Im Mai 2021 übernahm Hermann Erlach das Ruder bei Microsoft Österreich. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" spricht er über die Pandemie-Folgen, die auch beim Software-Konzern spürbar sind. 350 Mitarbeitern aus dem Homeoffice zu leiten, beschreibt Erlach jedenfalls als "spannende Geschichte" und meint: "Insbesondere im ersten Lockdown herrschte eine Mischkulanz aus Schock und Aufbruchsstimmung. In den ersten beiden Covid-Monaten hat sich die Cloud von Microsoft weltweit versiebenfacht."

Microsoft-Rechenzentren in Österreich. 
- © APAweb / afp

Microsoft-Rechenzentren in Österreich.

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Der Konzern verdiente in der Vergangenheit hauptsächlich am Betriebssystem Windows, an Office und Datenbanken, mittlerweile ergänzen Cloud-Anwendungen, wie die Kommunikationsplattform Teams und andere Tools für Kollaboration das Angebot Richtung "Modern Workplace". Das Portfolio ist dabei breiter und offener geworden, sogar Android läuft nun auf Windows 10. "Das Mieten von Services aus der Cloud ist unser Geschäftsmodell der Zukunft", fasst es Erlach zusammen.

Hermann Erlach, Geschäftsführer von Microsoft Österreich. 
- © Microsoft

Hermann Erlach, Geschäftsführer von Microsoft Österreich.

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Man habe in der Pandemie gelernt, was digital möglich ist, aber auch, wo Grenzen sind, etwa beim zutiefst Menschlichen wie "kontroversiellen Diskussionen". Erlach sieht den Lerneffekt dennoch positiv: "Wenn es nicht so tragische Auswirkungen auf die Menschen hätte, müsste man Corona fast dankbar sein. Es wurden Dinge möglich, die undenkbar waren, wie Homeoffice, das für 95 Prozent der Unternehmen ein totales Exotentum war. Aus der Not heraus hat man aber vieles ausprobiert."

Und manches davon wird bleiben, so kämpfen Firmen, die komplett in die Welt von vor Corona zurückkehren wollen, bereits mit Mitarbeiterschwund, hat Erlach beobachtet. Gerade "Knowledge Worker" würden eine flexible Arbeitsumgebung suchen. Hinzu komme auch der Fachkräftemangel, insbesondere in der IT-Branche. Welche Qualifikationen sucht man dort nun tatsächlich?

IT-Skills sind Voraussetzung für die Jobs der Zukunft

"In der Welt von 2021plus geht es nicht mehr nur um Hardcore-IT-Skills, sondern um Architekturfähigkeiten." Bis ins Fachbereichsmanagement brauche es ein Grundwissen zur Cloud, und darüber, welche Instrumente für Digitalisierung es überhaupt gebe. Der Mangel an IT-Skills betreffe jedoch nicht nur IT-Leute, sondern: "Digitale Skills sind mehr als Programmieren, da geht es um Methoden und das betrifft alle." Fehlende Kompetenzen hingegen seien "der größte Hemmschuh für Innovation", meint Erlach. Auch bei Microsoft selbst gebe es viele Berufsbilder, die nur mehr am Rand mit Programmieren zu tun haben.

Sorgen bereiten ihm allerdings kulturelle Hürden, etwa bei der Mobilität. Österreicher seien kaum bereit, wegen eines Jobs umzuziehen. Lebenslanges Lernen sei hierzulande zudem ein Minderheitenprogramm. Dabei gelte es, vor allem bei digitalem Wissen, ständig zu lernen.

Nicht alles müsse man jedoch selbst machen, die moderne IT sei "wie ein Legobaukasten" skizziert Erlach. Man baue Innovation aus Standardkomponenten - früher in der IT undenkbar, lacht er.

Was gibt der Vater einer elfjährigen Tochter jungen Menschen also als Qualifikationstipp mit? "Menschen, die über digitale Kompetenzen verfügen und dies verbinden mit Kreativität und Empathie, das sind jene, die sich auch in Zukunft keine Sorgen um Jobs machen müssen."

Österreich wird Rechenzentrumsregion

Microsoft hat vergangenen Herbst angekündigt, mit milliardenschweren Investitionen Österreich zur "Rechenzentrumsregion" zu machen. Drei Rechenzentren werden im Osten des Landes errichtet, die genauen Standorte unterliegen der Geheimhaltung. Sie sollen jedenfalls Cloud-Anwendungen, etwa für Künstliche Intelligenz oder Security, auch für mittelständische Unternehmen erleichtern. Dies sei zwar "kein reines Microsoft-Thema", räumt Erlach ein, aber Voraussetzung für Wirtschaftswachstum.

Einnahmen von mehr als 140 Milliarden Dollar hat Microsoft 2020 weltweit erwirtschaftet, 33 Prozent davon kamen aus der Cloud, so Marktforscher IDC. Verdient der Konzern einen Dollar über seine Rechenzentren, profitieren seine Partner - in Österreich immerhin 4.000 - das Siebenfache. Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung beläuft sich auf rund das 18-Fache, heißt es in einer IDC-Studie. "Man unterschätzt in Österreich generell die Wertschöpfung der IT. Vor Corona war sie vergleichbar mit jener des Tourismus", so Hermann Erlach.

Nachhaltigkeit ist auch ein großes Thema, verschlingen doch Rechenzentren enorme Energiemengen. Bis 2025 will der Konzern weltweit alle Rechenzentren mit "grünem Strom" betreiben. Jene in Österreich werden die modernsten und etwa 95 Prozent weniger CO2-Emissionen verursachen als üblich, betont der Microsoft-Österreichchef.

Die Cloud ist eine Vertrauensfrage

Cloud-Anwendungen sind aber immer noch eine Vertrauensfrage, es gibt hierzulande viel Informationsbedarf. "Das ist insbesondere im öffentlichen Bereich nicht einfach, da fehlt viel Know-how", meint Erlach. Es gebe aber nicht eine Cloud, sondern verschiedene Levels mit unterschiedlichen Sicherheitsvorgaben. Datenschutz sei in der Cloud kein Problem: "Wir gehen sogar so weit zu sagen, echter Datenschutz ist nur mit der Cloud möglich." Im Industriebereich seien Cloud-Anwendungen Mainstream. Bei Sicherheit auf mobilen Arbeitsplätzen oder Big-Data-Anwendungen sei die Cloud gar eine Voraussetzung.

"Öffnet man sich 2021 nicht für die Cloud, öffnet man sich nicht für Innovation", betont Erlach. Derzeit würden die Rahmenbedingungen für die nächsten zwanzig Jahre fixiert. Mit seinem mehr als 4.0000 Partnern hätte Microsoft in Österreich da "einen großen Hebel". Nicht nur bei der Infrastruktur, auch bei der Ausbildung engagiert sich der Konzern und verspricht, bis Ende 2024 bis zu 120.000 Personen in Österreich aus- und weiterzubilden.