Nach den Metallern fordern auch die Arbeitnehmerverter im heimischen Handel ein kräftiges Gehaltsplus für die Beschäftigten. Am Donnerstagnachmittag begann in der Wirtschaftskammer das alljährliche Feilschen um Prozente und Prozentpunkte.

Nach dem "Krisendeal" vom Vorjahr, als es coronabedingt nur ein Gehaltsplus von 1,5 Prozent gab, will die Gewerkschaft heuer einen "Zukunftsdeal" aushandeln, der auch Verbesserungen im Rahmenrecht beinhaltet, die vor allem Frauen zugute kommen sollen. Die genaue Höhe der Forderung wurde noch nicht genannt. Außer Streit gestellt haben die Sozialpartner die Inflationsrate mit einem Wert von 2,1 Prozent für die vergangenen 12 Monate von Oktober 2020 bis September 2021. 

Arbeitnehmervertreter nach erster Runde verärgert

Anita Palkovich, Wirtschaftsbereichssekretärin in der GPA, zeigte sich nach der ersten Verhandlungsrunde verärgert. "Es gibt keine Bereitschaft, auf unser Forderungsprogramm einzugehen. Die berechtigten Forderungen, welche insbesondere die Bedürfnisse weiblicher Beschäftigter berücksichtigen, wurden einfach mit dem lapidaren Hinweis abgetan, KV-Politik sei keine Frauenpolitik. Dies zeugt von einer Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen der Handelsangestellten mit einem Frauenanteil von etwa 70 Prozent", so Palkovich.

Sie hatte in der Vorwoche in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten einmal mehr auf die schlecht planbaren Arbeitszeiten und schlechten Arbeitsbedingungen im Handel hingewiesen. Zudem habe Corona den Handelsangestellten viel abgefordert, viele seien "am Sand", sagte sie. Das dauernde Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, die Angst vor Ansteckung und immer aggressivere Kunden stellten enorme Belastungen dar.

WKO kann sich freiwillige Corona-Prämie vorstellen

WKO-Handelsobmann Rainer Trefelik verwies auf die coronabedingt schwierige Lage für viele Handelsbetriebe. Lieferkettenprobleme und Rohstoffpreisanstiege würden die Händler belasten und es sei auch nicht klar, wie sich die Coronapandemie in den nächsten Monaten weiterentwickle. Im Modehandel liege der Umsatz noch immer ein Viertel unter dem Vorkrisenniveau, andere Bereiche des Handels würden "gut dastehen". Wie im Vorjahr kann sich Trefelik einen freiwilligen Corona-Bonus vorstellen, den wirtschaftlich erfolgreiche Händler ausschütten. Dies sei "ein Erfolgsmodell" gewesen.

Nach der ersten Verhandlungsrunde meinte er, die Forderungen nach zusätzlichen Zulagen und Zuschlägen könnten nur im Gesamtkontext beurteilt werden. Seitens der Gewerkschaft würden derzeit aber noch keine konkreten Gehaltsforderungen auf dem Tisch liegen.

Für die Arbeitnehmervertreter ist heuer eine freiwillige Corona-Prämie kein Thema. Neben einer ordentlichen Gehaltserhöhung fordern sie Verbesserungen im Rahmenrecht, etwa die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche. Mehr- und Nachtarbeit sollen besser abgegolten werden, weiters soll es einen Nachtzuschlag von 50 Prozent für die Arbeit zwischen 21.00 und 6.00 Uhr, Zuschläge ab der ersten Stunde Mehrarbeit sowie die Fälligkeit des Mehrarbeitszuschlages schon im Folgemonat in Zeit oder Geld geben.

Angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Verbraucherpreise (September: plus 3,3 Prozent) drängen die Arbeitnehmervertreter auf eine ordentliches Erhöhung der Gehälter. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte beläuft sich im neuen Handels-KV auf 1.740 Euro brutto (1.400 Euro netto). In der Metallindustrie liegt der Mindestlohn bei 2.000 Euro brutto.

Die ab Anfang November geltende 3G-Corona-Regelung am Arbeitsplatz wird von den Sozialpartnern im Handel begrüßt. Dies bringe "ein sicheres Umfeld" für alle Beschäftigten und reduziere das Quarantäne-Risiko bei Betrieben, so Trefelik. Anita Palkovich begrüßte das Ende der Maskenpflicht für Handelsangestellte im Rahmen der 3G-Pflicht. Immer mit Maske zu arbeiten, sei eine "große Belastung". Laut Palkovich ist die Impfquote im Handel "überdurchschnittlich hoch". (ede/apa)