanschluss. Die Kosten schätzt er auf bis zu 50 Millionen Euro.

Der lange Weg zum Müllcontainer

Doch wie sollen die Österreicher dazu motiviert werden, ihr Plastik zu recyceln?

"Ohne Kreislaufwirtschaft kein Green Deal", sagt Harald Hauke, Vorstand der Altstoff Recycling Austria AG (ARA). Das Unternehmen recycelte im Jahr 2020 eine Million Tonnen an Verpackungen. Er sieht Wien als Vorzeigebeispiel für ganz Österreich. "Die vor zwei Jahren getätigte Zusammenführung von Metall und Plastik in eine gemeinsame Tonne war sehr erfolgreich", sagt er. "Seither konnten um 26 Prozent mehr Plastikflaschen wiederverwertet werden."

Eine gemeinsame Tonne, ein einfaches System, das wünscht er sich nun auch in den anderen Bundesländern. "Es muss bequem und einfach sein, dann machen die Menschen mit", sagt er.

In Wien sollen in nächster Zeit noch mehr gelbe Tonnen aufgestellt werden. Derzeit beträgt der durchschnittliche Weg von einem Haushalt zu einer Kunststoffsammelstelle 175 Meter. Der Weg sei für viele noch zu weit. Gelbe Tonnen könne er sich daher auch in den Müllräumen der Wohnhausanlagen vorstellen, da sei aber oftmals zu wenig Platz.

Für Alexander Biach könnten mit zunehmenden Recycling zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: "Damit leisten wir einen Beitrag für den Umweltschutz und stimulieren die Wirtschaft."