Während die Vorstandschefs der im Wiener Leitindex ATX börsennotierten Unternehmen inzwischen fast so viel verdienen wie die Spitzenmanager des vergleichbaren deutschen MDAX/SDAX, liegt die Entlohnung der Aufsichtsräte noch immer weit unter dem internationalen Niveau. "Man muss in Österreich fast ein Einkommen und Vermögen mitbringen, um Aufsichtsratschef zu werden", sagt Michael Kramarsch, Partner der Unternehmensberatung hkp-Group.

Mit durchschnittlich 107.000 Euro im Jahr liegt das Vergütungsniveau der österreichischen Aufsichtsratschefs um ein Drittel unter jenem der etwa gleich großen Unternehmen, die im deutschen MDAX/SDAX gelistet sind.


Berücksichtigt wurden in der Berechnung nur die Aufsichtsratsvorsitzenden, die ganzjährig im Amt waren - im Jahr 2019 waren das 13 Aufsichtsratschefs, 2020 waren es 16. "Durch diese unterschiedliche Grundgesamtheit steigt der Vergütungsdurchschnitt um 22 Prozent", erklärte Kramarsch. "Betrachtet man nur den Ausschnitt der Aufsichtsratschefs, die 2019 und 2020 im Amt waren, dann sind die Vergütungen um 5,6 Prozent zurückgegangen."

In die hkp-Analyse wurden alle Unternehmen einbezogen, die zum Stichtag 31.12.2020 im ATX gelistet waren. Ausgewertet wurden die entsprechenden Geschäfts- beziehungsweise Vergütungsberichte, die sich auf das Geschäftsjahr beziehen, das 2020 endet. Betrachtet wurden fixe Vergütungen, variable Vergütungen in Abhängigkeit vom Unternehmenserfolg, Vergütungen für die Tätigkeit in Ausschüssen und Sitzungsgelder. Dabei sind die Vergütungen der Aufsichtsräte viel weniger erfolgsorientiert als jene der Vorstände: Nur drei Unternehmen weisen derzeit variable Aufsichtsratsvergütungen aus. Schoeller-Bleckmann hat laut hkp bereits beschlossen, seine Aufsichtsräte zukünftig nur noch fix zu vergüten.

Die Höhe der Vergütungen entspreche nicht der Qualität der Leute, sagte Kramarsch im Gespräch mit der APA. "Der Aufsichtsrat in Österreich ist unterbezahlt für den Aufwand und für das Kaliber der Menschen, die man dafür braucht, und auch in Relation zum Vorstand."

31 Prozent Frauenanteil

International sehen lassen kann sich Österreich aber mit der aktuellen Frauenquote von durchschnittlich 31 Prozent und vier weiblich besetzten Vorsitzen in Aufsichtsräten, nämlich bei der Immofinanz (Bettina Breiteneder), der Österreichischen Post und der Telekom Austria (Edith Hlawati) sowie bei der s Immo (Karin Rest). "Im DAX ist es eine, nämlich Frau Simone Bagel-Trah von Henkel, und der gehört auch noch ein wesentlicher Anteil des Unternehmens."

Unter den Spitzenreitern beim Frauenanteil in den Aufsichtsräten des ATX seien mit Anteilen von 40 bis 50 Prozent auch Unternehmen, für die die 30-Prozent-Quote des Aktiengesetzes nicht bindend ist. Seit 2018 gilt laut Paragraph 86 Aktiengesetz für börsenotierte Unternehmen ein Frauenanteil im Aufsichtsrat von mindestens 30 Prozent. Ausgenommen sind Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern, einem Anteil an Frauen unter den Mitarbeitern von unter 20 Prozent und weniger als sechs Mitgliedern (ohne Arbeitnehmervertreter) im Aufsichtsrat. (apa)