Im Pandemiejahr 2020 brach der Konsum in Österreich ein und die Sparquote stieg stark an. Die netto verfügbaren Einkommen sanken voriges Jahr um 1,8 Prozent,  der Konsum brach um 8,5 Prozent ein. Daraus resultierte eine Nettosparquote von 14,5 Prozent, erklärte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Montag. In den Jahren vor der Krise lag die Quote meist um die 8 Prozent oder knapp darunter.

Im Jahr 2020 sparten die österreichischen Haushalte 31,9 Milliarden Euro netto an - plus 0,8 Milliarden Euro aus Vermögenstransfers, etwa Erbschaften oder Schenkungen, sowie 6,2 Milliarden Euro aus Kapital, das in Form von Krediten aufgenommen wurde. In Summe investierten sie dadurch 38,9 Milliarden Euro. Mehr als drei Viertel davon (30,4 Milliarden Euro) wurden als Finanzvermögen veranlagt. Gegenüber dem Jahr davor (2019: 16,7 Milliarden Euro) hat sich die Geldvermögensbildung des Haushaltssektors somit fast verdoppelt. "Selbst vor der Finanzkrise 2008, als die Sparquote generell höher ausfiel, wurden niemals derart große Volumina investiert", heißt es. Und selbst in der Finanzkrise war die Sparquote nie so hoch.

Sinkende Einkommen, steigende Arbeitslosigkeit

Die netto verfügbaren Einkommen sanken voriges Jahr, auch wegen der höheren Arbeitslosigkeit und eines starken Rückgangs der Vermögenseinkommen, um 1,8 Prozent auf 219,8 Mrd. Euro, nach 224,0 Mrd. Euro 2019. Ohne staatliche Hilfen für die Privathaushalte wäre der Einkommensrückgang noch stärker ausgefallen, im Schnitt um 2 Prozent, wobei laut OeNB der Effekt der Kurzarbeitshilfen noch hinzukommt. Die größten dieser Corona-Hilfsprogramme für die Privathaushalte waren der Härtefallfonds, die Einkommensteuersenkung sowie Einmalzahlungen bei Arbeitslosengeld und Familienbeihilfe.

Beim Sparen blieb die Verteilung des Kapitals weitgehend unverändert. Wie schon in den Jahr zuvor floss 2020 der Großteil in Einlagen (17,6 Milliarden Euro), wobei auch während der Krise weiterhin von gebundenen Einlagen (-3,4 Milliarden Euro) in täglich fällige Einlagen (+21,0 Milliarden Euro) umgeschichtet wurde, nicht zuletzt auch wegen der wenig rentablen Zinslage bei gebundenen Einlagen. Auch zwischen verzinslichen Wertpapieren, also (Anleihen) sowie Investmentzertifikaten gab es schon wie in den Jahren davor Umschichtungseffekte, sodass in Summe 3,3 Milliarden Euro verzinsliche Wertpapiere abgebaut wurden und stattdessen in Investmentzertifikate (4,1 Milliarden Euro) investiert wurde.

Pandemiebedingte Transaktionen werden laut OeNB jedoch auch in anderen Bereichen der Geldvermögensbildung deutlich sichtbar: "Wenig überraschend horteten viele Haushalte besonders am Beginn der Pandemie Bargeld." Deshalb sei 2020 mit 2,4 Milliarden Euro fast dreimal so viel Bargeld behoben worden wie noch 2019 (0,9 Milliarden Euro). Als die wirtschaftliche Unsicherheit zu Beginn der Pandemie weltweit die Börsen abstürzen ließ, nutzten die heimischen Haushalte das Momentum und kauften verstärkt Aktien, im Gesamtjahr für 2,4 Milliarden Euro. "Damit konnten sie die Verluste aus dem Kurseinbruch überkompensieren, was dem Haushaltssektor über das Gesamtjahr einen Vermögenszuwachs von ca. 1,0 Milliarden Euro bescherte." (apa)