Das Wasser der Badehose tropft auf den heißen Boden. Es riecht nach Schnitzelsemmeln und Sonnencreme. Die Augen brennen noch vom Tauchen. Nase und Schultern röten sich. Man ist erschöpft vom vielen Rennen, Rutschen, Tischtennisspielen und dennoch überglücklich hier zu sein. Das Freibad ist ein Ort der Sehnsucht. An heißen Tagen liegt die Abkühlung nur wenige Busminuten entfernt. Es geht um nichts, außer darum, mit der Arschbombe möglichst weit zu spritzen. Und darum, die Pommes unter möglichst viel Ketchup zu ertränken. In den Kindheitserinnerungen enden die Tage im Freibad nie. Man kommt früh ins noch leere Bad und verlässt es, als auf den Wiesen nur noch Schatten sind.

Die Kindheit liegt weit zurück, die Freibäder gibt es noch immer. Doch auch sie sind in die Jahre gekommen. Viele der Anlagen in Österreich wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren erbaut. Der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Wenn also der Beton vom Sprungturm bröckelt, der Kunststoff von der Rutsche splittert und das Becken leckt, hilft nur noch die Sanierung. Doch viele Gemeinden können sich eine Erneuerung nicht mehr leisten. Die Freibäder reißen große Löcher in die kleinen Gemeindebudgets. Laut Gemeindebund werden Freibäder "de facto nie" kostendeckend geführt.

Manche Gemeinden versuchen durch ehrenamtliches Engagement, mit Spenden oder durch Bürgerbeteiligungen die Freibäder am Leben zu erhalten. Andere Gemeinden geben auf. Im niederösterreichischen Pyhra wurde 2016 das Freibad nach 43 Jahren geschlossen. Die Reparatur hätte 800.000 Euro ausgemacht. In Bad Großpertholz (Bezirk Gmünd) wurde bereits 2012 das Wasser endgültig aus den Becken ausgelassen. Das Bad konnte nicht mehr finanziert werden. "Die Sanierung der in die Jahre gekommenen Bäder ist eine finanzielle Herausforderung für die Gemeinden, weswegen auch manche schon bei anstehenden Sanierungen über Schließungen nachdenken", sagt Andreas Steiner, Pressesprecher vom Gemeindebund. Ohne Subventionen seitens der Gemeinden könnte kein Freibad betrieben werden. Laut Zahlen des Gemeindebunds von 2018 haben rund 750 Gemeinden (einige Gemeinden betreiben gemeinsam Bäder) rund 150 Millionen Euro pro Jahr für Frei- und Hallenbäder ausgegeben.

Minusgeschäft Freibad

Dabei ist das Freibad mehr als der Sprung ins kühle Nass. In Freibädern trifft sich die Gemeinde. Am Imbiss wird Karten gespielt und Spritzer getrunken. Freibäder erfüllen eine ähnlich wichtige Funktion wie Bäcker, Greißler oder Wirtshäuser. Letztere sterben in Österreich langsam aus. Und auch die Zahl der Freibäder nimmt stetig ab. Laut Zahlen der Wirtschaftskammer gab es 2011 in ganz Österreich 363 Freibäder. 2020 waren es 331. Auch die Zahl der Hallen-, Natur- und Seebäder ist geschrumpft. "Wer Landflucht verhindern will, muss auch für Freizeitinfrastrukturen sorgen. Es geht beim Erhalt eines Bades auch immer um den Kampf gegen die Ausdünnung des ländlichen Raumen", sagt Steiner.

"Wir sanieren ständig", sagt Hans Unger, Bürgermeister der Gemeinde Oberschützen am Telefon. Unter seiner Verwaltung steht das älteste Freibad des Burgenlands. Es wurde bereits 1930 erbaut. "Wir haben keine Kostendeckung. Im Gegenteil, der Betrieb ist mit intensiven Kosten verbunden", sagt Unger. In einem normalen Jahr liege das Defizit bei 10.000 bis 15.000 Euro für die Gemeinde. Erst vergangenes Jahr wurden 50.000 Euro in Sanierungsarbeiten investiert. "Das Bad ist eine Infrastruktur, die aufrechterhalten gehört, auch wenn es ein Minusgeschäft ist", ist Unger überzeugt. Rund 1500 Schüler hat der Ort. Sie nutzen das Freibad auch für schulische Zwecke.

In Oberpullendorf hat sich die Gemeinde die Erneuerung des Freibades noch viel mehr kosten lassen. 600.000 Euro wurden vor einigen Jahren in eine automatische Aufbereitung des Wassers investiert. Das Bad aus den 1950er-Jahren finanziert sich allein durch die Eintrittsgelder: Vier Euro zahlen Erwachsene, zwei Euro Kinder. Damit geht sich ein kostendeckender Betrieb nicht aus. Das jährliche Minus beläuft sich auf 70.000 Euro. "Das Freibad ist ein Draufzahler. Aber es gibt in einer Gemeinde Bereiche, die man machen muss", sagt Bürgermeister Rudolf Geißler. Das Freibad müsse sich auch gar nicht rechnen , sagt er. Es sei ein Angebot der Stadt für den sozialen Ausgleich. "Viele Familien können sich einen Urlaub in Italien oder Kroatien nicht leisten. Das Freibad ist für sie eine leistbare Sommererholung."

Nicht nur kleine Gemeinden zahlen drauf. Selbst in Wien rechnet sich der Betrieb nicht. Das Defizit aller Bäder betrug im vergangenen Jahr 46,7 Millionen Euro, 2019 waren es 45,4 Millionen Euro.