Die Strohhalme von Daniel Auinger sind wirklich Strohhalme, so wie früher. Noch dazu sind sie bio. Vor neun Jahren hat der 44-jährige Landwirt aus dem Hausruckviertel damit begonnen, hinaus aufs Stoppelfeld zu fahren und mit einem Spezialgerät Strohhalme aus alten Roggensorten zu ernten. Die Halme werden sortiert, geschnitten und in einem Verfahren, das auf Wasser und Wasserdampf basiert, gereinigt. Fertig sind die biologisch abbaubaren Trinkhalme.

Fünf Millionen davon hat Auinger, der im Haupterwerb Bio-Bauer ist und von der Direktvermarktung von Eiern, Nudeln, Brot und Speck lebt, im Jahr 2019 an Gastronomie und Endverbraucher verkauft. 2020 ging das Geschäft gegen Null, jetzt läuft es wieder an, erzählt er der "Wiener Zeitung".

Geld verdient hat der Oberösterreicher mit seinen Strohhalmen noch nicht. Das könnte sich bald ändern, denn die Europäische Union sucht einen Ausweg aus ihrer Plastikmisere und verbietet mit der "Single Use Plastics Directive" seit 3. Juli den Verkauf bestimmter Einwegprodukte aus Kunststoff, darunter klassische Wegwerfartikel wie Wattestäbchen, Einwegbesteck und -teller und eben auch Trinkhalme. Auch andere Leichtgewichte wie Luftballon-Haltestäbe und Plastik-Rührstäbchen für Getränke fallen unter das Verbot.

Daniel Auinger mit seinen Bio-Strohhalmen im Urzustand. Sie werden händisch sortiert und geschnitten und anschließend mit Wasserdampf gereinigt. 
- © Bio Strohhalme Österreich GmbH

Daniel Auinger mit seinen Bio-Strohhalmen im Urzustand. Sie werden händisch sortiert und geschnitten und anschließend mit Wasserdampf gereinigt.

- © Bio Strohhalme Österreich GmbH

Österreich hat die Frist zur Umsetzung der entsprechenden Richtlinie verstreichen lassen, ist aber auf dem Weg dorthin. Die Einwegplastik-Richtlinie werde durch die Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes und der Verpackungsverordnung geregelt, die sich derzeit in Begutachtung befinden und "ehestmöglich in Kraft treten werden", so das Umweltministerium. Österreich habe die EU-Kommission auch bereits darüber informiert.

Auch Mehrwegteller aus Plastik helfen, Abfall zu vermeiden, betont Elmar Schwarzlmüller von der Umweltberatung der Stadt Wien. 
- © Monika Kupka DIE UMWELTBERATUNG

Auch Mehrwegteller aus Plastik helfen, Abfall zu vermeiden, betont Elmar Schwarzlmüller von der Umweltberatung der Stadt Wien.

- © Monika Kupka DIE UMWELTBERATUNG

Wegwerfprodukt bleibt Wegwerfprodukt

Umweltbewusste Konsumenten kaufen schon seit Jahren keine Grillteller mehr aus Plastik, sondern greifen zu Alternativen. Der Markt bietet ein vielfältiges Angebot an Produkten aus Papier, Holz, Bambus, Weizenkleie oder Maistärke an, die als nachhaltig angepriesen werden. "Trinkhalme aus Papier, die dann erst recht wieder im Müll landen, sind auch nicht unbedingt besser als welche aus Plastik", sagt dazu Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace. "Besser wäre es, Produkte mehrmals zu benutzen."

"Trinkhalme aus Papier, die dann erst recht wieder im Müll landen, sind auch nicht unbedingt besser als welche aus Plastik", sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace. 
- © Mitja Kobal

"Trinkhalme aus Papier, die dann erst recht wieder im Müll landen, sind auch nicht unbedingt besser als welche aus Plastik", sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace.

- © Mitja Kobal

Ein Best-Practice-Beispiel: In der Eventgastronomie kommen schon seit geraumer Zeit stabile Kunststoffbecher zum Einsatz, die jahrelang im Kreislauf bleiben. "Sie können bis zu 100mal wiederverwendet werden", sagt Panhuber.

Dass nun in der EU gewisse Einwegprodukte aus Plastik verboten werden, sei sicher ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz, aber ein großer Wurf sei es nicht, so die Expertin. Den Großteil des Mülls würden nämlich nicht weggeworfene Trinkhalme oder Teller aus Plastik ausmachen, sondern Verpackungen. "Die Verschmutzung der Weltmeere mit Plastik geht hauptsächlich auf weggeworfene Plastikfolien und Plastikflaschen zurück", betont Panhuber.

Produkte mehrfach wiederzuverwenden, schont die Umwelt und trägt zur Abfallvermeidung bei, sagt auch Elmar Schwarzlmüller von der Umweltberatung der Stadt Wien. Auch gegen Mehrweg-Plastikteller sei wenig einzuwenden. Wer für die Grillparty oder das Picknick aus Bequemlichkeit trotzdem lieber zu Einwegtellern aus Palmblättern, Zuckerrohr, Holz oder Bambus greift, sollte unter anderem auf die Herkunft der Rohstoffe, die Beschichtung und die rasche Abbaubarkeit achten.

"Eine allgemeine ökologische Beurteilung ist schwer", gibt Schwarzmüller zu. Im Übrigen sei nicht alles, was als "biologisch abbaubar" ausgeschildert sei, gut für die Umwelt. Auch wenn Zigarettenfilter aus ökologischem Material bestehen: Die Stummeln enthalten trotzdem giftige Stoffe. Sie gehören in den Restmüll und nicht in die Wiese, wo sie etwa nach großen Festivals zuhauf anzutreffen sind. Auch Einwegteller und -besteck landen oft nicht in den Mistkübeln. Zumindest sind sie jetzt aber nachhaltig.

Das Großhandelsunternehmen Metro bietet in seinem umfangreichen Non-Food-Sortiment "als ökologische Lösung" Einwegteller, -suppenschalen und -becher aus gepresstem Palmblatt, Zuckerrohrfasern und Maisstärke an, mit denen Veranstalter ihr Engagement für die Umwelt unterstreichen könnten, heißt es.

"Wo wir können, beziehen wir die nachhaltigen Einweg-Alternativen aus Österreich, wie zum Beispiel die Papiertrinkhalme von Black System", heißt es auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Viele der anderen ökologisch nachhaltigen Produkte würden über Importeure streng geprüft. Derzeit seien besonders Zuckerrohr-Produkte mehr nachgefragt. Bei Metro derzeit noch erhältliche Einweg-Plastik-Gabeln seien Restposten, die abverkauft werden.