Wie hat Corona die Unternehmensführung verändert und welche Rolle spielen Werte beim modernen Leadership? Unter dem Motto "Leadership und Werte" fanden von Donnerstag bis Samstag die diesjährigen Wirtschaftsgespräche im Millstatt, Kärnten, statt. So zeigt eine Umfrage des Stimmungsbarometers "robin mood" unter 300 heimischen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, dass Themen wie Klimawandel, Mitarbeiterzufriedenheit, Vielfalt und Work-Life-Balance bei der strategischen Ausrichtung und Personalführung von Unternehmen an Bedeutung gewinnen .

Dabei wächst laut Umfrage die Übereinkunft, dass die globalen Krisen wie Corona und der Klimawandel nicht vor den Landesgrenzen halt machen und es gesamteuropäische und politische Lösungen brauche neben unternehmerischer Konzepte, um der Herausforderungen Herr zu werden. 22 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Leadership auf europäischer Ebene und je 14 und 15 Prozent sehen Forschung und Innovation sowie Bildung als wesentliche Felder in der Bewältigung der Krise. Die Bedeutung der nationalen Politik unterstreichen 12 Prozent der Befragten.

Mitarbeiter stärker an
die Unternehmen binden

"Wenn sich heute jemand bei uns bewirbt, dann geht es nicht mehr nur ums Gehalt. Es geht um Work-Life-Balance, um die Wertekultur im Unternehmen, um Vereinbarkeit", sagt Martin Koll, Geschäftsführer von Bellaflora. "Die Chance einer werteorientierten Führung ist, dass man die Mitarbeiter stärker an das Unternehmen bindet." In den vergangenen Jahren habe die Fluktuation allgemein zugenommen. Um Mitarbeiter halten zu können, müsse man deshalb eine angenehme Unternehmenskultur und gegenseitige Wertschätzung aufbauen.

Werte wie Nachhaltigkeit, soziale Standards, Transparenz würden auch auf Kundenseite immer wichtiger, meinte Janis Jung. Er ist CEO und Gründer der medizinischen Online-Beratungsplattform Mooci. Besonders im medizinischen Bereich spielen Glaubwürdigkeit und Vertrauen eine wichtige Rolle. "Wenn wir das nicht gewährleisten können, wenn unsere Informationen nicht seriös und ärztlich geprüft sind, ist unsere Marke tot", sagt Jung.

Im Zuge des Corona-bedingten Homeoffices und der Digitalisierung hat sich auch der Anspruch an die Führung verändert. "Es war eine wichtige Erfahrung für mich, auch mal Führung und Kontrolle abzugeben. Und tatsächlich ist die Produktivität unserer Mitarbeiter massiv gestiegen", sagt Jung. Die Arbeitswelt ist jedenfalls deutlich dynamischer als noch vor ein paar Jahren. Laut dem Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer denkt jeder und jede Fünfte über einen Jobwechsel nach.(del)