Die Frage, ob Eigentum oder Miete, sei auch eine danach, ob man sich auf eine längerfristige Lebensplanung einlassen kann, meint Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank bei der Präsentation einer aktuellen Wohnstudie am Dienstag vor Journalisten.

In Österreich ist der Anteil der Wohnungseigentümer mit 55 Prozent erheblich niedriger als im EU-Schnitt (70 Prozent). Da bestehe noch Aufholbedarf, so Schaufler. Sind mehr leistbare Mietwohnungen, wie in Wien die zahlreichen Gemeindewohnungen, vorhanden, gibt es weniger Eigentum: In der Bundeshauptstadt leben 75 Prozent der Einwohner zur Miete, am Land ist das Verhältnis Eigentum-Miete umgekehrt.

Allerdings können sich immer weniger Mieter vorstellen, dass sie je Eigentum erwerben, wohl eine direkte Auswirkung der Pandemie. 2018 wollten noch 49 Prozent von ihnen in Wohneigentum investieren. Mittlerweile ist dieser Wert auf 39 Prozent gesunken, ergab die IMAS-Studie, die im Februar 2021 durchgeführt wurde. Besonders betroffen ist hiervon übrigens die Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen (54 Prozent), also jene, die sich ersten Wohnraum schaffen möchte. Platzbedarf ist für jeden Fünften das Hauptmotiv für den Erwerb von Wohneigentum, Kinder verstärken diesen Wunsch.

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Weniger Angebot, mehr Nachfrage, höhere Preise

Seit der Finanzkrise 2008, und durch die Pandemie noch verstärkt, setzen auch immer mehr Investoren auf den "sicheren Hafen" der Immobilienveranlagung. Das verknappt das Angebot und treibt die Preise in die Höhe.

Das Haushaltseinkommen der Österreicher blieb hingegen gleich oder sinkt sogar aufgrund von Kurzarbeit und Jobverlust derzeit. Fazit: Immer weniger Menschen im Land können sich Wohneigentum noch leisten.

"Hinzu kommt, dass auch internationale Investoren den Wiener Immobilienmarkt entdeckt haben, weil hier die Preise noch vergleichsweise niedrig sind. Dann werden Großprojekte gleich weggekauft und landen gar nicht mehr auf dem Markt", erklärt Christian Reingruber, Vorstandsvorsitzender der sBausparkasse.

Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen blieb dennoch auch im Corona-Jahr 2020 lebhaft und stieg aufgrund der günstigen Bedingungen sogar.

230.000 Euro nahmen Eigenheim-Interessierte vergangenes Jahr im Schnitt für 25 Jahre auf. Die meisten setzen dabei auf die sicherste Variante mit Fixzinsvereinbarungen und steuerten etwa 20 bis 30 Prozent an Eigenmitteln bei, um ihren Wohntraum zu verwirklichen.

Mit einer monatlichen Rückzahlungsrate von 931 Euro kostete eine solche Finanzierung zwar etwas mehr als die durchschnittliche Miete von 886 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Dennoch, am Ende der Kredit-Laufzeit ist man Wohnungsbesitzer, und das ist gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten interessant. "Alle, die es sich leisten können, sollten eine Investition ins Eigenheim überlegen", empfiehlt Schaufler daher.

Niedrige Zinsen machen Finanzierung günstig

Trotz starker Nachfrage und steigender Preise hat man bei der Erste Group keine Sorgen hinsichtlich einer immer wieder prognostizierten Immobilienblase oder Überhitzung des heimischen Marktes. Die aktuell niedrigen Zinsen erleichtern Finanzierungen. Und diese Zinsen werden in Europa wohl auch noch eine Zeit lang niedrig bleiben, erwartet Reingruber angesichts der enormen Verschuldung der Länder in Folge der Corona-Pandemie.

Genau diese Niedrigzinsen ermöglichen es den bereits glücklichen Eigenheimbesitzern im Land derzeit auch, ihre Kredite früher als geplant zurückzuzahlen. Motiviert werden sie zusätzlich dadurch, dass Gespartes kaum Zinsen bringt. Und so ist es auch kein Wunder, dass Eigentümer laut Studie mit 80 Prozent wesentlich zufriedener mit ihrer Wohnsituation sind als Mieter.

Dennoch, und das ist ein überraschendes Ergebnis der Befragung, sind 72 Prozent der Österreicher durchaus zufrieden mit ihren vier Wänden. Gegenüber dem vergangenen Jahr wuchs dieser Anteil sogar um sechs Prozentpunkte. Thomas Schaufler vermutet, dass viele Menschen angesichts von Kurzarbeit, Jobverlust und anderen Unsicherheiten glücklich sind, dass Wohnen für sie überhaupt noch leistbar ist.