Der Energieverbrauch in Österreich muss um zumindest ein Viertel reduziert werden, wenn unser Land die Klimaziele erreichen will. Das stellt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einer Studie fest. Einer der beiden Studienautoren, Umweltökonom Stefan Schleicher, drängte dazu im ORF-Radio auf ein rasches Energieeffizienzgesetz, dieses sei "überfällig". Das bisherige Gesetz galt als nicht sonderlich wirksam, das neue müsse "sehr innovativ" sein, forderte Schleicher.

Zur Reduzierung des Energieverbrauchs verwies Schleicher, Experte am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz, am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal" auf die vorjährigen Corona-Lockdowns: "Da ist der Energieverbrauch um ungefähr sieben Prozent zurückgegangen." Das sei so etwas wie ein erstes Experiment in diese Richtung gewesen. Die Lockdowns hätten "gezeigt, dass viel an Zwangsmobilität - sprich Pendeln - ersetzt werden kann durch gute Kommunikationstechnologien".

Lkw-Verkehr reduzieren

Reduziert werden müsse auch der Lkw-Verkehr, so Schleicher. Wo das nicht möglich sei, müsse technisch umgerüstet werden - auf Elektro-Lkw, Wasserstoff-Lkw oder Lkw, die über Oberleitungen betrieben werden: "Es zeichnen sich erste Experimente ab, wo man Versuchsstrecken implementiert, wo die rechte Spur auf den Autobahnen einfach mit einer elektrischen Oberleitung versehen wird und dann die Lkw, wenn sie auf dieser Spur sind, von dort ihre Elektrizität herunterholen." In Deutschland oder Schweden würden solche Systeme bereits getestet.

Abgesehen vom Verkehr und der Industrie, wo vor allem neue Technologien gefragt seien, gebe es auch bei Gebäuden und bei Warmwasser viele Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu reduzieren, so Schleicher. Stichwort Thermische Sanierung, Nutzung von Abwasserwärme oder Geothermie. Eines sei aber auch klar, betont der Experte: Technologische Umrüstung müsse gefördert und auch sozial abgefedert werden. (apa)