Im abgelaufenen ersten Quartal hat die Corona-Krise Österreichs Wirtschaft noch fest im Griff gehabt. Zahlen der Statistik Austria belegen das. So schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 5,5 Prozent, gegenüber dem Vorquartal lag das Minus in den drei Monaten bis Ende März bei 1,1 Prozent. Doch mit Blick auf die fortschreitenden Impfungen und die jüngsten Lockerungen nach dem dritten Shutdown sieht Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas die "wirtschaftliche Talsohle durchschritten", wie er am Montag sagte.

Positive Konjunktursignale ortet Thomas vor allem in der Industrie und am Bau. Die dortigen Umsatzerlöse lägen bereits deutlich über dem Vorkrisenniveau. "Sollten nun auch Tourismus und Dienstleister wieder Fahrt aufnehmen, wird Österreich mit Schwung aus der Krise kommen", so Thomas bei der Online-Präsentation des vierteljährlich erstellten "Austrian Recovery Barometer". "Dafür spricht alles, was uns derzeit an Daten vorliegt."

Bezogen auf das erste Quartal 2019 erreichte die Wirtschaftsentwicklung zuletzt allerdings lediglich 91,5 Prozent ihres Vorkrisenniveaus. "Die wirtschaftliche Lage Österreichs war im ersten Quartal weiter angespannt", erklärte Thomas dazu. Die Serie empfindlicher Rückgänge in der Wirtschaftsleistung (im Vergleich zum jeweiligen Quartal des Vorjahres) setzte sich zu Jahresbeginn somit fort, nachdem 2020 im zweiten Quartal ein durch die Corona-Pandemie bedingtes BIP-Minus von 13,0 Prozent, im dritten Quartal eines von 3,2 Prozent und im vierten Quartal eines von 5,6 Prozent zu verzeichnen gewesen war.

Wie Thomas zur Beschäftigung ausführte, sei diese im Corona-Jahr 2020 mit minus 2,1 Prozent noch kräftiger eingebrochen als in der Weltwirtschaftskrise 2009 mit minus 1,5 Prozent. Schlimmeres sei nur durch die Kurzarbeit verhindert worden.

Langzeitarbeitslosigkeit auf neuem Höchststand

Inzwischen gehe es mit der Beschäftigung wieder aufwärts, im April sei sie bereits bei 99,6 Prozent ihres Vorkrisenniveaus gelegen. Nichtsdestotrotz bestünden am Arbeitsmarkt "weiterhin besondere Herausforderungen", so Thomas. Im April waren 355.400 Menschen als arbeitslos gemeldet - um ein Fünftel mehr als im April 2019. Zudem waren 78.100 Personen in AMS-Schulungen. Die nationale Arbeitslosenquote belief sich im April auf 8,6 Prozent. Mit Besorgnis sieht Thomas vor allem die Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit. Diese habe sich von 2014 bis 2020 "verfünffacht". Zuletzt sei die Zahl jener Personen, die seit mindestens zwölf Monaten auf Jobsuche sind, mit 97.400 auf einen neuen Höchststand gestiegen, berichtete Thomas.

Neue Einschätzungen zur heimischen Konjunktur kamen am Montag auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Geht es nach ihr, wird Österreichs Wirtschaft heuer um 3,4 Prozent und 2022 um 4,2 Prozent wachsen und damit Ende 2022 wieder auf Vorkrisenniveau sein. Wie die OECD erklärte, werde es dank des anziehenden Welthandels und der großzügigen Staatshilfen einen Investitionsschub geben. Gleichzeitig würden die Privathaushalte weniger sparen und damit den Konsum ankurbeln. Mit den Impfungen würden die Menschen wieder mobil, was Tourismus und Gastronomie auf die Beine helfe.

OECD: "Fiskalpolitik sollte konjunkturstützend bleiben"

Trotzdem dürfte der Aufschwung in Österreich nur verzögert ankommen. Zumindest heuer wird er deutlich unter den Werten im Euroraum (plus 4,3 Prozent), in der OECD insgesamt (plus 5,3 Prozent) oder auch in den USA (plus 6,9 Prozent) liegen.


Ein Sparprogramm hält die OECD vorerst nicht für angebracht: "Die Fiskalpolitik sollte konjunkturstützend ausgerichtet bleiben, bis die Erholung richtig in Gang ist", heißt es im neuen Länderbericht zu Österreich. (kle)