Das MAN-Werk in Steyr, das von der Schließung bedroht war, bleibt erhalten. Der Investor Siegfried Wolf übernimmt den Standort nun doch, der Kaufvertrag zwischen seinem Unternehmen WSA und MAN München wurde am Donnerstag unterzeichnet. Wolf hatte bereits im Frühjahr ein Übernahmeangebot für das Werk in Steyr unterbreitet, das aber von der Belegschaft in einer Urabstimmung mit knapp 64 Prozent mehrheitlich abgelehnt worden war. Als Konsequenz nahm die MAN-Zentrale in Deutschland die Pläne zur Schließung des Standorts mit Ende 2023 wieder auf. Dies ist nun vom Tisch. Helmut Emler, Arbeiterbetriebsrat bei MAN Steyr, zeigte sich überrascht und erklärte: "Wir nehmen den Verkauf zur Kenntnis." Keine Angaben macht er dazu, wie die Belegschaft den Verkauf aufgenommen hat.

Beschäftigung für 1.400 von 1.900 Mitarbeitern

Wolf werde seine Zusagen aus dem verbesserten Übernahme- und Sozialplankonzept einlösen, hieß es in einer Presseaussendung. 1.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie sämtliche Lehrlinge bleiben weiter angestellt. Die maximale Lohnreduktion werde minus 15 Prozent vom Nettobezug betragen. Zusätzlich können in einer mit dem Land Oberösterreich geschaffenen, zweckgebundenen offenen Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft weitere 150 Beschäftigte Arbeit finden. Insgesamt sei es so möglich, zwei Drittel der bisher am Standort tätigen 1.900 Personen umfassenden Stammbelegschaft zu halten.

In dem nachgebesserten Angebot sollten statt 1.250 nun 1.400 Stellen erhalten bleiben, indem 150 Jobs über eine Forschungsgesellschaft abgesichert werden. Jene, die trotzdem vom Wegfall von 500 Jobs betroffen wären, sollen etwas besser aussteigen, als zuvor geplant. - © Fotokerschi.at/Kerschbaummayr
In dem nachgebesserten Angebot sollten statt 1.250 nun 1.400 Stellen erhalten bleiben, indem 150 Jobs über eine Forschungsgesellschaft abgesichert werden. Jene, die trotzdem vom Wegfall von 500 Jobs betroffen wären, sollen etwas besser aussteigen, als zuvor geplant. - © Fotokerschi.at/Kerschbaummayr

Jene, die trotzdem vom Wegfall von 500 Jobs betroffen wären, sollen etwas besser aussteigen, als zuvor geplant. Sie sollen, wenn sie den Sozialplan annehmen, "nach dem deutschen Modell in der Nettoausgleichszahlung" gleichgestellt werden, bot Wolf an. Dank eines Altersteilzeitmodells müssten sich ältere Mitarbeiter nicht "beim Arbeitsamt anstellen".

Bis Anfang 2023 würden weiter im Auftrag von MAN Lkw und Lkw- Komponenten hergestellt und parallel dazu neue Fertigungen aufgebaut. Von diesen sollen ab 2023 sieben neue Nutzfahrzeugtypen – vom Kastenwagen über einen Citybus bis zum Lkw – unter der Marke "Steyr" für den Export auf den Weltmarkt vom Band laufen. Bei der neuen Produktlinie werde man künftig auf die Schwerpunkte Elektromobilität, Wasserstofftechnologie und autonomes Fahren setzen. "Damit kann der traditionelle Industriestandort mit seinen hoch qualifizierten Beschäftigten unter der wiederbelebten Marke Steyr einer erfolgreichen Zukunft entgegensehen", versicherte Wolf in der Mitteilung.

Als einzige tragfähige Alternative zur Schließung sei nur der Verkauf an WSA in Frage gekommen, da darüber hinaus – trotz gegenteiliger Berichte – bis zuletzt keine weiteren Kaufinteressenten industriell schlüssige Angebote vorgelegt hätten.

Die Reaktionen aus der Politik fielen positiv aus. Bundeskanzler Sebastian Kurz dankte allen Beteiligten, dass sich eine positive Lösung mit breiter Unterstützung abzeichne. "Jetzt gilt es, positiv in die Zukunft zu blicken und den Standort langfristig durch Innovationen abzusichern." Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bezeichnete die Übernahme durch Wolf als eine Lösung ganz im Sinne des Standortes. "Damit hat sich wieder einmal gezeigt, dass verfrühte Rufe nach uralten Rezepten wie Verstaatlichungen nicht der Weisheit letzter Schluss sind."

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner versicherten: "Das Angebot des Landes, im Bereich Forschung & Entwicklung Unterstützung zu leisten, bleibt natürlich weiterhin aufrecht." Denn um die Zukunftsfähigkeit des Werks in Steyr abzusichern, gelte es, den Standort auf die Transformation der Mobilität auszurichten, insbesondere in den Bereichen E-Mobilität und Wasserstoff.

Die oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende Birgit Gerstorfer stellte fest: "Die Entschlossenheit der Belegschaft hat Arbeitsplätze gerettet." Jene, die sich gegen die Mitsprache und Entscheidung der Belegschaft ausgesprochen hätten, würden nun eines Besseren belehrt.

Grüne: Weg führt zu nachhaltiger Mobilität

Die Grüne Wirtschaftssprecherin Ulrike Schwarz begrüßte die von I Wolf selbst festgelegte Schwerpunktsetzung auf nachhaltige Mobilität. Er sei lang genug im Geschäft, um zu wissen, dass sich die Autobranche völlig wandle und der Weg nur zu nachhaltiger Mobilität führen könne. Neos-Landessprecher Felix Eypeltauer kritisierte, was zuletzt in Steyr passiert sei, "ist das desaströse Ergebnis eines ganzen Jahrzehnts an versäumter, unzureichender Standort- und fehlender Innovationspolitik." (red.)