Trotz Coronakrise ist die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten deutlich gestiegen. Der geschätzte Umsatz von Fairtrade zertifizierten Produkten in Österreich stieg im Jahr 2020 um 11 Prozent auf 390 Millionen Euro. 2019 lag das Umsatzplus bei 5 Prozent. "Die Konsumentenpräferenz hat sich in Richtung Nachhaltigkeit verschoben", sagte Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner zur APA.

Der coronabedingte Fairtrade-Umsatzrückgang in der Gastronomie und Hotellerie sei mit Zuwächsen im Einzelhandel deutlich überkompensiert worden, so Kirner. Besonders stark stieg der Absatz von Kakao, Reis und Rosen. Der Fairtrade-Umsatz verteilte sich hierzulande auf Schokolade/Süßwaren (48 Prozent Umsatzanteil), Bananen (18 Prozent), Kaffee und Heißgetränke (14 Prozent), Grundnahrungsmittel und Rosen (jeweils 5 Prozent), Baumwolle und Säfte/alkoholfreie Getränke (jeweils 4 Prozent) und Convenience-Produkte (2 Prozent).

Verbraucher in Österreich gaben 2020 im Schnitt 46 Euro für fair gehandelte Produkte aus. Weltweiter Spitzenreiter ist die Schweiz, Österreich liegt in den Top 5.

Umsatzschub bei Kakao erwartet

Einen besonderen Umsatzschub für 2021 und 2022 erwartet der Fairtrade-Österreich-Chef durch die schrittweise Umstellung von konventionellem auf Fairtrade-Kakao bei Berglandmilch, Manner und Ölz. Die in Österreich abgesetzte Kakaomenge werde sich mittelfristig verdoppeln.

Das Fairtrade-Siegel wird an Produkte vergeben, bei denen Kleinbauern und Plantagenarbeiter eine garantierte Mindestentlohnung bekommen und bessere Arbeitsbedingungen herrschen. Außerdem soll vor Ort in Bildungs- und Entwicklungsprojekte investiert und umweltfreundlich produziert werden. Fairtrade steht in Konkurrenz zu anderen Nachhaltigkeitssiegeln wie Rainforest Alliance/UTZ.

Fairtrade selbst steht schon lange vor dem Problem, dass bei Kaffee nur rund ein Drittel und bei Kakao rund 50 Prozent der zertifizierten Ware dann auch mit dem Fairtrade-Siegel abgesetzt wird. Deswegen gibt es seit vergangenem Jahr vorerst einen Aufnahmestopp für Bauern-Kooperativen, die Fairtrade beitreten wollen. Weiters versucht man weltweit den Fairtrade-Absatz anzukurbeln. Große Wachstumsmöglichkeiten für fair gehandelte Waren gibt es in vielen Ländern weltweit, etwa in USA und Japan. In diesen beiden Ländern konnte Fairtrade bisher noch nicht sonderlich Fuß fassen.

Die Coronapandemie hat die Kleinbauern in Afrika, Lateinamerika und Asien wirtschaftlich hart getroffen. Die Landwirte litten in den vergangenen Jahren bereits unter stark schwankenden Erzeugerpreisen. Der Fairtrade-Österreich-Chef fordert von den großen internationalen Schokoladeherstellern mehr Engagement bei ihren Kakao-Nachhaltigkeitsprogrammen. "Wenn es ums zahlen geht, gibt es kalte Füße. Dann soll man sich das Nachhaltigkeitsmäntelchen aber nicht umhängen", kritisierte Kirner. Viele Kakaobauern und ihre Familie würden in Ghana und der Elfenbeinküste in "bitterer Armut" leben. Laut einer im Herbst 2020 veröffentlichten Studie sind in beiden afrikanischen Ländern noch rund 1,6 Millionen Kinder im Kakaoanbau tätig. (apa)