Herbstliche Stimmung herrschte am Donnerstag beim Sommer-Pressegespräch der Fachverbände der heimischen Hotellerie und Gastronomie in Wien. Doch so trüb wie das Wetter sind die Aussichten für den zweiten Corona-Sommer nicht, wie Hotellerie-Obfrau Susanne Kraus-Winkler betonte. Laut einer Umfrage, die das Market-Institut im Zeitraum 19. bis 27. Juli 2021 durchführte, beurteilen vor allem die Betriebe im Süden Österreichs die Sommersaison mehrheitlich optimistisch und sind mit dem Verlauf der bisherigen Urlaubssaison zufrieden.

Einmal mehr zeigt sich die Diskrepanz zwischen Ferien- und Stadthotellerie: In den Landeshauptstädten sind 20 Prozent der Betriebe mit dem bisherigen Geschäftsverlauf "gar nicht zufrieden", 19 Prozent beurteilen die Sommersaison 2021 als "sehr negativ". Das Ausbleiben der internationalen Gäste macht sich hier bemerkbar. In den ländlichen Gebieten lauten die entsprechenden Werte 6 bzw. 5 Prozent.

3G-Regel wird von der Mehrheit akzeptiert

Mario Pulker, Gastro-Obmann in der Wirtschaftskammer, verwies auf die wechselseitige Abhängigkeit von Hotellerie und Gastronomie: "Der eine kann ohne den anderen nicht leben." Auch in seiner Branche gebe es keine einheitliche Entwicklung. So gehe es der gehobenen Gastronomie besser als Lokalen, die von Laufkundschaft leben. Ähnlich geht es der Hotellerie: 4- oder 5-Stern-Hotels seien gefragter als Unterkünfte in niedrigeren Kategorien, so Kraus-Winkler.

Die 3G-Regel wird laut Umfrage von den Gästen mehrheitlich akzeptiert. Aber immerhin ein Drittel der befragten Betriebe berichtete auch von Beschwerden der Gäste bei der Kontrolle. Dabei sei die Akzeptanz für Kontrollen in der Hotellerie etwas größer als in der Gastronomie, so Kraus-Winkler. Die Hälfte der Betriebe gehe davon aus, dass durch Maßnahmen wie die Impfungen und den grünen Pass auch wieder mehr ausländische Gäste kommen werden.

Die Hotellerie kämpft aber noch mit einem weiteren Problem. "Die Buchungen werden immer kurzfristiger", beklagt Kraus-Winkler. Bei der Buchung werde von den Kunden nun vorausgesetzt, dass kurzfristig gratis storniert werden könne. Das mache Planung in den Häusern "extrem herausfordernd". Auch die Mitarbeitersuche sei schwierig.

Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen während der Pandemie waren für den Großteil der befragten Unternehmen von zentraler Bedeutung. Besonders der Umsatzersatz für geschlossene Betriebe aber auch der Fixkostenzuschuss und die Kurzarbeit waren wichtige Hilfsmaßnahmen. Auch der neue Ausfallbonus für reduzierte Umsätze wird von vielen Betrieben in Anspruch genommen. Die Mehrheit der Betriebe rechnet damit, die finanziellen Auswirkungen der Pandemie in den nächsten zwei bis drei Jahren überstanden zu haben.

Weiter reduzierter Mehrwertsteuersatz

Pulker setzt sich vehement dafür ein, dass der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent auch im kommenden Jahr gilt. Die Gastronomie brauche das "wie einen Bissen Brot", so der Gastro-Obmann. Um die coronabedingten Einbußen bei Hotels, Restaurants und Kulturbetrieben abzufedern, hatte die Regierung unterschiedliche Mehrwertsteuersätze - unter anderem für Speisen und Getränke in der Gastronomie, auf touristische Übernachtungen, Eintrittskarten und Bücher - auf 5 Prozent herabgesetzt. Ursprünglich sollte die Unterstützungsmaßnahme befristet von Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 wirksam sein, wurde dann aber bis Ende 2021 verlängert.

Von der Regierung erhoffen sich die Betriebe der Gastronomie und Hotellerie weiterhin eine Senkung der Lohnnebenkosten. Aber auch steuerliche Erleichterungen bei Betriebsübergaben stehen auf der Wunschliste.(ede)