Es gibt nicht mehr viele Hotels, in denen die Gäste noch richtige Schlüssel bekommen. Das Hotel Regina ist eines davon. In Reih und Glied hängen sie an der Rezeption des Wiener Stadthotels auf ihren Haken. Nur hier und da fehlt einer.

Wolfgang Kremslehner, einer der Geschäftsführer der gleichnamigen Hotelgruppe, eilt herbei, vorschriftsmäßig mit Mund-Nasen-Schutz ausgerüstet. Bei einer kurzen Führung durch das traditionsreiche Haus bei der Wiener Votivkirche wird schnell ersichtlich, dass die Corona-Krise noch nicht vorbei ist. - Ein einsamer Gast kommt die Treppe herunter.

Die Zimmer sind tipp-topp hergerichtet, doch mangelt es noch an Gästen.

Die Zimmer sind tipp-topp hergerichtet, doch mangelt es noch an Gästen.

In normalen Zeiten liegt die Auslastung etwa bei 80 bis 90 Prozent. "Wenn wir jetzt 30 Prozent erreichen, dann ist das schon ein Erfolg", sagt Kremslehner und öffnet die Tür zur Bösendorfer-Suite, wo er im Sommer 2020 im Rahmen eines Kulturevents aus den Tagebüchern seiner Urgroßmutter las. Rund 90 Prozent der Hotelgäste kommen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland. Mit den Buchungen sieht es momentan nicht sehr berauschend aus. Auf Prognosen will sich Kremslehner nicht einlassen: "Das war schon vor einem Jahr Kaffeesudleserei und ist jetzt auch nicht besser."

Die gesamte Stadthotellerie steckt noch tief in der Krise. Doch es gibt Hoffnung. Martin Stanits, Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), verweist auf die in der Nacht zum Donnerstag in Kraft getretene Novelle des Einreisegesetzes. Neben den USA kommen unter anderem auch einige asiatische Länder wie Japan und Saudi-Arabien auf die Liste sicherer Staaten.

Über die heimischen Beherbergungsbetriebe wurde während der Corona-Lockdowns ein Betretungsverbot verhängt. Davon ausgenommen waren Gäste, die aus beruflichen Gründen anreisten. Für die meisten Hotels war das nicht lukrativ genug, und sie blieben geschlossen. Nicht jedoch das Hotel Regina, wo ein kleiner Teil der rund 170 Zimmer weiter vermietet wurde. "Neben Geschäftsreisenden waren auf einmal auch Leute im blauen Arbeitsoverall da", schildert Wolfgang Kremslehner. Seit 1989 ist er als geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens für die Finanzen zuständig. Die operative Geschäftsführung der GmbH hat seine Cousine Vera inne, Cousine Eva zeichnet für Marketing und Verkauf verantwortlich.

In der Coronakrise war das Team erfinderisch. So bot das zum Hotel Regina gehörende Restaurant Roth im Lockdown Speisen zum Abholen an, und mit attraktiven Zimmerpreisen warb man im Rahmen der Initiative "Erlebe deine Hauptstadt" bei Einheimischen für einen Kurzurlaub in Wien.

Kremslehner zeigt das Zimmer, in dem einst der Schriftsteller Stefan Zweig nächtigte, die Ahnengalerie und nicht zuletzt die Liste der bekannten Persönlichkeiten, die sich in der Vergangenheit im Hotel Regina die Klinke in die Hand gaben. Über seine Vorfahren und die Meilensteine, die sie setzten, könnte Kremslehner stundenlang reden.

Und das Jahr 2020? "Es ist so wie bei einem Sturm, den muss man abwettern", bemüht der Hobbysportler einen Begriff aus der Seemannssprache. "Zum Glück hatten wir gute Jahre und haben Reserven aufgebaut." Natürlich seien die staatlichen Hilfen dankend angenommen worden, vor allem die Kurzarbeitshilfe, denn so konnten Kündigungen vermieden werden.

"Ohne die Corona-Hilfen wären wir nicht gleich in Konkurs gegangen, überfördert wurden wir aber auch nicht", betont Kremslehner später im Gastgarten. Die Umsätze seien im Corona-Jahr 2020, ein Jahr vor dem 125-jährigen Firmenjubiläum, um 80 Prozent eingebrochen. In den Jahren vor Corona, als der Städtetourismus noch einen Boom verzeichnete, seien immer zwei Millionen Euro aus dem Cash-flow investiert worden, jetzt gelte es, Kredite zurückzuzahlen.

Viel Papierkram erforderte zuletzt der Verlustersatz, der als Entschädigung für ungedeckte Fixkosten für den Zeitraum September 2020 bis Juni 2021 dient. Das Geld hat dem Unternehmen wieder Liquidität verschafft, so Kremslehner. Auch die Verlängerung der Kurzarbeit für die Stadthotellerie bis Jahresende hilft, denn noch sind nicht alle Betriebe geöffnet.

Guter Teil der Kurzarbeiter wieder im Einsatz

Alle 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gruppe - davon knapp hundert im Hotel Regina - wurden in der laufenden Corona-Pandemie in Kurzarbeit geschickt. Das Regina und das Restaurant Roth sind wieder für alle Gäste geöffnet, ebenso das Hotel Royal und das Restaurant Settimo Cielo. Daher ist ein guter Teil der Belegschaft wieder im Einsatz. Kremslehner: "Unsere Mitarbeiter sind froh, dass sie wieder arbeiten können." Zum Glück seien dem Unternehmen bis jetzt nur ein paar Mitarbeiter abhanden gekommen, sagt er in Hinblick auf den vielbeklagten Personalmangel in der Hotellerie. Das Graben Hotel und das Hotel Johann Strauss sind noch zu, die beiden Häuser sollen im Herbst wiedereröffnet werden.

Im Sommer gibt es in den Kremslehner-Hotels, wie schon im Vorjahr, wieder Lesungen, Konzerte und Hausführungen - in überschaubaren kleinen Gruppen. Das Coronavirus wird wohl noch länger präsent sein.