Seit Mittwochnachmittag steht fest, dass die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) keine Einwände gegen den Kauf des MAN-Werks in Steyr durch Investor Siegfried Wolf hat. Zusätzlich fand eine Betriebsratssitzung statt, in welcher der neue Eigentümer des Werks in Steyr erstmals offizielle Antworten auf noch offene Fragen gab.

Die neue Firma wird den Namen "Steyr Automotive" tragen und ist als GmbH eingerichtet. Das neue Logo soll die Tradition des Standortes verkörpern. Es besitzt laut Angestelltenbetriebsrat Thomas Kutsam Fragmente des alten Steyr-Werke-Logos und enthält in der Mitte Steyr als Aufschrift. "Wir waren immer Steyr, und jetzt sind wir es als Marke auch wieder", sagt Kutsam. Künftig soll die eigenständige Marke leichte Nutzfahrzeuge, Busse und Lkw bis 12 Tonnen für den europäischen und den internationalen Markt produzieren.

In der Versammlung am Mittwoch, bei der rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilnahmen, wurde auch über die künftigen Produktlinien, die Umstände der Übergangsphase sowie über den Sozialplan informiert. Die Reaktion der Belegschaft sei laut Betriebsrat überwiegend positiv gewesen.

Einzelgespräche mit jedem

Unklar bleibt noch, wie sich die neuen Dienstverträge genau gestalten und wie die Lösungen für jene aussehen, die aus dem Betrieb ausscheiden. Investor Wolf hatte in seinem Konzept vorgesehen, dass 1.400, das sind ungefähr drei Viertel der aktuell Beschäftigten, bleiben werden.

Beim Personal ändert sich vorläufig noch nichts. Bis 2023 solle laut Betriebsrat ohnehin wenig verändert werden, grobe Umstrukturierungen sind erst ab Mai 2023 zu erwarten. Bis jeder einzelne Mitarbeiter genau weiß, wie sein zukünftiger Arbeitsplatz aussieht, ist also noch Geduld gefragt. Der Betriebsrat plant, nach dem diesjährigen Betriebsurlaub im August mit jedem Einzelnen Gespräche zu führen.

Eine Konfrontation ist die Lohn- und Gehaltskürzung. Neuerlich wurde die Belegschaft über die Veränderungen in der Lohnstruktur informiert: Arbeiter werden maximal 15 Prozent vom Nettobezug weniger verdienen, Angestellte 10 Prozent vom Bruttobezug plus Entfall aller Überstundenpauschalen. Abgefedert wird dies durch eine Übertrittsprämie von bis zu 10.000 Euro pro Mitarbeiter. Der Belegschaft obliegt nach den Einzelgesprächen die Entscheidung, die Vereinbarung anzunehmen oder freiwillig auszuscheiden und einen Sozialplan oder eine Arbeitsstiftung in Anspruch zu nehmen.

Bis Ende Mai 2023 sollen im Werk in Steyr noch Lkw für MAN montiert werden, dann verlagert MAN die Produktion zum Standort Krakau in Polen. Zuvor sollen parallel neue Fertigungen aufgebaut werden. Von diesen sollen ab 2023 sieben neue Nutzfahrzeugtypen unter der neuen Marke für den Export auf den Weltmarkt vom Band laufen. Die Produktion von insgesamt sieben Fahrzeugen wird dann schrittweise auf 16.000 Fahrzeuge hochgefahren.