Das Nachhaltigkeitssiegel Fairtrade fordert von der internationalen Schokoladeindustrie und den großen Kakaoverarbeitern Taten bei der Verhinderung von extremer Armut und ausbeuterischer Kinderarbeit bei Kakaobauern in Westafrika. "Seit Jahrzehnten sagen sie, dass sie die Situation verbessern wollen. Es ist aber wie vor 20 Jahren", sagte Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner am Freitag zur APA.

Laut Schätzungen leben mehr als die Hälfte der Kakaobauern und ihre Familien in der Elfenbeinküste in extremer Armut und es gibt Hunderttausende Kinder, die zur Arbeit gezwungen werden. Rund die Hälfte der Kakao-Welternte stammt aus der Elfenbeinküste. Die drei weltweit aktiven Kakaoverarbeiter Cargill Cocoa, Callebaut und Olam sind die wichtigsten Zulieferer für die internationale Schokoladeindustrie. Mehr Geld für die Kakaobauern würde Schokolade nicht wesentlich verteuern, erklärte der Fairtrade-Österreich-Chef Kirner.

Ausbeuterische Kinderarbeit sowie Zwangsarbeit sind bei Fairtrade zertifizierten Kakao-Kooperativen und ihren Bauern verboten. Es gibt einen Fairtrade-Mindestpreis für konventionellen Kakao, der bei 2.400 US-Dollar (2.062 Euro) pro Tonne liegt. Zusätzlich gibt es noch eine Prämie von 240 Dollar (206 Euro) pro Tonne für Kleinbauernorganisationen, etwa um die Qualität des Kakaoanbaus zu erhöhen und um Gemeinwohlprojekte wie Schul- und Straßenbau zu ermöglichen. Derzeit greife der Mindestpreis, weil der Kakaopreis in der Elfenbeinküste derzeit tiefer liege, so der Fairtrade-Österreich-Chef.

Die Coronapandemie inklusive Lockdowns hat dem Verkauf von Nahrungs- und Genussmitteln in Supermärkten einen kräftigen Schub gegeben. In Österreich stieg 2020 der Absatz von verarbeitetem Fairtrade-Kakao in Schokoladeprodukten um 54 Prozent auf 5.265 Tonnen. In diesem Jahr legte der Absatz im ersten Halbjahr noch einmal um 25 Prozent zu. Der Bäcker Ölz, die Molkerei Berglandmilch und die Marke Manner stellen heuer ihren verwendeten Kakao auf Fairtrade um. (apa)