Lockdown, Home Office oder zumindest Social Distancing - da verspürten nicht nur Singles die große Einsamkeit. Was lag also näher, als sich im Pandemie-Jahr 2020 einen tierischen Mitbewohner anzuschaffen? Wobei Österreich ohnehin ein Land der Tierliebhaber ist: Jeder zweite Haushalt dürfte Tiere beherbergen. Geschätzte zwei Millionen Katzen und eine Million Hunde leben im Land. Hinzu kommen noch über eine halbe Million Kleinsäuger sowie noch einmal so viele Vögel und Reptilien. Mit den Fischen wären das etwa fünf Millionen Haustiere, rechnet Andreas Popper im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" vor. Er ist in der Wirtschaftskammer für die 1.000 heimischen Zoofachhändler, inklusive Hundesalons, zuständig.

Diese Zahlen beinhalten auch einen gewaltigen Kostenfaktor. So schätzte die Statistik Austria in ihrer Konsumerhebung 2019/20, dass Haushalte mit Tieren rund 75 Euro im Monat für diese aufwenden. - Und nun sollen sich diese Ausgaben als Pandemie-Folge noch gesteigert haben.

War 2020 wirklich das Jahr, in dem sich ganz Österreich tierische Hausgenossen anschaffte, wollen wir von Andreas Popper wissen. "Ein Haustier-Boom war im Zoofachhandel nicht spürbar," antwortet Popper, Besitzer des ältesten Zoofachgeschäftes im Land, das seit 200 Jahren von seiner Familie betrieben wird. Allerdings, so schränkt er ein, Hunde und Katzen dürfen längst nicht mehr im Geschäft verkauft werden. Daher bekamen die niedergelassenen Zoofachhändler von einer verstärkten Nachfrage wenig mit.

Große Nachfrage und zweifelhafte Herkunft

Die Nachfrage nach Hund, Katze und Co. überstieg jedoch offenbar die Möglichkeiten der inländischen Züchter, worauf die Menschen kurzerhand ausländische Tiere kauften, führt er dann aus und setzt hinzu: "Es nützt eben nichts, wenn wir in Österreich strenge Vorgaben haben und die Leute sich dann Tiere aus dem Ausland, oft von zweifelhaften Bezugsquellen und in sehr schlechtem Zustand, holen."

Bei Zubehör und Futter hingegen haben die heimischen Händler 2020 durchaus am Boom mitgenascht. Immerhin durften sie während der Lockdowns wegen Systemrelevanz offen halten. So verzeichnete Österreichs Marktführer in Sachen Tierfutter und -zubehör, Fessnapf, Rekordergebnisse: Die Kette mit österreichweit 131 Filialen steigert ihren Gesamtumsatz um 18,2 Prozent, ein Plus von 33 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr davor.

Nicht alle Branchenvertreter konnten 2020/21 jedoch gleichermaßen profitieren, gibt Popper zu bedenken: "Die kleinsten Händler haben womöglich gar nicht profitiert, die Ketten mit großen Flächen hingegen haben das gesteierte Shoppingbedürfnis gut ausgeschöpft." Insgesamt schätzt er die Zuwächse im Zoofachhandel 2020 auf rund fünf bis sieben Prozent ein.

Auslöser hierfür sei ein Umdenken gewesen, so Popper: "Viele Eltern haben Tiere gekauft, um ihre Kinder vom Bildschirm weg zu einer sinnvolleren Beschäftigung zu bringen." Diese Tierliebe werde andauern, erwartet er und ortet keine gesteigerte Tendenz, Tiere gleich wieder auszusetzen, nun, da die Urlaubssaison begonnen hat und wieder im Büro gearbeitet wird. "Ich liebe meine Tierbesitzer, die geben eher ihr letztes Hemd für ihre Viecher her und nehmen sich selbst nicht so wichtig. Die Tierliebe ist hierzulande sehr groß. Derzeit werden nicht mehr Tiere weggegeben als in normalen Jahren in der Urlaubssaison", meint er.

Was Hund, Katze & Co eigentlich kosten

Damit es erst gar nicht dazu kommt, dass ein Tier weggeben wird, sollte eine solche Anschaffung vorab genau überlegt werden, empfehlen Tierexperten.

Ein wichtiger Punkt, den es dabei zu klären gilt, ist die Kostenfrage, die oftmals unterschätzt wird. "Ein ganz kleiner Hund kostet pro Jahr etwa 1.000 Euro, 150 Euro davon sind Anschaffungskosten, wenn man ihn etwa aus dem Tierheim holt, gibt Zoohändler Popper zu bedenken.

Hermann Aigner, Geschäftsführer von Fressnapf Österreich, schätzt die Anschaffungskosten etwas höher ein: "Bei Tieren aus dem Tierheim wird meist eine Schutzgebühr zwischen 300 und 350 Euro eingehoben. Rassetiere vom Züchter sind preislich nach oben hin offen. Meist kosten sie zwischen 2.500 und 3.500 Euro."

Die Folgekosten schlüsselt der Fressnapf-Chef dann so auf: "Das Basis-Budget im ersten Jahr für einen mittelgroßen Hund liegt bei etwa 1.200 Euro. In den Folgejahren fallen jährlich für Futter, Zubehör und Arztkosten zirka 900 Euro an. Zusätzliche Services wie Hundesitter oder Hundetrainer erhöhen das Budget nochmals."

Die Kosten sind je nach Tier und Größe, in Anschaffung und Haltung unterschiedlich. Die Hundesteuer beispielsweise ist abhängig von der Gemeinde. So beträgt die Hundeabgabe in Wien 72 Euro, für jeden weiteren Hund sind nochmals 105 Euro zu entrichten.

Fressnapf-Chef Aigner ergänzt: "Hundehalter sind in Wien, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und der Steiermark außerdem gesetzlich verpflichtet, den Hund Haftpflicht zu versichern. Preise und inkludierte Leistungen variieren bei den Anbietern."

Tatsächlich ist die Kostenfrage bei Haustieren, speziell bei Hunden und Katzen, also langfristig abzuklären. Die Anschaffungskosten selbst sind überschaubar.

Die Zoofachhändler jedenfalls profitieren hauptsächlich von den Folgekosten, erläutert Popper: "An einem Hamster für 20 Euro verdienen wir nichts. Nur an der Ausstattung und den Nachfolgekosten. Eigentlich ist der Tierverkauf viel zu billig, wir müssten die Tiere um das Dreifache verkaufen."

Wie man mit Tieren richtig Geld verdient

Tiere sind also ein gutes Geschäft, wenn man es auch ausschöpfen kann. Dies bedeutet, zusätzliche Dienstleistungen anzubieten, ob das nun ein Urlaubspflegedienst ist, wie in Poppers Geschäft, oder ein Online-Shop, der für Fessnapf in den vergangenen beiden Jahre ein Umsatz-Plus von 134 Prozent erwirtschaftete.

Seit kurzem bietet die Tierbedarfskette in Kooperation mit Rewe Touristik Austria auch noch Reisen für Hundebesitzer an. Das dürfte ebenfalls gut laufen, denn Geschäftsführer Aigner meint: "Wir sind mit der Buchungslage sehr zufrieden und merken, dass das Thema "Reisen mit Hund" von unseren Kunden sehr gut angenommen wird."