Die Erste Group hat im ersten Halbjahr 2021 ihr Ergebnis dank niedrigerer Risikokosten und solider Erträge deutlich gesteigert. Der Nettogewinn erhöhte sich auf 918 Millionen Euro, nach 294 Millionen in der Vorjahresperiode 2020, und übertraf damit auch den Nettogewinn des ersten Halbjahrs 2019 von 732 Millionen Euro. Für die Aktionäre ist eine weitere Dividende von 1 Euro je Aktie geplant, nachdem bereits 0,5 Euro/Aktie für 2020 ausgeschüttet wurden, teilte die Bank mit.

Inflation im Auge behalten

Bei der Halbjahrespressekonferenz erörterte das Management neben dem deutlich besseren Ergebnis auch volkswirtschaftliche Fragen. Die Inflationsentwicklung müsse man wirklich genau im Auge behalten, sagte Vorstandschef Bernhard Spalt: Höhere Rohstoffpreise und Mangel an qualifizierten Arbeitskräften deuteten auf einen Preisdruck nach oben. Ob die anziehende Teuerung, wie die EZB meine, nur temporär sei, das werde sich Anfang 2022 zeigen.

Finanzvorstand Stefan Dörfler verwies auf die internationalen Märkte der Erste Group: "Wir sind ein wunderbarer Hybrid aus Eurozone und Nicht-Eurozone". Die Notenbanken in Ungarn und Tschechien, also in Ländern außerhalb des Euroraums, hätten bereits die Leitzinsen erhöht, um gegen die Preissteigerung gegenzusteuern. Die EZB halte hingegen an ihrer Geldpolitik fest. Man werde wohl frühestens Anfang des nächsten Jahres erkennen, ob sich die Ansagen der Nationalbanken im Westen, wonach die derzeitigen höheren Inflationsraten temporär seien, auch so realisieren, oder ob sich die derzeitigen inflationären Tendenzen weiter verstärken werden.

Teilweise Überhitzung am Immobilienmarkt

Teurer werden jedenfalls Wohnungen und Häuser. Am österreichischen Immobilienmarkt gebe es bereits teilweise eine "Überhitzung", erklärte Erste-CEO Spalt: "Wir sehen einen starken Preisauftrieb, aber noch keine Blase." Bei den Privatkunden gebe es einen massiven Bedarf nach Wohnraumbeschaffung. Durch die steigenden Preise werde die Leistbarkeit von Wohnraum im Eigentum für junge Familien ein echtes Problem, hier müsse man Lösungen finden.

Preisdämpfend wirken laut dem Bankchef in Österreich der große Teil des geförderten Wohnbaus und die Genossenschaftsstrukturen, die viel an Preisdruck herausnehmen. "Das ist ein extrem stabilisierendes Element in Österreich, das hilft uns." Es gebe zwar auch in Österreich die Tendenz zu mehr Investitionen in Wohnungen, aber der Großteil der Hypothekenfinanzierung diene dem Eigennutz, nämlich selber in der Immobilie zu wohnen. Das spekulative Element sei hierzulande deutlich geringer als im angloamerikanischen Raum.

"Wagniskapitalfondsgesetz" zur Schaffung von Eigenkapital

Spalt, der auch Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer ist, will in Österreich die Finanzierung von Unternehmen insbesondere im Tourismus stärken. Er schlägt hierfür ein "Wagniskapitalfondsgesetz" vor, mit dem Anleger in Wertpapierstrukturen investieren können und die Unternehmen dadurch ihr Eigenkapital stärken, denn Kredite ohne Eigenkapital lösten die Probleme nicht. Der Erste-CEO sieht hierfür die luxemburgischen SICAVs als Modell. : "Eine SICAV-Struktur für Österreich ist machbar." Die Sparquote sei in der Pandemie auf einen historischen Höchststand gewachsen, und viel Geld der Sparer sei praktisch unverzinst. Im digitalen Geld sehe er keine Bedrohung für die Geschäftsbanken, so Spalt.

Lob äußerte der CEO für die Politik wegen der Organisation der Corona-Impfungen in Österreich, denn sowohl die staatlichen Impfkampagnen als auch die Betriebsimpfungen liefen bisher gut. Die Durchimpfungsrate bringe Stabilität, sie müsse aber noch besser werden. (apa)