Manager mit Anzug und Krawatte haben auf den ersten Blick mit den Aktivisten von "Fridays for Future" wenig gemeinsam. Die einen lenken profitorientierte Unternehmen, die anderen gehen für eine bessere Umwelt auf die Straße. Manager fordern niedrigere Steuern, die Klimaaktivisten niedrigere Emissionen. So weit die Klischees.

Doch es gibt sehr wohl Schnittmengen, zumindest mit den "CEOs for Future". Der gemeinnützige Verein, der sich als unabhängige Plattform für Top-Manager und -Managerinnen versteht, vertritt zentrale Forderungen der Jungen: die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und die Besteuerung von Treibhausgasen. "Klimaerwärmung ist nicht nur ein ökologisches, sondern zum Großteil ein ökonomisches Problem", sagt Wolfgang Anzengruber, Ex-Verbund-CEO und Vorstand im Verein, bei der Präsentation eines Positionspapiers.

"CEOs for Future" wurde vor eineinhalb Jahren gegründet, Ziel ist laut eigener Beschreibung eine fossilarme und ressourcenschonende Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft. Von den Hunderttausenden Anhängern der jungen Klimabewegung ist man noch weit entfernt. Aber immerhin rund 30 heimische Unternehmen konnten Anzengruber und Karl Kienzl, früher stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes, schon ins Boot holen. Dazu zählen Asfinag, ÖBB, IBM, Saubermacher AG, Lafarge und ProSiebenSat.1Puls 4. "Das Ziel ist es, eine möglichst große Bewegung zu werden", sagt Christiane Brunner, eine der Mitinitiatorinnen und ehemalige Nationalratsabgeordnete der Grünen.


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Doch worum geht es dem Verein nun konkret? "Wir wollen einen CO2-Preis", sagt Brunner. Rund 80 Millionen Tonnen des Treibhausgases werden pro Jahr in Österreich emittiert. Davon sind 30 Millionen Tonnen bereits im europäischen Emissionshandelssystem (ETS) geregelt. Die restlichen 50 Millionen Tonnen fallen bisher unter keine CO2-Bepreisung.

Anreiz für Investitionen

Die türkis-grüne Regierung plant eine ökosoziale Steuerreform, die 2022 in Kraft treten soll. Kernstück dieser ist ein CO2-Preis. Wie hoch dieser sein und wie er ausgestaltet wird, wird derzeit in den Ministerien noch heiß diskutiert. Die Volkspartei will verhältnismäßig niedrig bei 25 Euro je Tonne CO2 einsteigen. Dass nun energieintensive Unternehmen und Branchen von sich aus eine Bepreisung ihrer Emissionen fordern, ist ein Novum. "Es geht nicht um Verzicht, sondern darum, Anreize für Investitionen zu schaffen. CO2- minderndes Verhalten in der Wirtschaft gehört belohnt", sagt Brunner. Dies könne auch zu Wettbewerbsvorteilen in der Industrie führen.

Die Einnahmen aus dem Preis sollen rückvergütet werden. Unternehmen können damit in die Dekarbonisierung investieren. Außerdem sollen der Faktor Arbeit entlastet und klimaschädliche Subventionen abgeschafft werden.

Wie teuer eine Tonne CO2 nun aus Sicht des Vereins sein soll, ließen sich die Initiatoren nicht entlocken. "Die Frage ist: Mit welchem Preis beginnen wir?", sagt Anzengruber. Im europäischen Emissionshandel kostet die Tonne Kohlenstoff derzeit rund 60 Euro, in Schweden, das schon lange einen Preis eingeführt hat, 120 Euro. "Sinnvoll wäre, man synchronisiert den CO2-Preis mit jenem des ETS-Systems. Dieser wird deutlich steigen", so der frühere Verbund-Chef. Der Preis dürfe nicht zu klein sein, denn dann zeige er keine Wirkung. Setzt man ihn zu hoch an, gebe es einen Schock. Das ist schlecht für die Wirtschaft. "Der Preis soll irgendwo in der Nähe des ETS-Systems liegen", sagt Anzengruber. Damit läge er bei rund 60 Euro. Das ist mehr als das Doppelte von dem Preis, den die ÖVP ins Spiel gebracht - und den Deutschland im Jänner 2021 eingeführt hat.

Für die Unternehmen sei Planungssicherheit wichtig, betont Anzengruber. "Wenn man es intelligent angeht, ist der CO2-Preis ein Motor für die Wirtschaft." Als Beispiel dient Schweden, das seit 1990 24 Prozent seiner Emissionen verringern konnte. Das BIP stieg im gleichen Zeitraum um 77 Prozent. Österreich kann ebenso mit einem kräftigen BIP-Wachstum aufwarten, doch die Emissionen stiegen hierzulande um sechs Prozent (siehe Grafik).

Ein großer CO2-Verursacher ist die Zementindustrie. Sie stößt weltweit rund acht Prozent aller Treibhausgase aus. Einer der führenden Zementhersteller, Lafarge, ist auch in Österreich aktiv. "Wir haben heuer 23 Millionen Euro in eine neue Rohmühle investiert. Damit wird ein neuer Zement hergestellt, bei dem 20 Prozent weniger CO2 entsteht. Irgendwann soll dieser den herkömmlichen Zement ersetzen", sagt Berthold Kren, Geschäftsführer von Lafarge Österreich.

Mit der Forderung nach einem CO2-Preis stehen die Manager nicht allein da. Erst am Montag drängte Volkswagen-Chef Herbert Diess auf eine raschere Umsetzung der deutschen Klimapläne und forderte, dass der CO2-Preis 2024 schon auf 65 (statt auf 45) Euro pro Tonne steigen sollte.