Die teilstaatliche OMV soll unter dem neuen Vorstand Alfred Stern weiter zum Petrochemie-Konzern umgebaut werden. "Die OMV steht vor dem größten Wandel ihrer Unternehmensgeschichte", sagte Stern am Donnerstagabend vor Journalisten. Er hat mit 1. September den Chefsessel von seinem Vorgänger Rainer Seele übernommen, der vorzeitig aus dem Unternehmen ausschied. Der fortschreitende Klimawandel, die Energiewende und die EU-Klimaziele zwingen die OMV, wie viele andere Öl- und Gas-Konzerne auch, zu diesem Wandel. "In zehn Jahren wird kein Öl- und Gaskonzern so aussehen wie heute."

Schon unter Seele wurde mit dem Erwerb der Borealis-Anteile - die OMV hält nun 75 Prozent, 25 Prozent sind in Besitz des Staatsfonds Mubadala in den Vereinigten Arabischen Emiraten - der Umbau in Richtung Petrochemie eingeleitet. Rohöl soll also künftig mehr veredelt und weniger verbrannt werden. In Zukunft setze man im gesamten Unternehmen auf mehr Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und man bekenne sich auch zu den Klimazielen im Pariser Abkommen, erklärte Stern, der von 2018 bis 2021 den Chefposten bei Borealis innehatte.

Die Kennzahlen sprechen derzeit jedenfalls für den Umbau in Richtung Petrochemie. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die OMV einen Vortsuergewinn von 2,3 Milliarden Euro. Die Hälfte des Gewinns wurde laut Stern unter "Chemicals and Materials" verbucht, also in der Chemie-Sparte des Konzerns. Die Borealis erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 821 Millionen Euro, 150 Millionen wurden als Dividende an die OMV und Mubadala ausgeschüttet.

Umbau-Strategie bis 2022

Bis Ende des Jahres will man in der OMV jedenfalls einen Strategieprozess zur künftigen Ausrichtung des Konzerns abschließen. Konkrete Ergebnisse sollen im ersten Quartal 2022 präsentiert werden. "Der Transformationsprozess wird ein steiniger Weg", meint Vorstand Stern. Demnach werde man auch das Ölgeschäft mittelfristig zurückfahren. Derzeit fördert die OMV nicht ganz 500.000 Barrel Öläquivalent am Tag. 

Im Rahmen der Stragegie soll auch vorgezeichnet werden, wie die OMV in den nächsten Jahren CO2 einsparen will. Das Unternehmen hat sich noch unter Ex-Vorstand Seele das Ziel gesetzt, bis 2030 gut 30 Prozent seines CO2-Ausstoßes zu reduzieren. So sind etwa Investionen von 200 Millionen Euro für die Raffinerie in Schwechat geplant, um dort biogene Öle und Rohstoffe zu produzieren. Das allein wird aber noch nicht reichen, um den CO2-Ausstoß drastisch zu senken.

Bis 2040 Gasliefervertrag mit Russland

Gas bleibt auch weiterhin das zweite große Standbein der OMV. Das Unternehmen, an dem Österreich mit 31,5 Prozent beteiligt ist, hat bis 2040 einen Gasliefervertrag mit Russland und ist auch über ein Konsortium an der Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligt. Die OMV war das erste westliche Unternehmen, das Geschäftsbeziehungen mit der damaligen UdSSR betrieben hat. 1968 schloss die damals staatliche Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft einen Gasliefervertrag mit der Sowjetunion.

Über die Pipeline Druschba (zu Deutsch "Freundschaft") kommt seit mehr als 50 Jahren russisches Gas über die Ukraine zur Verdichtungsstation in Baumgarten und wird von dort in den Rest Österreichs und in Richtung Westeuropa verteilt. Der Gasknotenpunkt in Baumgarten an der March nahe der slowakischen Grenze ist einer der wichtigsten in ganz Europa. Etwa 40 Milliarden Kubikmeter Gas und damit ein Drittel der russischen Gasexporte fließen über das Verteilzentrum. Betreiberin ist die Gas Connect Austria (den 51-Prozent-Anteil hat die OMV Ende Mai an den Verbund verkauft). "Gas ist weiterhin notwendig, um den Energiebedarf in Europa zu decken", sagte Stern. Er erwartet auch für heuer einen hohen Gasbedarf im Winter.