In Tourismus und Gastronomie herrschen Aufbruchstimmung und verhaltener Optimismus vor der Öffnung am Mittwoch. Der monatelange Lockdown ist dann zu Ende, die Pandemie aber noch da. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger mahnte bei aller Euphorie und Erleichterung zu Vorsicht. "Natürlich braucht es noch ein Mindestmaß an Sicherheit - es wird noch ein paar Wochen dauern, bis alle geimpft sind, die das wollen", betonte sie bei der Eröffnung der Österreichischen Tourismustage.

"Ganz entscheidend wird sein, dass uns das Aufsperren gelingt", sagte die ÖVP-Ministerin am Montag in einer Online-Pressekonferenz unter Verweis auf die Corona-Sicherheitsregeln Maske, Abstand und Testen und mahnte vor Leichtsinnigkeit. "Israel mit 60 Prozent Impfquote musste nochmals schließen", sagte Köstinger. Ein Szenario das es zu vermeiden gilt. "Wir versuchen alles, um über die nächsten Wochen zu kommen." Der Grüne Pass für Getestete, Geimpfte und Genesene soll ein Stück Freiheit und Sicherheit beim Reisen zurückgeben. "Ab Anfang Juni wir es den digitalen QR-Code der EU geben", so die Ministerin.

Zwischen Deutschland und Österreich sei für die genannten Personengruppen das Einreisen nun ohne Quarantäne möglich. Die Einreiseverordnung wurde vergangenen Donnerstag entsprechend adaptiert. "Es ist auch gelungen, dass Gäste in Österreich Gratis-Coronatests in Anspruch nehmen können, in einer österreichischen Teststraße", strich Köstinger hervor.

Es brauche aber auch eine tiefgreifende Strategie für den touristischen Arbeitsmarkt. Gemeinsam mit Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) will die Ministerin "die Betriebe auf der Suche nach Fachkräften unterstützen". In den Monaten der Unsicherheit während des Lockdowns haben zahlreiche Mitarbeiter der Branche den Rücken zugekehrt. Die Wintersaison 2020/21 hat de facto nicht stattgefunden. Jetzt im Sommer soll das Geschäft wieder anspringen, dafür wird ausreichend Personal benötigt.

"Katastrophale" Ausstattung mit Eigenkapital

Auch um die Finanzen der Unternehmen steht es traditionell schlecht. "Wir haben eine katastrophale Eigenkapitalausstattung im Tourismus - da brauchen wir uns nichts vorzumachen", sagte Köstinger und sprach von der Notwendigkeit einer neuen gewerblichen Tourismusförderung.

Infolge der Coronapandemie wird der Branche, die zu einem Gutteil von ausländischen Urlaubern lebt, international ein noch schärferer Wind in der Konkurrenz zu anderen Destinationen um die Nase wehen. "Mittelfristig, glaube ich, brauchen wir einen österreichischen 'Wow'-Effekt, weil der Wettbewerb zunehmen wird", hielt der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Harald Mahrer, bei der Eröffnung der virtuellen Tourismustage fest. "Wir werden Österreich neu positionieren müssen, denn alle Länder überlegen das."

Doch zunächst geht es um den Start in die Sommersaison. "Wir brennen darauf, wieder öffnen zu dürfen", sagte der Obmann der WKÖ-Bundessparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft, Robert Seeber, der selbst Gastronom in Linz ist. "Dieser Lockdown hat sehr tiefe Spuren hinterlassen." Zuversichtlich stimmt den Branchensprecher von rund 90.000 Unternehmen, dass die Menschen einer Umfrage der Kammer zufolge endlich wieder verreisen wollen: 80 Prozent der Österreicher planen demnach einen Sommerurlaub und 72 Prozent der Deutschen ebenso. "Die Leute sind ausgehungert und wollen wieder ein Stück Normalität." Österreich habe als Urlaubsland "alle Voraussetzungen, was Sicherheit und Schönheit betrifft, um durchzustarten". "Wir freuen uns jetzt einmal auf's Aufsperren", so Seeber. "Die Coronakrise ist natürlich nicht spurlos an den Betrieben vorübergegangen, aber sie aus auch eine Möglichkeit der Neuorientierung."

 

ÖW: "Die Menschen sehnen sich nach Freiheit"

"Urlaub in Österreich wird neu aufleben", gab sich die Geschäftsführerin der nationalen Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, mit Blick auf die Drei-G-Regel - getestet, geimpft oder genesen - zuversichtlich. "Die Menschen sehnen sich nach Freiheit." Die Stimmung für Urlaub in Österreich sei gut und Österreich stehe aus heutiger Sicht bei de Nahmärkten hoch im Kurs, ortete die ÖW-Chefin einen Trend zur Natur, zum Wandern, Bergsteigen, Radfahren und Baden. "Wir beobachten Tag für Tag neue Buchungen - vor allem seit der Ankündigung der Öffnung am 19. Mai", berichtete die Touristikerin.

"Wir machen sicherer auf als die anderen", meinte Mahrer. "Das Testen hat sehr viel gebracht, aber ohne eine hohe Impfquote werden wir nicht zu den sichersten Tourismusländern der Welt gehören", räumte der WKÖ-Präsident ein. Eine gute Durchimpfung der Bevölkerung gilt als wichtig für die Außenwirkung bei der Vermarktung Österreichs.

Die asiatischen Länder "halten ihre Märkte dicht bis Jahresende", so Mahrer. Das bedeutet freilich auch, dass die heimische Stadthotellerie noch eine längere Durststrecke vor sich hat. Denn vor allem auch in Wien lebt die Branche von Urlaubern aus Übersee. (apa)