Der österreichische Bauriese Strabag erhöht nach einem Gewinnsprung den Ausblick für das Gesamtjahr. Die Leistung sollte über dem Vorjahreswert von 15,4 Milliarden Euro zu liegen kommen und die EBIT-Marge schon heuer nahe dem für 2022 festgelegten Ziel von 4 Prozent liegen, erklärte die Strabag am Dienstag. Ende Juni wies der Bauriese mit fast 73.000 Mitarbeitern einen Rekord-Auftragsbestand von 21,10 Milliarden Euro auf, nach 19,44 Milliarden Euro ein Jahr davor.

Der Konzern erzielte im Halbjahr 88,3 Millionen Euro Nettogewinn, nach einem minimalen Verlust von 0,8 Millionen Euro Ende Juni 2020, zur Zeit der ersten Corona-Lockdowns. Die Nettogewinn-Marge erreichte damit 1,4 Prozent vom Umsatz. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um ein Drittel von 300,1 Mio. auf 406,3 Millionen Euro zu. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg von 45,1 Millionen auf 140,2 Millionen Euro, und die EBIT-Marge erhöhte sich von 0,7 auf 2,1 Prozent.

Die Leistung wuchs im Jahresabstand um 3 Prozent auf 6,94 (6,72) Milliarden Euro, der Umsatz auch um 3 Prozent auf 6,54 (6,32) Milliarden Euro. Das Leistungsplus war primär der Steigerung im Heimmarkt Österreich um fast ein Fünftel zu danken, nachdem 2020 zur gleichen Zeit temporäre Bau-Einstellungen wegen der Pandemie das Geschäft getrübt hatten. Der Auftragsbestand legte besonders in den Heimmärkten Deutschland und Österreich zu.

Weitere Investitionen in das Strategie-Programm

Schon bis März habe man wegen des hohen Auftragsbestands von erstmals über 20 Mrd. Euro ein sehr reges Geschäft verspürt, nach sechs Monaten habe sich das bestätigt, so Strabag-CEO Thomas Birtel. Dadurch könne man entschlossen in das strategische Programm "Faster Together 2022" investieren, also in weitere Digitalisierung und Automatisierung des Baus und der baunahen Dienstleistungen sowie in die Nachhaltigkeitsstrategie, die bis 2040 Klimaneutralität in der gesamten Wertschöpfungskette vorsehe.

Trotz Ausschüttung einer erhöhten Dividende von 707,9 Millionen Euro für 2020 aus den Gewinnrücklagen sei die Eigenkapitalquote mit 30,1 Prozent (nach 31,7 Prozent) weiter sehr stark geblieben. Die Netto-Cash-Position sei wegen des Dividendeneffekts und saisonal bedingt von 1,75 Mrd. Euro Ende 2020 auf nun 813,6 (946,5) Mio. Euro gesunken.

Der leichte Rückgang der Mitarbeiterzahl um zwei Prozent auf 72.942 Personen binnen Jahresfrist ist laut Strabag fast ausschließlich durch die Fertigstellung der Tunnelbauarbeiten des Mega-Wasserkraftwerks Alto Maipo in Chile bedingt.

Causa Baukartell

Schon in der Bilanz 2020 hat die Strabag Rückstellungen für ein drohendes Bußgeld zur Causa Baukartell gebildet. Mitte Juli d.J. hatte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wie berichtet wegen der Teilnahme an dem vor einigen Jahren in Österreich aufgeflogenen großen Baukartell für die Strabag eine Geldbuße von 45,37 Millionen Euro beim Kartellgericht beantragt. Dabei beantragte die Behörde eine geminderte Geldbuße, weil die Strabag "kontinuierlich und umfassend" im Kronzeugenprogramm kooperiert habe. Die Entscheidung des Kartellgerichts ist noch ausständig.

Nach Rechtskraft der Gerichtsentscheidung sei mit Schadenersatzforderungen der Auftraggeber zu rechnen, so die Strabag im Halbjahresbericht. In welcher Höhe den Konzern Belastungen treffen werden, sei wegen der Vielschichtigkeit des Sachverhalts (langer Zeitraum, Vielzahl von Projekten, unterschiedlichste Auftraggeber, heterogene Strukturen etc.) äußerst schwer einzuschätzen, "die tatsächlichen Beträge können daher vom rückgestellten Betrag abweichen". (apa)