Der Feind von Viktoria Hutter ist vier Millimeter groß. Er macht die Arbeit von Jahrzehnten zunichte. Ihr Feind ist der Borkenkäfer. Wenn es heiß und trocken ist, fühlt sich der Käfer wohl im Wald. Er vermehrt sich sprunghaft. Die vergangenen Jahre boten ihm dafür hervorragende Bedingungen. Denn die von der Dürre geschwächten Bäume produzieren weniger Harz. Der zähflüssige Saft ist die Firewall des Baumes. Fällt sie, hat der Käfer leichtes Spiel. Er frisst sich durch den Baum, bis er stirbt.

Befallene Bäume müssen rasch aus dem Wald gebracht werden. Zurück bleiben Kahlflächen. Der Käfer verwüstet ganze Landstriche. 20.000 Hektar, das entspricht etwa der Hälfte der Fläche Wiens, fielen ihm allein im Waldviertel seit 2017 zum Opfer. Weniger Wald bedeutet weniger Bäume und damit weniger Einkommen für Waldbesitzer wie Hutter. "Der Borkenkäfer hat uns sehr getroffen", sagt sie. Hutter bewirtschaftet 45 Hektar Wald.

4000 Festmeter Schadholz musste sie seit 2017 schlägern. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter. Schadholz verliert massiv an Wert. Während Hutter den Festmeter Rundholz derzeit um 90 Euro verkaufen kann, bekommt sie für das vom Käfer befallene Holz nur etwa die Hälfte. Das Schadholz unterscheidet sich nur optisch von gesundem Holz. Es büßt jedoch nicht an Stabilität ein.

Hutter hat neben dem Wald eine Bio-Landwirtschaft als zweites Standbein. "Mein Wald ist zu klein, um davon leben zu können", sagt sie. Für manche Forstwirte generiert der Wald aber das einzige Einkommen. Der Käfer zerstört ihre Existenzgrundlage. Die Schäden durch Borkenkäferbefall und Holzpreisverlust in Österreich sind enorm. Auf 635 Millionen Euro für die Jahre 2017 und 2020 beziffert sie die Landwirtschaftskammer.

Schadholz im Überfluss

Der Borkenkäfer produzierte in den vergangenen Jahren riesige Mengen an Schadholz. Auch Stürme und Schneebrüche trugen dazu bei. Schadholz überschwemmt den Markt. Das drückte den Preis. Seit einigen Monaten sind die Preise aber hochgeschnellt. Die Nachfrage nach dem Rohstoff steigt, vor allem vonseiten der Baubranche. Staatliche Förderprogramme während der Pandemie wirkten als zusätzlicher Schub. Die Auftragsbücher der Holzindustrie sind voll. Die Sägewerke reiben sich die Hände. Weniger zufrieden sind die kleinen Forstwirte. Die Industrie mache gute Gewinne mit ihrem Holz, davon komme aber zu wenig bei ihnen an, so der Vorwurf. "Der höhere Holzpreis ist bei uns noch nicht angekommen", sagt Forstwirtin Hutter.

In Österreichs Wäldern dominiert die Fichte. Sie ist der "Brotbaum" der Forstwirtschaft. Sie lässt sich leicht kultivieren. Sie wächst gerade und schnell. Bis man Ertrag erwirtschaften kann, dauert es trotzdem Jahrzehnte. 60 bis 80 Jahren muss eine Fichte wachsen. Erst dann hat der Stamm den nötigen Durchmesser, um verarbeitet zu werden. Die Fichten im Wald von Viktoria Hutter haben ihre Großeltern und deren Vorfahren gesetzt. Im Laufe der Jahre verringert sich jedoch die Zahl der Bäume. Sie werden krank. Stürme lassen sie knicken. Der Käfer frisst sie. Hutter entfernt diese Bäume, um gesunden mehr Platz zum Wachsen zu geben. "Von 2000 gesetzten Bäumen bleiben rund 300 Bäume übrig", sagt sie.

Diskrepanz beim Preis

Vor dem Verkauf wird der Baum auf drei, vier oder fünf Meter geschnitten. Der Stamm ist noch rund. Man spricht vom Sägerundholz. Der Preis dafür ist in den vergangenen Jahren gefallen. Im vierten Quartal 2020 lag er bei etwa 65 Euro pro Festmeter Holz. Die Preise für Rundholz sind gestiegen. Aktuell zahlen die Sägewerke den Forstwirten rund 100 Euro pro Festmeter Rundholz. Die Preise variieren je nach Region, Art und Qualität des Baumes. Sägewerke veredeln das Rundholz der Forstwirte zu Schnittholz und verkaufen es weiter. Für Kunden, die Schnittholz kaufen, sind die Preise hingegen regelrecht in die Höhe geschossen.

Danach wird er als Sägerundholz verkauft. - © apa / Barbara Gindl
Danach wird er als Sägerundholz verkauft. - © apa / Barbara Gindl

Franz Fischer, Obmann der Waldgemeinschaft Raabs sowie vom Waldverband NÖ, ärgert sich über die Diskrepanz beim Preis. "Der Preis für Schnittholz lag Ende 2020 schon bei 250 Euro pro Kubikmeter, derzeit liegt er bei 500 Euro pro Kubikmeter", sagt Fischer. Er kritisiert die große Spanne dazwischen. "Die Sägewerke machen gute Gewinne auf unsere Kosten", sagt er. Zwar sei der Rundholzpreis auch gestiegen. Das Niveau hätte man aber bereits vor zehn Jahren gehabt. "Gerechtfertigt wäre ein Preis von 120 bis 140 Euro", sagt Fischer. Laut Martin Höbarth, Geschäftsführer vom Waldverband Österreich, liegen die Rundholzpreise "noch immer hinter den Möglichkeiten". Der gestiegene Holzpreis komme zumindest verspätet bei den Forstwirten an.


Die Sägewerke machen gute Gewinne auf unsere Kosten

Franz Fischer, Obmann vom Waldverband Niederösterreich

Der Verband der Holzindustrie lässt die Kritik der Forstwirte nicht gelten. Die Preissteigerungen bei Holz seien im Vergleich zu anderen Baustoffen moderat, sagt Herbert Jöbstl, Obmann vom Fachverband der Holzindustrie. Auch die Waldbesitzer würden von der gesteigerten Nachfrage nach Holzprodukten profitieren.

Christoph Hierner hofft auf einen weiterhin guten Holzpreis. Denn er lebt allein von der Forstwirtschaft. Er bewirtschaftet 70 Hektar Wald im Bezirk Scheibbs. Die Region ist gebirgig, der Borkenkäfer hat es hier schwerer. "Bei uns regnet es mehr, es wird nicht so heiß. Das mildert den Schaden ab", sagt Hierner. Er muss seinen Wald aber dennoch laufend auf Schäden kontrollieren. Das steile Gelände erschwert die Arbeit.

Der höhere Preis für Rundholz hilft ihm im Moment allerdings nur bedingt. "Ich habe derzeit einen hohen Industrieholzanteil", sagt Hierner. Aus diesem minderwertigen Holz wird Papier produziert. Der Markt ist gesättigt, die Papierindustrie hat volle Lager. Momentan liege der Preis bei 20 Euro pro Festmeter. Die Ernte kostet Hierner aber im günstigsten Fall 25 Euro. "Das heißt, ich muss irgendwo mehr erwirtschaften." Weil der Holzpreis in den vergangenen Jahren niedrig war, konnte Hierner keine großen Summen in seinen Betrieb investieren. "Bei kleinen Betrieben ist alles für die Erhaltung draufgegangen. Viele stehen mit dem Rücken an der Wand", sagt der Forstwirt.

Aufwendige Aufforstung

Hierner ist froh, dass das Rundholz nun einen besseren Preis hat. Er fordert aber, dass die kleinen Forstwirte besser bezahlt werden. "Die Schere von Einkaufspreis und Verkaufspreis geht immer weiter auseinander." Die Gewinne der Holzindustrie würden den Forstwirten nicht zugutekommen, meint Hierner. "Wir müssen den ganzen Sektor stärken, sonst werden die Betriebe an den Rand der Existenz gebracht", ist er überzeugt.

Bernd Cresnar versteht den Unmut der Forstwirte. Er besitzt selbst einen kleinen Wald und vermarktet das Holz einiger größerer Familienforste in Österreich. Cresnar weiß aber auch um die Situation bei den Sägewerken. "Die Sägewerke waren in den vergangenen Jahren ausgelastet vom Überangebot an Holz. Sie konnten dementsprechend zu niedrigen Preisen einkaufen", sagt er. Große und mittlere Forstbetriebe würde es eher treffen als kleine. "Sie müssen die Fixkosten zahlen, auch in Zeiten schlechter Holzpreise." Kleinwaldbesitzer müssten außerdem kein Holz produzieren, wenn der Holzpreis niedrig sei, meint Cresnar.

Viktoria Hutter hat eine andere Sicht auf die Dinge. "Wenn ich den Wald nachhaltig pflege, muss ich jährlich und regelmäßig Bäume herausnehmen", sagt die Forstwirtin. 300 Festmeter pro Jahr wären bei ihr nachhaltig. 2020 musste sie 1000 Festmeter Schadholz verkaufen. "Das ist schon eine Herausforderung, wenn der Preis für Schadholz so niedrig ist", sagt Hutter.

Mit dem Entfernen der befallenen Bäume ist es nicht getan. Der Wald muss aufgeforstet werden. Hutter pflanzt junge Bäume. Auf einem Hektar setzt sie mehrere tausend Stück. Sie brauchen viel Pflege. Witterung und Wild gefährden das Wachstum. Hutter investiert viel Arbeit, Schweiß und Geld. Bis eine Kultur gesichert ist, also junge Bäume aus dem gröbsten heraus sind, vergehen zehn Jahre. "Es ist unsere Aufgabe, dass wir den Wald umbauen und zukunftsfit für unsere Enkel machen", sagt Hutter.