Eine mögliche Ansiedelung des Onlinehändlers Amazon sorgt in Vorarlberg für Aufsehen. Laut Medienberichten plant der US-Riese ein Verteilzentrum in Dornbirn unweit der Autobahnanschlussstelle Dornbirn-Nord. Seitens Amazon hieß es gegenüber der APA dazu am Freitag, man prüfe kontinuierlich neue Standorte. Logistikprojekte brauchten Zeit, man könne ein Projekt erst bestätigen, wenn es ein gewisses Stadium erreicht habe, so ein Sprecher.

Der ORF Vorarlberg und weitere Medien berichteten unter Berufung auf den Dornbirner FPÖ-Stadtrat Christoph Waibel, Amazon plane den Bau eines Verteilzentrums im Industriegebiet Nord. Die Pläne seien bereits weit gediehen. Vorgesehen sei ein sechsstöckiges Gebäude, das 28 Meter hoch werden soll, so Waibel. Gebaut werden soll im Baurecht auf einem 33.000 Quadratmeter großen Grundstück im Eigentum der Ulmer Holding. Weitere benachbarte Grundstücke könnten hinzu kommen, damit würde sich die Fläche auf 50.000 Quadratmeter vergrößern. Die Ulmer Holding bestätigte eine Anfrage gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten", man spreche da aber über "ungelegte Eier". Es gebe viele Anfragen für das Grundstück, die man alle prüfe.
Die Dornbirner Stadtverantwortlichen zeigten sich bereits wenig begeistert von dem möglichen Ansiedelungsprojekt. Das Gewerbegebiet sei eher als Möglichkeit für produzierende Betriebe gedacht. Allerdings habe man als Stadt wenig Handhabe, wenn die Voraussetzungen stimmten und sich der Grundstückseigentümer für Amazon entscheiden würde, so Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP). Vorgespräche soll es bereits gegeben haben.
Die SPÖ fürchtete zusätzlichen Verkehr und sah den lokalen Handel bedroht. Offenbar handelt es sich bei dem Vorhaben des Onlinehändlers, so es denn kommt, um ein Verteilzentrum für die Auslieferung an die Kunden mit Lieferfahrzeugen, nicht um ein Lager. Die Anlieferung der Pakete aus den Logistikzentren würde dann vor allem nachts erfolgen.
Amazon erklärte gegenüber der APA, es gebe "Kernregionen in Österreich, in denen unsere Kapazität nicht ausreicht. Es wäre sinnvoll, dort die Flexibilität unseres Netzwerks irgendwann zu erhöhen, um unseren Prozess zu optimieren und letztlich näher an die Kund:innen zu rücken." An allen Amazon-Standorten wolle man "ein guter Nachbar sein". Man schaffe Arbeitsplätze und engagiere sich für gute Zwecke in der Gemeinde, zudem biete man lokalen Lieferpartnern die Möglichkeit, mit Amazon zu wachsen, hieß es.
Dass Amazon sich für eine Expansion in der Region interessiert, ist bereits seit längerem bekannt. So soll es auch Überlegungen zu einer Ansiedelung in Götzis (Bezirk Feldkirch) gegeben haben. In die Standortsuche soll der Wiener Logistikimmobilienspezialist Go Asset involviert sein, der auch das im Februar eröffnete dritte Verteilzentrum für Wien entwickelte. Neben den bestehenden drei Verteilzentren in Wien bzw. Niederösterreich plant Amazon derzeit auch Verteilzentren in Graz und Klagenfurt. Außerhalb des Großraums Wien arbeitet das Unternehmen hauptsächlich mit der Post zusammen. Dort, wo diese Kapazitäten aufgrund der Kundennachfrage nicht ausreichen, errichtet Amazon eigene Verteilzentren. (apa)