Die sechs österreichischen Banken, die an den europaweiten Belastungstests von Europäischer Bankenaufsicht (EBA) und Europäischen Zentralbank (EZB) teilgenommen haben, zeigten sich in diesen Simulationen "widerstandsfähig" und landeten "im europäischen Mittelfeld". Das erklärten Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und Finanzmarktaufsicht (FMA) am Freitagabend in einem gemeinsamen Kommentar.

Für OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber entspricht das Ergebnis den Erwartungen der Notenbank, "es ist aber auch kein Grund zum Feiern", wie er hinzufügte. Die Banken müssten weiter an ihrer Kosteneffizienz arbeiten, die Profitabilität verbessern und bei Gewinnausschüttungen Zurückhaltung üben, um Kapital aufzubauen.

Gesetzliche Kapitalanforderungen

Die Performance der einzelnen Banken sei heterogen, was auch an den unterschiedlichen Geschäftsmodellen liege, so OeNB und FMA. Auch wegen der staatlichen Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft seien die Aktivitäten der Banken in einigen Ländern, auch Österreich, weniger stark betroffen als in anderen.

"Alle österreichischen Banken erfüllen auch nach Anwendung des harten Stress-Szenarios die gesetzlichen Kapitalanforderungen", betonen Notenbank und Finanzaufsicht. Der von der Aufsicht vorzeichnete Weg zur Verbesserung der heimischen Banken sei ein richtiger gewesen, das habe die Corona-Pandemie gezeigt. "Um auch für künftige Krisen gewappnet sein, muss dieser Weg fortgesetzt werden", so FMA-Vorstand Helmut Ettl.

In die Stresstests waren 89 Banken aus dem Euroraum einbezogen. Für 38 Banken - aus Österreich Erste Group und Raiffeisen Bank International (RBI) - läuft der Test unter Führung der EBA ab, bei den restlichen Banken (aus Österreich BAWAG, RLB OÖ, Volksbanken und Sberbank) unter Ägide der EZB. Veröffentlicht werden die Resultate aller Banken, für die erste der beiden Gruppen detailliert auf der EZB-Homepage.

Die Erste Group hat am Freitagabend selbst Ergebnisse bekanntgegeben, demnach ist sie in der Harten Kernkapitalquote (CET 1) auf 10,2 Prozent bezogen auf das Jahresende 2023 abgerutscht. Im Vergleich dazu sei die tatsächliche CET-1-Quote (Basel 3 final) zum Ausgangszeitpunkt Ende 2020 bei 14,2 Prozent gelegen, betonte das Institut. Insgesamt ändere sich die CET 1-Quote (Basel 3 final) stressbedingt somit um -401 Basispunkte gegenüber einer Veränderung um -450 Basispunkte im EBA-Stresstest 2018, so die Erste Group.

Basisszenario

Angemerkt wird von der Erste Group, dass der covidbedingte Ausblick sich im Vergleich zur Situation zu Beginn des Tests deutlich verbessert habe, was dem Basisszenario, in dem die CET1-Quote (Basel 3 final) der Erste Group im letzten Szenario-Jahr 15,4 Prozent erreiche, eine höhere Signifikanz verleihe

Den am Freitagabend von der Bankenaufsicht EBA publizierten Ergebnisse zufolge würde die harte Kernkapitalquote (CET1) der Geldhäuser in Europa insgesamt in einem simulierten Krisenszenario auf 10,3 Prozent im Jahr 2023 schrumpfen, gegenüber 15,3 Prozent 2020. Ursprünglich war der Stresstest 2020 geplant gewesen, er wurde dann aber wegen der Corona-Pandemie auf heuer verschoben. (apa)