Die Klimakrise ist angesichts der Corona-Pandemie zwischenzeitlich eher in die Hinterköpfe der Menschen gerückt. Allerdings ist der Klimawandel die größere Gefahr, nicht die Pandemie, so Kurt Weinberger, der Vorstandsvorsitzende der österreichischen Hagelversicherung, bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

Die Auswirkungen der Erderwärmung waren in den letzten Wochen in ganz Mitteleuropa zu spüren. In Österreich zeige sich das vor allem durch die zunehmenden Hitzetage und an den vermehrten Wetterextremen. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft belaufe sich im laufenden Jahr bereits auf 220 Millionen Euro. Genaue Vorhersagen seien noch nicht möglich, aber das heurige Jahr werde für das Unternehmen in der Bilanz beim EGT kein positives werden, so Weinberger.

Zuverlässige Klima-Modelle

Die Versicherungswirtschaft habe schon zeitig auf den Klimawandel aufmerksam gemacht, da sie erste Anzeichen schon früh beobachten konnte, so die Klimaforscherin und Meteorologin, Helga Kromp-Kolb. Es sei Aufgabe der Wissenschaft, diese Phänomene zu erklären, nach den Ursachen zu suchen und, so gut es geht, Prognosen zu liefern. "Seit dem ersten Klimastandsbericht des IPCC 1990 stimmen die realen Entwicklungen mit den aufgrund wissenschaftlicher Berechnungen erwarteten, erstaunlich gut überein", so Kromp-Kolb.

Die Geschichte zeige, dass es Zivilisationen gab, die am Klimawandel gescheitert sind. "Klimaänderungen können aber auch Auslöser zivilisatorischer Blütezeiten sein. Wir haben es wirklich eilig. Es liegt an uns, das Klima mit mutigen Maßnahmen zu stabilisieren."

Risiken nehmen zu

Das Pariser Klimaabkommen ist eine wichtige politische Entscheidung in die richtige Richtung, allerdings fehle eine schnelle und konsequente Umsetzung, sagt Doris Höpke, Vorstandsmitglied von MunichRe. Gerade für die Landwirtschaft würden die Risiken durch den Klimawandel steigen. "Versicherungen funktionieren in der Regel so, dass die Versicherungsgemeinschaft ein ähnliches Risiko gemeinsam übernimmt, in der Erwartung, dass es eben nicht für alle Versicherten gleichzeitig und am selben Ort eintritt", so Höpke. Das sei bei Hagel der Fall, bei Dürren hingegen könnten weite Teile Europas gleichzeitig betroffen sein und den Versicherungsschutz teuer machen. Es brauche strukturiertes Risikomanagement und partnerschaftliche Lösungen zwischen Versicherungswirtschaft, Staat und Landwirten auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Prämienerhöhungen für die Versicherten soll es laut Weinberger trotz der Entwicklungen nicht geben. Außerdem wolle man die Versicherung für Dürren ausweiten, die derzeit auf bestimmte Kulturen beschränkt sei, so Weinberger.

Klimaschutz als Chance

Die Politik sei in Verantwortung, aber auch das Einbinden der Bevölkerung sei ein wichtiger Schritt, damit Maßnahmen zum Klimaschutz von möglichst vielen Menschen mitgetragen werden. Für das Verstehen von systemübergreifenden Zusammenhängen, sei auch Bildung ein wichtiger Faktor, betont die Forscherin Kromp-Kolb. Gefordert seien außerdem kreative Lösungen und die Förderung neuer Technologien, meint Höpke. Klimaschutz werde oft als Belastung gesehen. Auf sich bietende Chancen, wie eine nachhaltige Wirtschaft oder eine erhöhte Lebensqualität, werde oft vergessen, so Weinberger.