Um sieben Milliarden Minuten haben die Österreicher im Corona-Jahr mehr mobil telefoniert als 2019. "Das war schon ungewöhnlich. Die Sprachminuten verdoppelten sich jeweils in den Lockdowns, im ersten verdreifachten sie sich sogar", meinte Alexander Stock, Präsident des österreichischen Branchenverbandes Forum Mobilkommunikation (FMK) am Donnerstag vor Journalisten.

Trotz Ausfalls der Roaming-Entgelte blieb der Gesamtumsatz der heimischen Mobilfunkbetreiber mit 4,774 Milliarden Euro (minus 0,5 Prozent) annähernd gleich.

Mobile Datennutzung stieg 2020 auf Rekordwert

Als das Land spontan auf digitale Kommunikation für Homeoffice und Home Schooling umsteigen musste, erreichte auch das mobile Datenvolumen Rekordwerte: 2020 wurde fast eine Milliarde mehr Gigabyte verbraucht als 2019. In vielen Haushalten stießen die bisherigen Datenvolumina an ihre Grenzen, als Online-Unterricht und digitale Meetings zeitgleich funktionieren mussten. "Die Ansprüche an die Performanz der Verbindungen stiegen", so das FMK-Resümee.

Dies hatte erstaunlich wenige negative Nebenwirkungen. So verzeichnete die Beschwerdestelle beim Post- und Telekom-Regulator RTR vergangenes Jahr bei Schlichtungsfällen zwar einen Anstieg um insgesamt sechs Prozent, das beinhaltet allerdings auch Fälle rund um Post-Zustelldienste.

Die Hälfte aller Beschwerden hinsichtlich Telekommunikation betraf Vertragsschwierigkeiten mit zumeist komplexen technischen und juristischen Problemstellungen, die Qualität der Netze selbst habe sich in der Krise bewährt, heißt es von der RTR. Beschwerden zu Betrugsanrufen explodierten hingegen vergangenes Jahr geradezu: Das Portal "Meldestelle für Rufnummernmissbrauch" verzeichnete 28.379 Beschwerden, das ist ein Anstieg um 170 Prozent.

Positives gibt es hingegen aus dem Bereich Home Schooling zu berichten. Laut einer Makam-Studie im Auftrag des FMK unter Österreichs Lehrern im April 2021 hat sich deren Verhältnis zu digitalen Werkzeugen deutlich verbessert. 76 Prozent der befragten Lehrer gaben an, seit vorigem Jahr das Smartphone auch beruflich zu nutzen, 2015 waren es nur 40 Prozent. "Der Grundtenor war zwar erwartbar, die Ausprägung hat aber sogar uns überrascht", kommentiert das FMK-Geschäftsführerin Margit Kropik.

Smartphones bei Lehrern jetzt deutlich beliebter

Auch die grundsätzliche Einstellung der Pädagogen zu digitalen Geräten änderte sich radikal durch die Lockdown-Erfahrungen: Während 2015 etwa 78 Prozent Smartphones im Unterricht kategorisch ablehnten, sagen mittlerweile rund 84 Prozent, dass der Unterricht ohne Smartphones gar nicht oder nur schwer möglich gewesen wäre. 76 Prozent nutzen das Smartphone inzwischen jeden Tag beruflich, 17 Prozent mehrmals pro Woche und nur ein Prozent gar nicht. Zum Vergleich: 2015 nutzten nur 40 Prozent der Lehrer ihr Smartphone für den Beruf.

71 Prozent finden mittlerweile sogar, dass die Sozialen Netzwerke via Smartphone und Tablet während der Isolation eine "psychische Stütze" waren. Vor dem Krisenjahr 2020 war noch anders argumentiert worden, nämlich dass die Sozialen Netzwerke zu einem "Verlust der Sozialen Kompetenz" führen würden.