Der Fleischersatz-Boom und das vermehrte zu Hause kochen während der Coronapandemie haben die Erlöse der Neuburger-Tochter Hermann kräftig steigen lassen. "Vom Umsatz her haben wir profitiert", sagte Hermann Neuburger ohne Umsatzdetails zu nennen. Das Tochterunternehmen Hermann produziert mit 40 Mitarbeitern vegetarische Bio-Fleischersatzprodukte aus selbst gezüchteten Kräuterseitlingen.

Viel Aufmerksamkeit hat der Branche der erfolgreiche Börsengang des veganen US-Fleischersatzproduzenten Beyond Meat im Jahr 2019 gebracht. 2020 machte Beyond Meat bereits über 400 Mio. Dollar (340 Mio. Euro) Umsatz, der Börsenwert lag zuletzt bei knapp 8 Mrd. Dollar. Den Hype rund um Beyond Meat sieht Neuburger positiv. Die ganze Branche profitierte von der steigenden Nachfrage. Auch mehrere Investoren zeigten Interesse an Hermann. "Bei uns hat man angeklopft", sagte der Firmenchef. Aber man habe dankend abgelehnt, weil man immer ein eigentümergeführtes Betrieb bleiben wolle. Die Familienunternehmen Neuburger und Hermann haben ihren Firmensitz in Ulrichsberg im oberösterreichischen Mühlviertel.

Der Umsatz von Hermann beläuft sich derzeit nach eigenen Angaben auf rund 10 Prozent des Mutterunternehmens. "Wir verdienen noch kein Geld damit", sagte Neuburger. Mit der Expansion in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sollen die Erlöse der Fleischersatz-Tochter in den nächsten Jahren kräftig wachsen und die Gewinnschwelle voraussichtlich im Jahr 2025 erreicht werden.

Derzeit produziert Hermann sechs Fleischersatz-Produkte, dazu zählen Rostbratwürstchen, Käsebratwurst, Bratstreifen, Faschiertes, Taler und Schnitzel. Nächstes Jahr sollen ein Burger-Laibchen und ein Fischersatz-Produkt auf den Markt kommen.

Neuburger glaubt, dass Fleischersatzprodukte eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie Bio werden. "Es wird künftig ein Produkt sein, das man ganz normal im Supermarkt mitnimmt." Der Markt wachse sehr stark. "Die Prognosen sind enorm, das kann man fast gar nicht glauben." Seit dem Start von Hermann im Jahr 2016 beliefen sich die Investitionen in Gebäude, Anlagen und Pilzzucht auf rund 50 Mio. Euro.

Nicht gut zu sprechen ist Neuburger auf das deutsche Verbrauchermagazin Öko-Test, das kürzlich vegetarische und vegane Würste unter die Lupe genommen hat. Bei 18 der 20 veganen und vegetarischen Bratwürste fanden die Tester gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe. Der Test sei "extrem verzerrt", so der Hermann-Chef. Bei den Wursthüllen werde medizinisches Weißöl verwendet, dies sei aber nicht gesundheitsschädlich. Bei Hermann will man aber dennoch in den nächsten Monaten versuchen, bei den Wursthüllen eine Alternative für das medizinische Weißöl zu finden.(apa)