Nach den Metallern - sie bekommen ein Lohnplus von 3,55 Prozent - haben sich nun auch die Lkw-Fahrer im Rahmen der Kollektivvertragsverhandlungen geeinigt. Die rund 50.000 Beschäftigten bekommen eine Lohnerhöhung von rund 5 Prozent. Diese liegt deutlich über der Inflation und ist auf den Fachkräftemangel in der Branche zurückzuführen.

Ab 1. Jänner 2022 steigen demnach die Löhne der Lkw-Fahrer um 4,96 Prozent, wie WKO und Gewerkschaft am Donnerstag in einer gemeinsamen Aussendung bekanntgegeben haben. Zusätzlich haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmer für 2023 und 2024 auf einen Aufschlag von 0,5 Prozent auf die jeweilige Jahresinflation verständigt.

"Wir haben somit einen 3-Jahres-Abschluss erzielt, was für die langfristige Planung unserer Unternehmen essenziell wichtig ist", wird der Obmann des WKÖ-Fachverbands Güterbeförderung, Günther Reder, in der APA zitiert. Wenn man die Inflationsprognose für 2023 und 2024 heranziehe, würden die KV-Löhne in den kommenden drei Jahren um insgesamt 11 Prozent angehoben, kommentiert sein Gegenüber Karl Delfs, der Bundessekretär des Fachbereichs Straße in der Gewerkschaft vida.

Branche wenig attraktiv

Die Logistik-Branche kämpft schon länger mit einem Fachkräftemangel. Die Corona-Pandemie hat die Situation verschärft. Laut Wirtschaftskammer fehlen der Branche 8.000 Fahrer.

Viele Beschäftigte haben während der Corona-Krise das Land verlassen und sind in ihre Heimatländer, vor allem in die östlichen EU-Länder, zurückgekehrt oder haben sich beruflich umorientiert. Sowohl die Arbeitsbedingungen, als auch die Bezahlung gelten als weniger attraktiv. Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren auch viele Fahrer in Pension gehen werden.

Fast alle EU-Länder kämpfen mit einem Mangel an Berufskraftfahrern. In Deutschland fehlen zum Beispiel laut Bundeswirtschaftsministerium 60.000 bis 80.000 Lkw-Fahrer. In Großbritannien wurde der Fahrermangel nach dem Brexit so dramatisch, dass zeitweise nicht einmal Tankstellen befüllt werden konnten und das Land in eine Benzin-Krise schlitterte.

Der ungewöhnlich hohe Lohnabschluss in Österreich soll den Fachkräftemangel ein Stück weit lindern. Mit mehr Geld sollen vorhandene Arbeitskräfte gehalten beziehungsweise neue angeworben werden. Außerdem sei der höhere Abschluss auch "ein bewusstes und starkes Signal für die Beschäftigten und man wolle ihnen für ihren Einsatz während der Corona-Zeit danken", so die Verhandler laut APA.

Neben der Lohnerhöhung wurde auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeit verhandelt. Änderungen gibt es bei der Durchrechnung der wöchentlichen Normalarbeitszeit und es gibt eine Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit. Mit der geplanten Flexibilisierung sollen neue Schichtmodelle möglich werden, die die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf fördern sollen. Man hoffe, "die Umsteigewilligen besser nützen und auch vermehrt junge Leute ansprechen zu können, um sie für den Beruf des Lkw-Lenkers zu gewinnen", sagte WKÖ-Vertreter Reder.

Handel verhandelt weiter

Am Donnerstag fand auch die dritte KV-Verhandlungsrunde der Handelsbediensteten statt (bis Redaktionsschluss wurde keine Einigung erzielt, Anm.). Die Verhandlungen für die 415.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel laufen jedenfalls unter schwierigen Vorzeichen. Weder die Arbeitnehmervertreter noch die Arbeitgeber haben konkrete Lohnforderungen vorgelegt. Die Gewerkschaft fordert jedenfalls mehr Urlaub und eine höhere Abgeltung für Mehr- und Nachtarbeit für die in der Pandemie stark geforderten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

70 Prozent der Belegschaft sind weiblich, jede fünfte Frau in Österreich ist im Handel beschäftig, die Teilzeitquote ist besonders hoch. Zuletzt beklagte die Gewerkschaft GPA-djp prekäre Arbeitsbedingung. Nachtarbeit, die Angst vor Ansteckung sowie das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes würden vielen Mitarbeitern stark zusetzen. Gleichzeitig signalisierten die Arbeitgeber im Vorfeld der Verhandlungen, dass der Spielraum für eine Lohnerhöhung in der Branche gering sei. Tatsächlich wurden die einzelnen Handelssparten unterschiedlich stark von der Pandemie getroffen. Während Supermärkte und Drogerien Zuwächse verzeichneten, wurden die Lockdown-bedingten Einbrüche im Textilhandel noch immer nicht aufgeholt.(del)