Das Wiener Start-up Go Student sorgt derzeit bei Österreichs Medien für fette Schlagzeilen. Dass Investoren eine relativ junge, erst sechs Jahre alte Firma, die Schülern Nachhilfelehrer per Webcam vermittelt, über Nacht mit gut 1,4 Milliarden Euro bewerten, ist hierzulande alles andere als alltäglich. Go Student, wo großteils amerikanische Anleger an Bord sind, auch wenn sich zuletzt ausschließlich asiatische Investoren eingekauft haben, ist damit das wertvollste Start-up im Land. Für Felix Ohswald, Mitbegründer und Co-Chef des rasant wachsenden Unternehmens, ist das ein weiterer Ansporn, die Ärmel hoch aufgekrempelt zu lassen. Für die Zukunft hat er gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern ehrgeizige Ziele ins Visier genommen.

"Allein in Europa ist der Nachhilfemarkt rund 30 Milliarden Euro schwer", sagt Ohswald im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "In den nächsten vier Jahren wollen wir mindestens zehn Prozent von diesem Kuchen haben."

Aktuell mache Go Student acht Millionen Euro Umsatz pro Monat. Rund 15.000 Schüler seien derzeit auf der Plattform aktiv, wobei monatlich rund 400.000 Nachhilfestunden gebucht würden. Ob die Firma schwarze Zahlen schreibt, will der 26-jährige Unternehmer allerdings nicht sagen: "Ergebniszahlen kommunizieren wir nicht."

Mittelfristig will sich Go Student in 20 Ländern weltweit etablieren, momentan sind es 15. Zudem ist geplant, das Personal auf 1.000 Mitarbeiter und die Zahl der Tutoren auf 10.000 zu verdoppeln.

Bereits mehr als 600 Beschäftigte

Wie stark die Firma wächst, illustriert Ohswald auch mit folgenden Zahlen: "Waren wir Anfang 2020 noch 40 Leute, übersteigen wir diese Woche die Marke von 600 Beschäftigten im Unternehmen."

Auch Börsenpläne hegt das Management von Go Student. "Mittelfristig ist es unser Ziel, an die Börse zu gehen", sagt Ohswald. An welcher Börse das Listing erfolgen könnte, ob in Wien oder etwa gar an der US-Technologiebörse Nasdaq, lässt er offen: "Das liegt noch zu weit in der Zukunft, um hier Genaueres zu sagen."

Firma profitierte auch von Förderungen

Für den Geschäftserfolg war es aus Sicht Ohswalds wichtig, dass es gelungen sei, ein funktionierendes und auf internationale Märkte umlegbares Business-Modell zu etablieren. Wesentlich sei dabei auch gewesen, die Zielgruppenansprache von den Kindern auf die Eltern umzuorientieren. "Ein weiterer essenzieller Erfolgsfaktor ist das Team. Nur mit den besten, leidenschaftlichsten und motiviertesten Persönlichkeiten kann man ein Start-up erfolgreich machen", so Ohswald.

Profitiert hat Go Student aber auch von Förderungen der öffentlichen Hand. "Das war eine große Unterstützung", betont Ohswald.

Zur Wiener Start-up-Szene sagt er: "Hier gibt es viele spannende Projekte, und wir sind untereinander gut vernetzt." Auch im Bildungsbereich kämen immer wieder helle Köpfe auf "neue Ideen, wie man Probleme durch Einsatz von Innovation verbessern kann, um die Lernerfahrung von Schülerinnen und Schülern zu intensivieren".