Der Aufschwung in Österreich nach der Coronakrise erfolgt viel schneller als Experten und selbst die Wirtschaftstreibenden angenommen haben. "Dem Patienten 'Österreichische Volkswirtschaft' geht es merklich besser als noch vor ein paar Monaten", so Wifo-Chef Christoph Badelt am Donnerstag zur neuen Konjunkturprognose. Schon im dritten Quartal werde das Produktionsniveau von vor der Krise erreicht sein. Österreich hat damit aber eineinhalb Jahre Wirtschaftswachstum verloren.

Nach einem Einbruch der Wirtschaft um 6,3 Prozent im vorigen Jahr und einem noch leicht rückläufigen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal seien für das zweite und dritte Vierteljahr starke Zuwachsraten zu erwarten. Selbst negative Auswirkungen der Delta-Variante des Coronavirus würden die Jahresprognose von 4,0 Prozent BIP-Plus nicht mehr gefährden, so Badelt: "Das gute zweite und dritte Quartal kann man uns nicht mehr wegnehmen", allenfalls das vierte könnte betroffen sein.

Konsumenten rascher zurückgekommen

Auch der Senior Researcher des Institut für Höhere Studien (IHS), Helmut Hofer, zeigte sich optimistischer in Bezug auf die Delta-Variante, wenn der Impffortschritt so weitergehe. Denn es scheine die Delta-Variante durch eine Impfung bzw. eine Vollimmunisierung gut bekämpfbar. Zumindest für die entwickelten Volkswirtschaften schätze er das Risiko also geringer ein, so der Sprecher für die IHS-Prognose. Sein Institut geht für das heurige Jahr von 3,4 Prozent realem BIP-Anstieg aus.

Als Grund, warum der Aufschwung jetzt so unerwartet schnell gekommen ist, verwies man seitens des IHS unter anderem auf die deutlich verbesserte Gesundheitssituation in der Pandemie, den zuletzt nur recht kleinen Lockdown im Osten des Landes, die positiven Einflüsse der Weltkonjunktur und in der Industrie sowie die Tatsache, dass die heimische Wirtschaft in Bezug auf die Einschränkungen im dritten Lockdown schon viel besser eingestellt gewesen sei als auf jene des ersten und zweiten Herunterfahrens.

Badelt meinte, auch die Konsumenten seien nach dem letzten Lockdown viel rascher wieder zurückgekommen, das habe eine enorme Dynamik ausgelöst. Maßgeblich dafür sei die aktuell niedriger wahrgenommene Unsicherheit, wodurch das "Vorsichtssparen" wegfalle, sagte Wifo-Prognoseexperte Christian Glocker.

Für die Zeit nach der Coronakrise wünscht sich Badelt, seit kurzem Präsident des Fiskalrats, eine "Rückkehr zu einer regulären Finanzpolitik", bei der unter anderem die Frage "wie viel Schulden können wir uns leisten" im Fokus stehen sollte. Auch seien Strukturreformen im öffentlichen Sektor unabdingbar. Die Wirtschaftspolitik sollte ebenfalls, klug gestaltet, wieder auf einen normalen Pfad übergehen. Bei den diversen Corona-Hilfsmaßnahmen gehe es um die Beendigungen, also Exit-Strategien. Zu wenig gesagt wurde aus seiner Sicht bisher auch zum Aufschub für die Bildung, etwa durch Schulschließungen. (apa)