Etwa jede fünfte unselbständig erwerbstätige Frau in Österreich arbeitet im Handel. Besonders der Lebensmittelhandel, wo seit dem Ausbruch der Coronapandemie erschwerte Arbeitsbedingungen herrschen, hat einen hohen Frauenanteil. Dort ist die Belegschaft zu rund 70 Prozent weiblich. Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) will daher in den diesjährigen Handels-Kollektivvertragsgesprächen ein spezielles Augenmerk auf die Frauen in der Branche legen.

Von den insgesamt 415.000 Angestellten im Handel sind 261.000 (62,9 Prozent) weiblich. Die Teilzeitquote beträgt bei den Frauen 55,3 Prozent, bei den Männern nur 10,5 Prozent. Anita Palkovich, Wirtschaftsbereichssekretärin in der GPA, sprach am Mittwochabend vor Journalisten einmal mehr von schlecht planbaren Arbeitszeiten und schlechten Arbeitsbedingungen. Corona habe den Handelsangestellten viel abgefordert, viele seien "am Sand". Das dauernde Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, die Angst vor Ansteckung und immer aggressivere Kunden stellten enorme Belastungen dar.

Anita Palkovich von der Gewerkschaft GPA-djp. 
- © apa / Robert Jaeger

Anita Palkovich von der Gewerkschaft GPA-djp.

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"Corona ist noch nicht vorbei"

Dass die Arbeitsbedingungen im Handel generell schlecht seien, wies Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zurück. Der Forderung nach einer "kräftigen" Lohnerhöhung, die die Gewerkschaft aufgrund der deutlich spürbaren Erholung in der Branche und der besseren Konjunkturaussichten gerechtfertigt sieht und die den Konsum in Österreich ankurbeln soll, setzte er entgegen: "Corona ist noch nicht vorbei." Soeben sei in Salzburg die Corona-Ampel wieder auf Rot umgesprungen, und es herrsche nach wie vor ein hohes Maß an Unsicherheit.

Rainer Trefelik, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer. 
- © apa / Robert Jaeger

Rainer Trefelik, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer.

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"Die Gehaltsanpassung muss mit Augenmaß erfolgen und unter dem Gesichtspunkt, dass es für den Handel zurzeit eine Vierfach-Belastung gibt", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer Aussendung. Der österreichische Handel habe zurzeit nicht nur mit einer globalen Beschaffungskrise, hohen Rohstoff- und Logistikkosten sowie mit einem erneuten Rückgang der Verbraucherstimmung zu kämpfen. Darüber hinaus würden viele Geschäfte noch immer stark unter den negativen Folgen der Corona-Krise leiden. Zusätzlich müssten alle Händlerinnen und Händler spätestens mit 1.1.2022 auf den neuen Handels-Kollektivvertrag umstellen, der wiederum Lohnerhöhungen und steigenden Kosten mit sich bringe.

Die Arbeitnehmervertreter wollen sich jedoch nach dem coronabedingten "Krisendeal" des Vorjahres, der ein Gehaltsplus von 1,5 Prozent brachte, heuer nicht in Zurückhaltung üben und fordern einen "Zukunftsdeal". Die Höhe des Prozentsatzes ist noch nicht öffentlich, aber mit der Abgeltung der Inflation wird sich die Gewerkschaft wohl nicht zufriedengeben. Die Forderungsübergabe erfolgt am 21. Oktober.

Die Metaller wollen wie berichtet um 4,5 Prozent mehr Lohn. Hier spießt es sich bereits gewaltig, denn die Arbeitgeber haben bei der zweiten KV-Runde am vergangenen Montag eine Erhöhung um bis zu 2,2 Prozent angeboten. Die Verhandlungen wurden daher nach vier Stunden ohne Ergebnis abgebrochen.

Martin Müllauer, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA und Betriebsratsvorsitzender der Morawa Buch- und Medien GmbH, erwartet auch für den Handel lange und schwierige Verhandlungen. Mit im Gepäck sind neben der leichteren Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche die bessere Abgeltung bei Mehr- und Nachtarbeit, konkret einen Nachtzuschlag von 50 Prozent für die Zeit zwischen 21 Uhr und 6 Uhr früh.

Vor allem im Lebensmittelhandel, wo viele teilzeitarbeitende Frauen beschäftigt sind, würde Nachtarbeit ohne Zuschlag zunehmen. Es komme immer öfter vor, "dass um zwei oder drei Uhr in der Früh angefangen werden muss, Regale zu beschlichten", schildert Palkovich. Oder es müssten in der Nacht im Akkord Wurstplatten belegt werden. Trefelik spricht von Einzelfällen, etwa vor Feiertagen.

Gleiche Rechte für Teilzeitbeschäftigte

Teilzeitbeschäftigte im Handel werden regelmäßig zu Mehrstunden vergattert, so Palkovich. Wenn das mehr als drei Monate erfolge, soll es ein Recht auf Stundenaufstockung geben. Zudem soll der Mehrarbeitszuschlag schon im Folgemonat in Zeit oder Geld abgegolten werden können. Für die Lehrlinge wird ein Digitalisierungsbonus in Höhe von 250 Euro gefordert.