Wer heuer eine Reise tut, kann schon im Vorhinein einiges erzählen. Es macht zwar immer Sinn, sich zu überlegen, was man bucht und mit welchem Versicherungsschutz. In diesem Jahr ist es aber besonders knifflig, denn es herrscht Pandemie, auch schon bei der Buchung. Das erschwert Rückzahlungen, die 2020 noch aufgrund der überraschenden Situation gewährt werden mussten. Flüge finden statt, Hotels sind offen, auch wenn die Situation vor Ort bedenklich sein mag. Damit gilt auch das Argument der Nicht-Erbringung von Leistungen nicht mehr und die Kosten werden nicht mehr rückerstattet.

Vielfach wird daher nun mit "Covid-19-Versicherungen" geworben, Reiseveranstalter bieten hier einiges an, Versicherer betonen, dass sie bei Covid-Erkrankungen einspringen. Marketing-Schmähs oder sinnvoll? Viele Konsumenten blicken hier nicht mehr durch.

Gelten womöglich die üblichen Reiseversicherungen 2021 nicht, da doch eine Pandemiesituation vorliegt und diese juristisch als "höhere Gewalt" gewertet wird, wollten wir wissen und haben Experten gefragt.

Das Wichtigste zuerst: Covid-19 ist eine Krankheit und somit auch in einer Reisekrankenversicherung inkludiert, wie Andreas Herrmann, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum EVZ betont. "Wenn man krank ist, deswegen nicht reisen kann und dies von einem Arzt bestätigt wird, sollte die Versicherung dafür aufkommen." Und da Covid-19 bekanntermaßen eine Krankheit ist, ist sie, auch in Pandemiezeiten wie heuer, mitversichert, ob bei Storno-, Reiseabbruch- oder Reiserücktransport.

Herrmann präzisiert allerdings, dass einige Versicherer, abhängig von der Schwere der Erkrankung, einen Unterschied machen, in welchem Umfang sie einspringen: "Sie unterscheiden zwischen normaler und schwerer Krankheit. Wenn man mindestens eine Nacht im Krankenhaus sein muss, gilt das etwa als schwere Krankheit." Der Jurist empfiehlt daher im Vorhinein genau abzuklären, was die Versicherung abdeckt.

Ab Reisewarnstufe 5 wird es kritisch

Ein entscheidender Punkt für die Gültigkeit einer Reiseversicherung ist heuer die Reisewarnstufe, sie gilt es laufend im Auge zu behalten. Derzeit ist zwar fast das gesamte Gebiet der EU, außer Kroatien, laut Außenministerium auf Reisewarnstufe 4. Das ist gut, denn damit gelten Reiseschutzversicherungen, auch in der aktuellen Pandemiesituation.

Aber: "Wenn Covid-19 der Grund für eine Reisewarnung - Stufe 5 oder 6 - ist, dann ist man während der Reise nicht für Covid-19 versichert. Für den Rest schon", erläutert Andreas Sturmlechner, Vorstandsmitglied bei der Europäischen Reiseversicherung, der Marktführerin in Österreich. Das heißt, führt er weiter aus, wer bei Stufe 4 am Urlaubsort an Covid-19 erkrankt, "ist bei uns voll versichert, ohne Mehrprämie".

Ein Stornoschutz, welcher die Kosten eines Reiserücktritts abdeckt, gilt immer im Erkrankungsfall. Bei der Europäischen wird extra angeführt, dass die Stornokosten heuer auch bei einem positiven Corona-Test unmittelbar vor Abreise erstattet werden und auch wenn Angehörige erkranken. Wie sonst auch, braucht es dafür aber wohl eine offizielle Bestätigung, etwa vom Arzt oder mittels Testergebnis. Anders sieht es übrigens aus, wenn man in Quarantäne muss, aber nicht wegen eines Angehörigen!

Krank im Ausland - was ist zu beachten?

Was genau passiert nun aber, wenn im Urlaub etwas passiert, man etwa vor Ort erkrankt? Bei der aktuellen Reisewarnstufe 4 sei das kein Problem, so Andreas Sturmlechner: "Es wird immer das medizinisch Bestmögliche für den Versicherten getan. Nicht nur in Covid-Zeiten."

Ein schneller Rücktransport im Notfall sei oft die einzige Chance, einen Unfall oder eine Erkrankung zu überleben und die Qualität der Krankenhäuser in den meisten Teilen der Erde liege deutlich unter der von uns gewohnten, was als gängiger Grund für einen Rücktransport gilt.

Konsumentenschützer Andreas Herrmann empfiehlt dennoch, in einem solchen Fall eine Bestätigung des Arztes vor Ort einzuholen, dass eine schwere Erkrankung vorliegt. Das Recht, auf eigenen Wunsch einen Krankenrücktransport kostenfrei in Anspruch nehmen zu können, müsse ansonsten ausdrücklich im Versicherungsvertrag ausformuliert sein. Man kommt somit nicht darum herum, das Kleingedruckte zu lesen.

Zudem empfiehlt Herrmann, bei einem Notfall diesen der Versicherung umgehend zu melden, da hier oft Fristen gelten. Wer einen Schadensfall verspätet meldet, kann unter Umständen auf seinen Kosten sitzen bleiben.

Mehrere Versicherungen - macht das Sinn?

Welche Versicherung zahlt nun aber tatsächlich im Fall des Falles, wenn man mehrfach versichert ist? Viele Österreicher haben etwa über ihre Kreditkarte eine Reisezusatzversicherung, womöglich über ÖAMTC oder Alpenverein noch eine und schließen dann auch eine eigene Storno-, Reiseabbruch-, Reisekranken- und/oder Reiserücktransportversicherung für die jeweilige Reise ab. Schnell verliert man da den Überblick, insbesondere bei den Zusatzversicherungen via Kreditkarte, die je nach Bank, bei der man Kunde ist, sehr unterschiedlich aussehen können.

Voll Sorge aufgrund der Pandemie könnte man auch noch eine eigene Covid-Reiseversicherung wie den "Flex-Tarif" von Tui überlegen. "Über 80 Prozent aller Neubuchungen sind aktuell Buchungen mit Flex-Tarif", heißt es vonseiten der Tui. Der Flex-Tarif gewährt bis 14 Tage vor Reiseantritt einen Rücktritt ohne Angabe von Gründen. Zusätzlich wird eine eigene Stornoversicherung empfohlen, die die restliche Zeit abdeckt.

Ist das noch sinnvoll oder schon zu viel des Guten? "Aktuell wird vielfach auf Stornogebühren verzichtet, bis etwa zwei Wochen vor dem Reisebeginn. Nach unseren Aufzeichnungen passieren allerdings mindestens 85 Prozent aller Stornierungen innerhalb von etwa zehn Tagen vor Reisebeginn", gibt Sturmlechner von der Europäischen Reiseversicherung zu bedenken.

Zusätzlich gilt es noch zu wissen, dass Stornokosten zwar unterschiedlich gestaffelt sein mögen, kurz vor Antritt der Reise jedoch am höchsten sind und bis zu 95 Prozent der Gesamtkosten betragen können.

Und wer bezahlt am Ende die Rechnung?

Wenn man bereits mehrfach versichert ist, macht eine Versicherung für eine spezielle Reise noch Sinn? Europäische-Vorstand Sturmlechner bejaht das, wenig überraschend. Er argumentiert dies damit, dass Versicherungen unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Etwa, ob Autoreisen inkludiert sind, ein Krankenrücktransport auf eigenen Wunsch möglich ist und inwieweit Angehörige mitversichert sind oder wie hoch die Versicherungssumme ist.

Und wenn nun so viele Versicherer im Spiel sind, besteht die Gefahr, dass am Ende keiner von ihnen zahlen will? Da beruhigt der Versicherungsvorstand: "Die Versicherungen machen sich untereinander aus, wer wofür aufkommt, teilen sich die Kosten gegebenenfalls auf, wenn etwa die Schadenssumme von einer Versicherung nicht vollständig gedeckt ist."

Das traditionell schlechte Image der Branche sei längst nicht mehr gerechtfertigt, meint er ironisch. Mittlerweile wäre jede Versicherung sehr darauf bedacht, die Kunden zufriedenzustellen, schon im eigenen Interesse, um auch in Zukunft erfolgreich bleiben zu können.