Gut zwei Drittel der Unternehmer in Österreich fordern von der Politik eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten und mehr als die Hälfte spricht sich für eine Ökologisierung des Steuersystems aus. Aber ohne Einschnitte und möglichst ohne Wettbewerbsnachteile für den Standort. Das ergab eine Umfrage des Unternehmensberaters Deloitte unter 268 Führungskräften. Und: 77 Prozent von ihnen sprachen sich gegen neue Steuern zur Sanierung der Staatskassen aus.

"Vor dem Hintergrund der aktuellen EZB-Niedrigzinspolitik, sollte man Steuern senken - und nicht erhöhen. Die Staatsschulden werden auch durch die Inflation sinken", sagte Herbert Kovar von Deloitte in einem Hintergrundgespräch beim Europäischen Forum in Alpbach. Demnach sehen Unternehmer die Senkung der Lohnnebenkosten, die Vereinfachung des Steuersystems und die Förderung von ökologisch sinnvollen Maßnahmen als wichtigste steuerpolitische Maßnahmen.

Körperschaftsteuer aus Unternehmersicht zu hoch

Schon seit Jahren fordert die Wirtschaft eine Senkung der Lohnnebenkosten. Heuer würden sich aber deutlich mehr Unternehmer dafür aussprechen, erklärt Kovar. "Das hat auch mit dem Fachkräftemangel zu tun", sagt er. Dieser sei durch die Pandemie und die fortschreitende Digitalisierung verschärft worden. "Der Arbeitsmarkt wird noch sehr viel enger, als er bereits ist. Der demografische Wandel setzt jetzt voll ein", sagte Deloitte-Chefökonom Alexander Börsch am Rande des Forums Alpbach.

Auch der Ruf nach einer Senkung der Ertragsteuer für Unternehmen wird lauter. Die Körperschaftsteuer beträgt derzeit 25 Prozent in Österreich. "Wenn es 19 Prozent wären, hätte das eine starke Signalwirkung für den Standort und Investitionen", meint Kovar.

Nicht ganz so eindeutig fiel das Urteil der Unternehmen in puncto Ökologisierung aus. Zum einen betrachtet die Mehrheit der befragten Führungskräfte die Ökologisierung und Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes als besonders wichtig. Und zum anderen werden steuerliche Förderungen zur Ökologisierung der Wirtschaft weit weniger wichtig eingestuft, als etwa die Senkung der Lohnkosten und der Körperschaftsteuern.

Ökologisierung nicht als Standortnachteil

Laut Kovar liegt das daran, dass einige Unternehmer skeptisch bei der Umsetzung von Umweltmaßnahmen sind und internationale Wettbewerbsnachteile oder Investitionsunsicherheiten befürchten. "Die Frage der Rechtssicherheit ist für Unternehmen ganz wichtig", so der Experte.

Ihr Browser kann derzeit leider keine SVG-Grafiken darstellen!

57 Prozent der Befragten begrüßen eine Umschichtung in Richtung einer Ökologisierung, aber das dürfe nicht zu einer steuerlichen Mehrbelastung führen, zeigt die Umfrage. Kovar sprach sich auch im Zusammenhang damit für eine Erhöhung und Stärkung der Forschungsprämie aus. Diese beträgt derzeit 14 Prozent und kann für innovative Unternehmensprojekte abgeschöpft werden. Diese sei auch nachhaltiger und treffsicherer als die Investitionsprämie, die in der Corona-Krise beschlossen wurde. Dabei zeigt sich jetzt nämlich, dass sie vor allem in der Landwirtschaft in Anspruch genommen und auch von Firmen verwendet wurde, um zum Beispiel einen Traktor oder ein E-Firmenauto zu kaufen.

Zu den Corona-Hilfen meint Kovar: "Es war gut, dass sie schnell und effizient vergeben wurden." Ex-post müsse man aber noch evaluieren, ob und wie treffsicher diese waren.

Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Abwicklung der Corona-Hilfen wie etwa Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss oder Umsatzersatz sie nach wie vor beschäftigt. Daneben sehen aber mehr als zwei Drittel der befragten Führungskräfte die Komplexität des Steuersystems als Herausforderung. (del)