Die Lieferprobleme haben sich weiter verschärft und bremsen den Aufschwung der Industrie. Ein geringeres Auftragswachstum aus dem In- und Ausland verlangsamt die Produktionsausweitung der Betriebe, und die Beschleunigung des Jobaufbaus belastet die Produktivität. Als Konsequenz ist der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex im Oktober auf den tiefsten Wert seit neun Monaten gesunken und liegt nun bei 60,6 Punkten.

Auch die Erwartungen für das nächste Jahr haben sich eingetrübt: Der Erwartungsindex für die Produktion in den kommenden zwölf Monaten sinkt auf 62,5 Punkte, den niedrigsten Wert seit einem Jahr - trotzdem setzt sich die Erholung verlangsamt fort.

Der Aufschwung der heimischen Industrie dauert nunmehr eineinhalb Jahre an, der Höhepunkt ist mittlerweile jedoch deutlich überschritten. Die Wachstumsdynamik der Industrie habe sich gegenüber dem Sommer zwar deutlich beruhigt, sei aber weiterhin überdurchschnittlich hoch, erläutert UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer am Mittwoch in einer Aussendung. Vor allem aufgrund von externen Einflüssen verlor die Industriekonjunktur in Österreich an Tempo.

Auftragsrückstände und lange Auslieferungszeiten

Die Lieferengpässe haben sich verschärft, das belastet die Nachfragedynamik der stark exportorientierten Industrie Österreichs. "Aufgrund des nachlassenden Neugeschäfts und anhaltender Lieferengpässe haben die heimischen Industriebetriebe das Tempo der Produktionsausweitung im Oktober reduziert. Die Auftragsrückstände nahmen folglich leicht zu und die Auslieferungszeiten verlängerten sich deutlich", so Bruckbauer. Die Verteuerung von Rohstoffen und Vormaterialien habe sich beschleunigt, der Jobaufbau jedoch gleichzeitig leicht an Fahrt gewonnen.

Der stärkste Einfluss auf den Index ging im Oktober von der Verlangsamung des Neugeschäfts aus. Dennoch sei die Hauptursache der Verlangsamung der Produktionsausweitung in den verschärften Problemen in den globalen Lieferketten zu sehen, erklärt Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Während der Produktionsleistungsindex ebenfalls auf den niedrigsten Wert seit Jahresbeginn zurückfiel und nur noch knapp über dem langjährigen Durchschnitt liegt, stiegen die Vorlaufzeiten in der österreichischen Industrie wieder stark an. Der starke Anstieg der Lieferzeiten im Oktober bei gleichzeitig beschleunigter Zunahme der Auftragsrückstände zeige, dass die Entwicklung der Produktionsleistung der heimischen Betriebe derzeit weniger von den Nachfragetrends, sondern vielmehr von der Verschärfung der Liefer-und Transportprobleme bestimmt werde.

Infolge der bestehenden Lieferprobleme verringerte sich der Zuwachs der Einkaufsmenge der heimischen Industrie. Dies löste eine Verlangsamung des Lageraufbaus an Vormaterialien und Rohstoffen aus. Erstmals seit Beginn der Erholung, die Mitte 2020 eingesetzt hat, nahmen die Bestände in den Auslieferungslagern jedoch im Durchschnitt zu, was die etwas geringere Nachfragedynamik widerspiegelt. Nach 15 Monaten mit rückläufigen Lagerbeständen in Folge ist diese Trendumkehr jedoch vor allem als gezielte Maßnahme des betrieblichen Lagermanagements einzustufen.

Ertragslage weiter verschlechtert

In Folge gestiegener Einkaufspreise wurden die Verkaufspreise sogar so deutlich angehoben, wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung dieser Daten vor fast zwanzig Jahren. Die heimischen Betriebe gaben also im Oktober den Kostenanstieg stärker an die Kunden weiter, dennoch habe sich im Durchschnitt die Ertragslage weiter verschlechtert.

Trotz des nachlassenden Neugeschäfts haben die Unternehmen im Oktober ihren Personalstand stärker ausgeweitet als im Vormonat, um die aufgelaufenen Auftragsrückstände abzubauen. "Trotz des kräftigen Jobaufbaus während der vergangenen Monate liegt die Beschäftigung bei der Herstellung von Waren in Österreich noch etwas mehr als einen halben Prozentpunkt unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019. Dagegen ist die reale Industrieproduktion mittlerweile um über 3 Prozentpunkte höher, was im Durchschnitt zu spürbaren Produktivitätsgewinnen geführt hat", so Pudschedl.

Allerdings weist die Entwicklung des Beschäftigtenindex im Vergleich zum Produktionsindex darauf hin, dass bereits eine Trendumkehr eingesetzt hat und sich seit Juni diesen Jahres die Produktivität tendenziell verringert. Während in der überraschend starken Beginnphase der Erholung der Personalbedarf nicht rasch genug gedeckt werden konnte, läuft nunmehr die Rekrutierung zusätzlicher Arbeitskräfte auf Hochtouren, wenn auch einige Betriebe in der aktuellen Umfrage bereits angaben, aufgrund von Materialengpässen vorerst keine Neueinstellungen mehr vorgenommen zu haben.

Preisdynamik bleibt hoch

Auch wenn die Industrieproduktion derzeit noch überdurchschnittlich kräftig wächst, scheinen die Risiken für die kommenden Monaten eher zuzunehmen. Durch die anhaltende Pandemie sei weiterhin mit Störungen in den globalen Lieferketten zu rechnen, die die Produktion der heimischen Industrie noch länger belasten und die Preisdynamik hochhalten werden. Nach starken Zuwächsen im Frühjahr und Sommer 2021 dürfte sich die Industriedynamik zum Jahresende spürbar abschwächen. "Wir erwarten aber weiterhin einen Anstieg der Industrieproduktion um 8,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021", so Bruckbauer abschließend. (apa)