Wenn in einem Unternehmen mit einer Vielzahl erfahrener Mitarbeiter ein neues Software-System eingeführt wird, kommt es unausweichlich zu Reibereien. Sehen dies die Berufseinsteiger als Herausforderung und normale Erweiterung des Arbeitsalltags, wehren sich die "alten Hasen" oft dagegen mit dem Argument "Brauchen wir nicht, ging immer ohne!"

Damit solche Schritte in den Unternehmen künftig geordneter ablaufen, der Wissenstransfer von Alt zu Jung funktioniert und sich die Mitarbeiter - gleich welchen Alters - in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen und produktiv bleiben, gibt es seit vier Jahren die Demografieberatung in Österreich.

Dabei handelt es sich um ein Projekt des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit, das seit 2017 bereits 1.700 heimischen Betrieben unterstützend zur Seite gestanden ist. Für die Firmen ist diese Beratung übrigens kostenfrei erhältlich.

Von 2014 bis 2020 standen Österreich aus den Mitteln des ESF mehr als 442 Millionen Euro - das sind insgesamt 867 Millionen Euro inklusive nationaler Ko-Finanzierung - für Arbeitsmarkt und Qualifizierungsprojekte zur Verfügung. Fast die Hälfte dieser Mittel wird in Bildung und lebenslanges Lernen investiert. Das Budget für die nächste Förderperiode 2021-27 wird derzeit verhandelt.

"Präventive Arbeitsmarktpolitik"

"Die Demografieberatung ist das größte Projekt des ESF in Österreich", erläuterte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) bei der Veranstaltung zum vierjährigen Bestehen der Initiative. Kocher unterstrich die Wichtigkeit von "präventiver Arbeitsmarktpolitik", um für Herausforderungen wie Fachkräftemangel und demografischen Wandel gerüstet zu sein. Es gelte ältere Arbeitnehmer künftig in den Betrieben zu halten. Ihre Arbeitsverhältnisse seien zwar einerseits stabiler, werden sie jedoch arbeitslos sei es schwieriger für sie, wieder Beschäftigung zu finden, so der Arbeitsminister. Zudem werde es in Zukunft immer schwieriger sein, junge Arbeitnehmer zu finden.

Unternehmen müssten daher die Lebensphasen der Mitarbeiter mit berücksichtigen und "alters- und alternsgerechte Arbeitswelten" schaffen. So könnte Arbeitslosigkeit verhindert werden. "Es ist wichtig, sowohl die Unternehmen wie auch die Gesellschaft für altersgerechte Arbeit und Karrieren zu sensibilisieren", so Martin Kocher.

Die Fakten am österreichischen Arbeitsmarkt sprechen jedenfalls für einen entsprechenden Handlungsbedarf, hat sich doch die Zahl der über 55-jährigen Arbeitnehmer in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Zudem nimmt auch die Arbeitslosigkeit bei Älteren überdurchschnittlich zu.

"In den nächsten zehn Jahren gehen auch noch die Babyboomer in Pension", erläutert Alexandra Weilhartner, Projektleiterin bei der Demografieberatung. "Betriebe müssen dafür sorgen, dass Personen über 45 ihre Arbeitsfähigkeit erhalten, denn sie werden die größte Gruppe am Arbeitsmarkt", so Weilhartner. Hinzu käme Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung und mobile, flexiblere Arbeitsformen, aber auch Nachfolgeplanung bei Nachbesetzungen. Hier müssten langfristige strategische Lösungen gefunden werden, um so für die Zukunft und etwaige Krisen besser gerüstet zu sein.

Die Demografieberatung schickt bei Bedarf einen ihrer 90 Coaches zu den interessierten Betrieben in ganz Österreich, die dann vor Ort Ausgangssituation und Handlungsbedarf analysieren, Maßnahmen vorschlagen und beim Entwickeln individueller Lösungen unterstützen.

Als Best-Practice-Beispiele wurden bei der Veranstaltung zum Vierjahres-Jubiläum ein "Generationen-Stammtisch" beim Restaurant Hubertushof in Zeltweg angeführt sowie eine Software-Einführung bei Alco-Wintergärten.

"Es gibt keine klassische Demografieberatung, sondern nur individuelle Lösungen", führte Beraterin Irene Szimak, die bei Alco im Einsatz war, dazu aus. Die besondere Herausforderung in diesem Fall sei es gewesen, die Erfahrung der Älteren in Form von Prozessen für das Projektmanagement sauber aufzusetzen und sie so digital umsetzen zu können.

Alco-Geschäftsführerin Monika Thurnher ergänzt augenzwinkernd: "Wir hätten die Demografieberatung nicht gemacht, wenn es nicht kostenfrei gewesen wär - , im Vorhinein. Im Nachhinein hätten wir das auch bezahlt, denn es hat bei uns tatsächlich funktioniert."