Zutritt in die Betriebskantine nur noch für Geimpfte oder Genesene: Im Grazer Werk von Magna Steyr wurden Mitte September angesichts der österreichweit hohen Zahl an Infektionen mit dem Coronavirus die betriebsinternen Vorschriften verschärft. Das gefällt nicht allen, wie es seitens des Betriebsrats gegenüber der "Kleinen Zeitung" hieß. Auch zahlreiche andere Großunternehmen haben bereits eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, um für Mitarbeiter und Kunden das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 möglichst gering zu halten. Den meisten wäre eine generelle Impfpflicht am liebsten.

Die Unternehmensberatung Deloitte hat für ihr regelmäßig erstelltes Stimmungsbarometer im August dieses Jahres bei 222 Führungskräften in ganz Österreich nachgefragt. Rund 70 Prozent von ihnen gaben an, der Zugang zu den Unternehmensräumlichkeiten sei an einen 3G-Nachweis (getestet, geimpft, genesen) gebunden. 15 Prozent sagten, in ihrem Betrieb gelte bereits die 1G-Regel (vollständig geimpft oder genesen plus einmal geimpft). Eine Maskenpflicht in Besprechungs- und Sozialräumen ist bei 41 Prozent an der Tagesordnung, die Maskenpflicht am Arbeitsplatz bei 16 Prozent. Nur 10 Prozent haben keine speziellen Corona-Maßnahmen ergriffen. "Die Vorsicht - zum Schutz der Mitarbeiter - ist bei den Unternehmen angekommen", kommentierte das Harald Breit, Chef von Deloitte Österreich, am Donnerstag in einem Pressegespräch.

Um einen neuerlichen großflächigen Lockdown zu verhindern, würden 49 Prozent einer generellen Impfpflicht in ihrem Unternehmen voll zustimmen. 27 Prozent antworteten mit "eher ja". Lediglich 10 Prozent wären dagegen. "Grundsätzlich sehen sich die Betriebe gut gewappnet für eine eventuelle vierte Welle", so Breit. 21 Prozent der Manager gaben an, ihr Unternehmen sei auf etwaige neue wirtschaftliche Einschränkungen "sehr gut", 58 Prozent "gut" vorbereitet.

Grundstimmung
ins Positive gedreht

Die Grundstimmung habe sich seit der letzten Umfrage im Februar dieses Jahres "komplett umgedreht". Zur Erinnerung: Impfstoff war damals noch Mangelware, 500.000 Menschen befanden sich in Kurzarbeit, 450.000 waren arbeitslos. Entsprechend wenig Optimismus hatte vorgeherrscht. Nun bewertet eine breite Mehrheit von rund 88 Prozent der befragten Führungskräfte die Stimmung im Management der eigenen Organisation als sehr positiv oder eher positiv.

"Die Unternehmen haben eine hohe Resilienz gezeigt", so Breit. Auch hätten die Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung gut gegriffen. Die Betriebe hätten nach dem Ende des dritten Lockdowns daher wieder durchstarten können und seien sehr rasch wieder in die Gänge gekommen. Sorgen bereiten den Führungskräften die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise und die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vormaterialien. Die größte Sorge betrifft jedoch generell den Fachkräftemangel. 40 Prozent der befragten Manager sehen ihn als sehr große, 42 Prozent als große Herausforderung. Aber auch Hilfskräfte seien schwer zu finden, so Breit.

Um für Arbeitnehmer attraktiv zu sein, wollen die Unternehmen auf flexiblere Arbeitszeitgestaltung und betriebsinterne Weiterbildungsmöglichkeiten setzen und die eigene Unternehmenskultur für ein gutes Arbeitsklima weiterentwickeln.(ede)