Der Halbleiterhersteller Infineon will dank der boomenden Nachfrage mit seinem neuen Werk im österreichischen Villach höhere Erlöse einfahren als bisher geplant. Bei Vollauslastung der Fabrik in drei bis vier Jahren sei mit einem zusätzlichen Umsatzvolumen von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr zu rechnen, teilte der Münchner Chipkonzern am Freitag mit. Bisher wurde ein Umsatzpotenzial von jährlich 1,8 Milliarden Euro angekündigt.

"Der Zeitpunkt, neue Kapazitäten in Europa zu schaffen, könnte angesichts der weltweit wachsenden Nachfrage nach Leistungshalbleitern nicht besser sein", sagte Vorstandschef Reinhard Ploss. Er geht davon aus, dass der Bedarf angesichts der beschleunigten Digitalisierung in den kommenden Jahren weiter zunehmen werde. Darüber hinaus rechnet Ploss auch mit erheblich steigenden Preisen für Halbleiter.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte beim symbolischen Eröffnungsakt vor allem die Bedeutung von Innovation beim Klimaschutz. Der EU-Kommissionsvertreter in Österreich, Martin Selmayr sieht in Villach ein "Silicon Valley". An der feierlichen Eröffnung am Nachmittag nahmen neben dem Bundeskanzler und Selmayr auch Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne), Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sowie der Villacher Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) teil. 

Fertigung auf 60.000 Quadratmetern

Am Kärntner Standort wurde neben der bestehenden Fertigung auf 60.000 Quadratmetern ein neues vollautomatisiertes Werk für die Produktion von sogenannten 300-Millimeter-Dünnwafern hochgezogen. Die Investitionskosten beliefen sich auf 1,6 Milliarden Euro. Nach zwei Jahren Bauzeit sei das Werk nun drei Monate früher als geplant betriebsbereit. Die ersten Wafer sollen noch diese Woche die Fabrik verlassen. Die Halbleiter kommen dann in Elektroautos, Rechenzentren sowie bei der Solar- und Windenergie zum Einsatz. Allein die für Industrie-Halbleiter eingeplante Kapazität reiche zur Ausstattung von Solaranlagen aus, die in Summe mehr als 1500 Terawattstunden elektrische Energie pro Jahr produzieren könnten – das entspricht in etwa dem dreifachen jährlichen Stromverbrauch in Deutschland.

"Jetzt wollen alle bauen"

Mit der neuen Produktionsstätte wurden 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen, von denen zwei Drittel bereits besetzt sind. Aktuell sucht Infineon Österreich 200 Leute. Villach ist im Konzern das Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter und Leistungselektronik.

Bei Infineon zeigt man sich erfreut über die Fertigstellung. "Als Mitte 2018 die Entscheidung für den Bau getroffen wurde, wurden wir noch belächelt und jetzt wollen alle bauen", sagte Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka. Grund dafür sei die riesige Nachfrage, doch solch ein High-Tech-Werk lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen errichten. Den aktuellen Chipmangel in der Autoindustrie löst das neue Werk allerdings laut der Managerin nicht: Schließlich werden in Villach Leistungshalbleiter gefertigt und nicht die in der Autobranche händeringend benötigten Mikroprozessoren. (apa)