Mit über 134.000 direkt Beschäftigten und 1.200 Betrieben ist die Metallindustrie die stärkste Wirtschaftsbranche Österreichs. Die Metaller sind es auch, die jedes Jahr aufs Neue die Lohnverhandlungen beginnen und somit die Richtung für alle folgenden Kollektivvertragsgespräche vorgeben. Ab 23. September geht es los, und Arbeitnehmer- sowie Arbeitgebervertreter treffen sich in der Wirtschaftskammer zur ersten Verhandlungsrunde. Dass die Gespräche, wie im letzten Jahr, nach einer Sitzung beendet werden können, ist wohl eher ein Wunschdenken.

Augenmaß und Vernunft

Die Maschinen der österreichischen metalltechnischen Industrie laufen nach den coronabedingten Einbußen noch nicht ganz so rund wie vor der Krise. Im Jahr 2020 brach der Produktionswert um 10,6 Prozent auf 36 Milliarden Euro ein. Im Jahr 2021 rechnen die Unternehmen mit einem Wachstum von 9,3 Prozent. "Wir sind dabei, das Verlorene in diesem Jahr wieder aufzuholen", sagte der Obmann der Metalltechnischen Industrie, Christian Knill, am Donnerstag in einer Pressekonferenz.

Es werde noch mindestens bis zum nächsten Jahr dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht sei. Das derzeitige Problem in der Industrie seien nicht die fehlenden Aufträge, sondern die steigenden Vormaterialpreise, die Verfügbarkeiten und der Fachkräftemangel. Alleine die Mehrkosten bei Stahl betragen 4,3 Milliarden Euro. "Die Aufträge gehen uns nicht aus, wir kriegen die Aufträge nicht raus", sagte Knill und verwies auf die fehlenden Materialien. In seinem Werk mangele es zum Beispiel an Alurohren und Schrauben.

Laut Knill müsse man heuer vermeiden, dass man den "gleichen Fehler wie im Jahr 2008 macht". Damals habe man die Löhne um 4,2 bis 4,5 Prozent erhöht bei einer Jahresinflation von 3,9 Prozent. Dies und eine Inflationsrate über dem Euroraum hätten dazu geführt, dass die Lohnstückkosten über dem Schnitt im Euroraum liegen. "Diesen Gap konnten wir bis heute nicht schließen", so Knill.

Dieser Umstand lasse die Wettbewerbsfähigkeit in Österreich sinken. Bei den anstehenden Lohnverhandlungen möchte er daher mit "Vernunft und am Boden der Realität" agieren. Im Vorjahr einigte man sich auf eine Erhöhung der Löhne um 1,45 Prozent, was exakt der Höhe der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate entsprach. Die für heuer relevante Inflationsrate beträgt laut Prognosen 1,89 Prozent.

Klare Lohnsteigerung

Die Gewerkschaft sieht die Situation erwartungsgemäß anders. "Im Pandemiejahr 2020 haben wir sehr verantwortungsvoll gehandelt. Heuer sind die Voraussetzungen gänzlich andere", teilten die Chefverhandler der Arbeitnehmer, Rainer Wimmer und Karl Dürtscher, mit. Das Wirtschaftswachstum sei "sensationell", die Auftragsbücher seien voll. Außerdem steige die Produktivität in der Warenherstellung laut Wirtschaftsforschern um 3,3 Prozent. "Der heimische Industriestandort ist durch ordentliche Lohn- und Gehaltserhöhungen sicher nicht gefährdet", heißt es.