Der aktuelle Arbeitskräftemangel in der Gastronomie und Hotellerie wird für immer mehr Betriebe zum Problem. In einem Doppelinterview in der "Kronen Zeitung" (Sonntagsausgabe) forderte Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Wirtschaftskammer-Gastronomieobmann Mario Pulker pochte auf eine "rigorose" Umsetzung der Zumutbarkeitsbestimmungen bei der AMS-Jobvermittlung.

Die Arbeiterkammer (AK) sieht die Gastronomiebetriebe am Zug. "Das Problem sind nicht nur die Löhne, sondern die Arbeitsbedingungen: Wir reden von einer Branche, in der viele teilzeitbeschäftigt sind, aber Vollzeit arbeiten", sagte Anderl. Außerdem würden Überstunden "selten bis gar nicht bezahlt".

Der Gastronomieobmann der Wirtschaftskammer (WKÖ) wies Pauschalkritik zurück. Bei einer Branche mit knapp 60.000 Betrieben gebe es "einen bestimmten Anteil" an Problemen. "Natürlich gibt es schwarze Schafe. Aber: Ein Betrieb kann es sich heute nicht mehr leisten, einen Mitarbeiter schlecht zu behandeln, schlecht zu entlohnen oder Zahlungen nicht zu leisten", so Pulker.

Schärfere Kontrollen

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) hatte kürzlich angekündigt, dass das Arbeitsmarktservice (AMS) bei der Stellenvermittlung wieder die Regelungen wie vor der Coronakrise anwenden wird. "Wir haben keine neuen Zumutbarkeitsbestimmungen, es gibt keine neuen Sanktionen", sagte Kocher am vergangenen Dienstag. Der WKÖ-Gastroobmann fordert eine "rigorose" Umsetzung der aktuellen AMS-Zumutbarkeitsbestimmungen. "Es kann nicht sein, dass Menschen zu Hause sitzen, die arbeitsfähig, aber nicht arbeitswillig sind. Die dürfen kein Geld vom Staat bekommen", so Pulker. "Druck ist der falsche Weg. Stattdessen müssen wir besser vermitteln. Da braucht es mehr Personal im AMS", entgegnete die AK-Präsidentin.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sieht auch Handlungsbedarf bei der AMS-Vermittlungspraxis. "Es gibt sicher gute Gründe, einen Job abzulehnen, aber grundsätzlich müssen die Regeln und Zumutbarkeitsbestimmungen verschärft werden, weil wir zum Wiederaufbau nach dieser Pandemie dringend Arbeitskräfte benötigen", sagte Köstinger in einem Interview mit der "Presse am Sonntag". (apa)