Fast 40 Prozent des Vermögens im Land sind im Besitz von lediglich einem Prozent der Österreicher. Weltweit ist die Ungleichheit in der Verteilung von Vermögen noch deutlicher. Dieses Phänomen ist zwar nicht neu, in den vergangenen Jahren und nicht zuletzt auch durch Corona hat es sich aber verstärkt. Während das Vermögen der Milliardäre 2020 nach Schätzungen des US-Magazins "Forbes" um ein Fünftel zugelegt hat, kämpfen weltweit viele Menschen mit Arbeitsplatzverlust und Armut.

Vor diesem Hintergrund hat die "Wiener Zeitung" Mittwochabend im Rahmen ihrer Talk-Reihe "future ethics" zu einer von ihrem Chefredakteur Walter Hämmerle moderierten Diskussionsveranstaltung rund um das Thema Vermögen und Reichtum geladen. Unter der Überschrift "Stiften, Spenden, Steuern zahlen - Geld und soziale Verantwortung" ging es dabei etwa um die Frage, wie Gesellschaften mit ihren Reichen umgehen sollen, aber auch darum, ob die Familie ein Hindernis für eine gerechte Vermögensverteilung ist.


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Für den Wiener Ökonomen und Psychotherapeuten Martin Schürz, Autor des Buches "Überreichtum", ist jedenfalls das Erben "der Schlüssel in der Frage der Vermögensakkumulation". Und deswegen sei "die Bevorzugung von Familien - und die hat man bei den Steuersätzen fast überall - ein Problem", wie er betonte. "Das sollte nicht sein." Wer sich für Familien ausspreche, sei "beim Erbgeschehen im Vermögensbereich für reiche Familien", gab Schürz zu bedenken. "Das sollte man dann benennen, weil in den armen Familien wird ja nichts vererbt."

Die aus reichem Haus stammende Wiener Germanistikstudentin Marlene Engelhorn empfindet es als "ungerecht", dass sie eines Tages einen Millionenbetrag erben wird. "Ich habe für mein Erbe keinen Tag gearbeitet und zahle keinen Cent dafür", erklärte sie dazu. Da es hierzulande keine Erbschaftssteuer gibt, will die "Pharma-Erbin" 90 Prozent ihres künftigen Vermögens spenden. Damit hat sie im vergangenen Frühjahr für öffentliches Aufsehen gesorgt. In der Diskussion bekräftigte Engelhorn ihre Kritik, wonach das Vermögen in Österreich ungleichmäßig verteilt sei und Menschen wie sie für ihr Vermögen rein gar nichts tun müssten.

Indes beklagte Edeltraud Hanappi-Egger, Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien, dass es der wissenschaftliche Diskurs zur Verteilung von Vermögen nicht in die politischen Entscheidungsgremien schaffe. Den Grund sieht sie in der dortigen "Kommunikation und Diskussion", die "sehr stark machtkonzentriert und wahltaktisch" sei. Das Problem, das sich aus Hanappi-Eggers Sicht daraus ergibt: "Wir kommen nicht wirklich in die Umsetzungsdiskussion, selbst wenn es die entsprechenden Vorschläge gibt, wie man zu einer besseren Verteilung von Vermögen kommt." (red.)