Die Schuhhandelskette Humanic lässt die Kunstfigur Franz wiederauferstehen. Die legendären Werbespots, die bei Fernsehzusehern Reaktionen von "genial" bis "total nervig" auslösten, liefen von 1971 bis 1995. Auch die neue Werbelinie lässt mit der Frage "Ist ein Schuh ein Schuh?" großen Interpretationsspielraum zu. Doch: "Franz steht nicht nur für schräge Werbung", sagt Michael Rumerstorfer, Vorstand der Grazer Leder & Schuh AG, unter deren Dach die Marken Humanic und Shoe4you vereint sind.

Mit tollen Schuhmarken, den neuesten Modellen und einem Omni-Channel-Ansatz will das traditionsreiche Schuhhandelsunternehmen Humanic seine Position als führender Premium-Schuhhändler verstärken. Zahlen zum von der Corona-Krise geprägten Jahr 2020 wollte Rumerstorfer keine nennen. Laut früheren Angaben erwartete die Leder&Schuh-Gruppe, die in neun Ländern tätig ist, ein negatives Ergebnis. 2019 wurde ein Gewinn von 1,6 (nach rund 4) Millionen Euro erwirtschaftet, bei 360 Millionen Euro Umsatz.

Die Vorstände der Leder & Schuh AG, Michael Rumerstorfer (l.) und Wolfgang Neussner. - © Humanic/Juergen Skarwan
Die Vorstände der Leder & Schuh AG, Michael Rumerstorfer (l.) und Wolfgang Neussner. - © Humanic/Juergen Skarwan

Große Nachfrage nach bequemem Schuhwerk

Die österreichweit rund 2.500 Schuhhändler setzten im Jahr 2019 rund 2,87 Milliarden Euro um. Davon entfielen 57 Prozent auf Filialisten wie Humanic oder Deichmann. Die Corona-Krise und insbesondere die harten Lockdowns, in denen nur Geschäfte mit Gütern des täglichen Bedarfs öffnen durften, trafen den Schuhhandel - so wie auch den Bekleidungshandel - schwer.

Obwohl sich zwischenzeitlich Sneakers, Outdoor-Schuhwerk und Kinderschuhe sehr gut verkauften, brachen die Umsätze laut Schätzungen um bis zu 30 Prozent ein. Denn kirchliche Festivitäten wie Hochzeiten, für die man sich von Kopf bis Fuß neu einkleidet, fielen aus, ebenso die großen Kulturveranstaltungen: "Anlassmode" wurde im Corona-Jahr 2020 einfach nicht benötigt.

Geschäfte auf, Geschäfte wieder zu: Auch das heurige Jahr stellt den Handel auf eine harte Probe. Im ersten Quartal betrug der Umsatzrückgang im Schuhhandel 24 Prozent. Nachdem auch Wien am 3. Mai den harten Lockdown beendet hat, scheint es wieder bergauf zu gehen. "Die Mai-Umsätze geben wieder etwas Hoffnung", sagt Friedrich Ammaschell, Obmann des Werbevereins der österreichischen Schuhwirtschaft und selbst Schuhhändler in Mödling, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Aussichten für die kommenden Monate seien leicht positiv, zumal auch das öffentliche Leben zurückkehre und die Menschen wieder mehr ausgehen würden.

Vier bis sechs Paar Schuhe im Jahr

Die Österreicher legen sich laut Konsumerhebungen im Jahr durchschnittlich vier bis sechs Paar neue Schuhe zu. Fast jeder dritte Schuh wird online gekauft, so Ammaschell. "Von den Online-Umsätzen wandern leider mehr als 50 Prozent zu Amazon, Zalando & Co", sagt er. Fachliche Beratung gebe es dort freilich nicht, und die richtige Größe sei auch nicht garantiert. Wer im Fachhandel kaufe, brauche auch nichts zurückzuschicken. Den Preis für einen "guten" Schuh beziffert Ammaschell mit rund 80 bis 90 Euro.

Nach läuft der Verkauf mit Sommerschuhen, doch im Schuhhandel denkt man weit voraus. Ammaschell: "Die Herbstware ist schon eingekauft. Im Juli kommen neue Lieferungen mit schönen Modellen und tollen Kollektionen." Die Sneakerwelle sei ungebrochen, freut er sich. "Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir diese Produktgruppe haben."

Neben dem stationären Geschäft sollten viel mehr Schuhhändler ihre Produkte auch über ihre Homepage zeigen, findet Ammaschell. "Damit schafft man ein zusätzliches Schaufenster und sorgt für entsprechende Frequenz."