Nach dem pandemiebedingten Absturz im vergangenen Jahr geht es auch mit der Wirtschaft im Osten Europas wieder bergauf. Von dieser kräftigen Konjunkturerholung profitiert auch die Raiffeisen Bank International (RBI), die neben ihrer österreichischen Rivalin Erste Group zu den größten Finanzinstituten der Region zählt. Jüngste Zahlen untermauern das: Demnach hat die RBI in den ersten drei Quartalen (Jänner bis Ende September) unter dem Strich einen Gewinn von 1,06 Milliarden Euro eingefahren - um 76 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Dass die Konjunktur im osteuropäischen Wirtschaftsraum trotz anhaltender Pandemie wieder anzieht, äußerte sich bei der börsennotierten Wiener Großbank vor allem in einer Ausweitung ihres Geschäftsvolumens (infolge vermehrter Kreditvergabe) und in deutlich niedrigeren Vorsorgen für notleidende Kredite. Die Bilanzsumme legte in den ersten neun Monaten geradezu sprunghaft zu - konkret von knapp 166 Milliarden Euro (Ultimo 2020) auf gut 190,6 Milliarden. Gleichzeitig sanken die Risikovorgen im Kreditgeschäft um 345 Millionen - ein nicht unerheblicher Brocken - auf 152 Millionen Euro.

Was die RBI ebenfalls als Erfolg verbucht, wie ihrem Bericht zum dritten Quartal zu entnehmen ist: Mit 2,45 Milliarden Euro konnte der durch Leitzinssenkungen und Währungsabwertungen belastete Zinsüberschuss weitgehend stabilisiert werden. Darüber hinaus haben auch Wertaufholungen bei Beteiligungen das Ergebnis der Bank positiv beeinflusst.

Großflächige Präsenz

Mit eigenen Töchtern und Repräsentanzen ist die RBI im europäischen Osten in 15 Ländern vertreten. Der Konzern hat rund 45.000 Mitarbeiter, die über ein Netz aus rund 1.800 Filialen alles in allem 17,7 Millionen Kunden betreuen. Wobei hier der weitaus größte Teil davon auf Zentral- und Osteuropa (CEE) entfällt, das Österreich-Geschäft der RBI ist ja relativ klein und hat keine Privatkunden.

Als größter und wichtigster Einzelmarkt des Konzerns gilt Russland. Da hat die RBI in den ersten drei Quartalen ein nahezu unverändertes Nachsteuerergebnis von 344 Millionen Euro erzielt - und damit knapp ein Drittel ihres Gesamtgewinns.

Schon im Vorjahr hatte Corona das Geschäft in Russland so gut wie kaum beeinträchtigt. Gleiches dürfte für das Segment Zentraleuropa gelten, dem bei der RBI Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn zugeordnet sind. Hier war der Gewinn nach Steuern bis Ende September zwar leicht rückläufig, mit 467 Millionen Euro aber nach wie vor substanziell hoch.

Besonders gut lief es zuletzt jedoch in Südosteuropa (mit plus 6,8 Prozent wird diese Teilregion heuer laut RBI das wohl höchste Wirtschaftswachstum der gesamten CEE-Region haben). In den ersten drei Quartalen warf Südosteuropa für den Bankriesen jedenfalls einen kräftig gestiegenen Nachsteuergewinn von 225 Millionen Euro (plus 58 Prozent) ab.

"Haben Rückenwind"

Für das Gesamtjahr 2021 ist Bankchef Johann Strobl zuversichtlicher als zuletzt. Das Kreditwachstum sieht er nun bei rund elf Prozent, zuvor war er von einem Wachstum in mittlerer bis oberen einstelliger Prozent-Höhe ausgegangen. "Der Wirtschaftsaufschwung in unseren Märkten verleiht uns Rückenwind, sodass wir optimistisch auf den Rest des Jahres und das Geschäftsjahr 2022 blicken", sagt Strobl.

Nichtsdestrotz gibt es Problemzonen, die im Konzern schon länger bestehen. Dazu zählen vor allem die Frankenkredite in Polen. Aktuell stehen dort noch mehr als 28.700 Kredite mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro aus. Außerdem sind gut 6.300 Streitfälle offen. Die RBI rechnet damit, dass die Zahl um rund 300 pro Monat wächst. Für die Streitfälle hat die Bank nach eigenen Angaben bereits Rückstellungen in Höhe von 231 Millionen Euro gebildet.

Zukäufe hat die RBI derzeit keine am Plan, nachdem sie kürzlich in der Tschechischen Republik die Equa und in Serbien die Crédit Agricole Srbija übernommen hat. Aus Bulgarien zieht sich die Bank indes zurück. Dort verkauft sie ihre Tochter - die Nummer sechs des Landes - für gut eine Milliarde Euro an die belgische Großbank KBC. Die Tochter ist zwar profitabel, mit ihrem Wachstum scheint die RBI aber nicht zufrieden zu sein. Das frei werdende Kapital will sie nun woanders investieren.