Die Auftragsbücher sind voll, das Geld sprudelt, doch es fehlt in der Baubranche an Baumaterial und Fachkräften. "Trotz positiver Entwicklungen ist die Perspektive für die heimische Baubranche nicht ganz ungetrübt", sagt Franz Josef Eder, Präsident des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB), "vor allem der Rohstoff- und Fachkräftemangel könnten sich negativ auf die Entwicklung im zweiten Halbjahr auswirken."

Laut Konjunkturbarometer meldet jedes zweite Unternehmen der österreichischen Beton- und Fertigteilindustrie spürbare Beeinträchtigungen aufgrund von Rohstoffmangel und die damit verbundenen Preissteigerungen. Fast jeder Betrieb (97 Prozent) rechnet hier mit Teuerungen entlang der ganzen Lieferkette. Knapp 70 Prozent gehen gleichzeitig von einer Verlangsamung der Produktionszeiten als Folge des Rohstoffmangels aus.

Dabei gibt es eigentlich keinen Grund zur Klage. Im ersten Halbjahr verzeichneten 75 Prozent der befragten Unternehmen in der Beton- und Fertigteilindustrie Umsatzsteigerungen im Vergleich zu 2020, im Durchschnitt stieg der Umsatz um rund 21 Prozent.

Kein Ausweg

Ein weiteres Problem ist der zunehmende Fachkräftemangel. Drei von vier befragten Unternehmen finden keine geeigneten Bewerber für offene Stellen. "Das Potenzial für einen weiteren Personalausbau ist bei der Mehrheit unserer Betriebe vorhanden. Jedoch fehlen immer mehr Fachkräfte", sagt Eder. "Sowohl die Interessenvertretung als auch die Mitgliedsbetriebe setzen hier Maßnahmen, um einerseits das Berufsbild Betonfertigungstechniker für junge Menschen zusätzlich zu attraktiveren und andererseits betriebsinterne Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten auszubauen." Doch auch andere Bereiche sind betroffen.

Der Kunststoffrohrhersteller Pipelife Austria, der zur Wienerberger Gruppe gehört, kämpft mit der geringen Verfügbarkeit der Kunststoffe PVC, PE und PP. Dies betrifft sowohl die eigene Rohrproduktion am Werksstandort in Wiener Neudorf als auch den Handel mit Fittings und Zubehörteilen. "Um die Rohrproduktion aufrechterhalten zu können, müssen die Rohstoffe zu extrem hohen Preisen eingekauft werden. Gegenüber den mehrjährigen Durchschnittspreisen liegen die Preise für die Werkstoffe im zweiten und dritten Quartal 2021 bei PVC um 60 Prozent höher, bei Polypropylen um 55 Prozent", heißt es von Pipelife Austria. "Die Situation ist so global, dass ein Ausweichen auf bisher nicht genutzte Lieferanten nicht möglich ist."

Auch im Holzbau ist die Nachfrage gestiegen. Dies habe zu enormen Preiserhöhungen geführt und die Versorgungssicherheit der österreichischen Holzwirtschaft in Gefahr gebracht, sagte zuletzt der Verband Holzbau Austria.

Der Verband forderte daher von der Forst-und Sägewirtschaft die Zusicherung von 1,5 Millionen Kubikmeter Holz aus Österreich zu "fairen und transparenten Preisen" für heimische Holzbau-Unternehmen. Der Verband Holzbau Austria vertritt 2.200 österreichische Holzbaubetriebe mit 16.000 Mitarbeitern. Schon jetzt könnten viele Projekte "gar nicht, nur verspätet oder mit zu hohen Kosten umgesetzt werden, weil es uns am Rohstoff Holz fehlt", erklärte Holzbau-Austria-Obmann Gerhard Kast. Trotz staatlicher Förderungen sei die Planbarkeit mit heimischem Holz derzeit erschwert.

Sie dürfe nicht von globalen Lieferketten abhängen, sagte Kast. Der Mangel an leistbarem Holz habe Auswirkungen auf die Holzbaubetriebe, aber auch auf Architektur-, Bau- und Zimmereinunternehmen.(vasa)