In der Ferienhotellerie springen nach monatelangen Lockdowns die Buchungen wieder an. Weniger erfreulich ist die Personalsituation. "Diese Sommersaison wird eine ziemliche Herausforderung, was die Mitarbeiter betrifft", betonte Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich im Gespräch mit der APA. Ein erheblicher Teil der Beschäftigten hat der Branche nämlich inzwischen den Rücken gekehrt.

 

AMS kommt mit Stellenvermittlung nicht mehr nach

Seit der Öffnung der Branche am 19. Mai buchen sich zusehends wieder Gäste in die Ferienhotels, -pensionen und -wohnungen ein, vor allem über die Wochenenden. In der Hochsaison im Juli und im August werde auch gut unter der Woche gebucht sein, ist sich Kraus-Winkler sicher. "Das größte Problem im Moment ist das Thema Mitarbeiter", betont sie. Nicht nur Fachkräfte werden gesucht, sondern auch Hilfspersonal. Das Arbeitsmarktservice (AMS) komme mit dem Vermitteln der offenen Stellen nicht mehr nach.

Nach mehr als einem halben Jahr Lockdown (von 3. November 2020 bis 19. Mai 2021) müssen die heimischen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe diesen Sommer mit rund 25 Prozent weniger Personal auskommen als vor Corona. Hotellerie und Gastro beschäftigen zu Normalzeiten rund 220.000 Mitarbeiter. Geschätzt 55 Prozent waren der Hotelierssprecherin zufolge in der schwierigen Zeit in Kurzarbeit, rund 28 Prozent waren in der Arbeitslosen, und nur etwa 16 Prozent wurden voll weiterbeschäftigt.

Die Zahl der Arbeitslosen im Tourismus sei heuer von April auf Mai von rund 62.000 auf 44.600 gesunken. Anfang Juni waren den Angaben zufolge weitere rund 100.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, Ende März waren es noch rund 122.000 gewesen.

"Die Arbeitslosen sowie grob drübergeschätzt 5 bis 10 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit springen ab, wenn diese beendet wird", sagte Kraus-Winkler. Das impliziert 50.000 bis 55.000 offene Stellen in der Branche. "Ich höre das vor allem in der Stadthotellerie, aber beispielsweise auch von einigen Betrieben in Niederösterreich", so die Hotelierssprecherin. Von dieser Entwicklung ausgenommen seien hauptsächlich Betriebe, die sehr viele Stammmitarbeiter haben.

"Deshalb auch der Schrei nach dem erhöhten Ausländerkontingent, aber ich weiß nicht, ob das ausreicht", erklärte die Hotelière Kraus-Winkler. Im Rahmen des Drittstaaten-Saisonnierkontingents wurden für das Jahr 2021 laut Wirtschaftskammer österreichweit 1.263 Plätze vergeben. Zur Hochsaison könnten diese Plätze bei Bedarf um rund 20 Prozent überschritten werden. Die meisten Kräfte aus Nicht-EU-Ländern stammen aus Serbien und Bosnien-Herzegowina. Vereinzelt kommen auch Mitarbeiter aus Nepal für die Berg- und Schutzhütten sowie aus der Ukraine, dem Kosovo und Mazedonien.

Vor allem Ferienhotellerie auf mehr Personal angewiesen

Deutlich mehr Beschäftigte zum Bewältigen der anstehenden Sommerbuchungen braucht hauptsächlich die Ferienhotellerie. "Wir haben immer noch so eine unterschiedliche Betroffenheit", hielt Kraus-Winkler fest. Der Stadthotellerie geht es mangels Urlaubern aus Übersee nach wie vor schlecht. Die Situation der Kongress-, Messe- und Flughafenhotels ist tendenziell trister. "Wir haben die unterschiedliche Betroffenheit auch innerhalb der Betroffenen", strich die Branchenvertreterin hervor. Innerhalb der Stadthotellerie sei beispielsweise ein Hotel an der Messe Wien von den Folgen der Pandemie noch stärker beeinträchtigt als etwa ein Hotel im Stadtzentrum. "Die Seminarhotels haben auch noch große Probleme", ergänzte sie.

Immerhin hat die Regierung die staatlichen Corona-Wirtschaftshilfen, die jetzt Ende Juni ausgelaufen wären, diese Woche um weitere drei bzw. sechs Monate verlängert. Das hilft vielen ein Stück weiter.

Eine für die Branche insgesamt gute Entwicklung ist auch der Grüne Pass für Geimpfte, Getestete oder Genesene ("3-G-Regel"), der das Reisen zumindest innerhalb Europas erleichtern soll und den die EU zu Beginn dieser Woche besiegelt hat. Die Verordnung für dieses Covid-Zertifikat zum Nachweis von Corona-Impfungen, -Tests bzw. überstandenen Covid-19-Erkrankungen gilt ab dem 1. Juli für zwölf Monate.

Beim Reisen in europäische Länder hinderlich sind die derzeit noch unterschiedlichen Einreisebestimmungen - Italien etwa verlangt neben einer elektronischen Vorab-Registrierung einen negativen PCR-oder Antigentest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, und erkennt noch keine Impf- oder Genesungsnachweise an. In Österreich wiederum gilt der PCR-Test 72 Stunden lang. Ein Blick auf die Homepage des Außenministeriums (https://www.bmeia.gv.at) lohnt bei dem Wirrwarr an Vorgaben, das alleine innerhalb Europas herrscht. Auf der Website ist die jeweils gültige Reiseinformation für jedes Land unter dem Punkt "Aktuelle Hinweise" nachzulesen. (apa)