Die Casinos Austria haben einen Chef. Der Niederländer Erwin van Lambaart wurde vom Aufsichtsrat des teilstaatlichen Glücksspielkonzerns in einer außerordentlichen Sitzung zum neuen Generaldirektor bestellt. Der bisherige CEO von Holland Casino zieht am 14. März des kommenden Jahres in den Vorstand ein und übernimmt dann ab 1. April die Position des Generaldirektors. Er folgt damit Bettina Glatz-Kremser nach, die ihren Vertrag nicht verlängerte.

Die Bestellung van Lambaarts sei der Abschluss "einer transparenten und nach internationalen Standards erfolgten Kandidatensuche der vergangenen Monate", schreibt der Konzern in einer Aussendung. Die professionelle Begleitung des Prozesses erfolgte durch den renommierten Personalberater Spencer Stuart. Insgesamt wurden drei Personen zu einem Hearing vor den Nominierungsausschuss eingeladen. Erwin van Lambaart ging dabei einstimmig als bester Kandidat hervor. Der Casag-Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Wolfgang Hesoun folgte dieser Empfehlung.

Casinos freuen sich über "Top-Manager"


Erwin van Lambaart ist seit dem Jahr 2016 CEO von Holland Casino, der staatlichen Spielbank der Niederlande mit insgesamt 14 Casinos, also einem deutlich kleineren Unternehmen im Vergleich zu den Casinos Austria, die international tätig sind. Die Casag bezeichnen Lambaart als einen der "Top-Manager in diesem Sektor" in Europa, der zuvor als Event- und Hotelmanager arbeitete und CEO des niederländischen Medien- und Unterhaltungsunternehmen Niehe Media sowie Mitglied des Vorstands des von Stage Entertainment war. Van Lambaart spricht fließend Deutsch und Englisch.

Die CEO-Suche erfolgte auf Basis eines standardisierten Prozesses, der im Syndikatsvertrag zwischen der tschechischen Sazka Group und der staatlichen Beteiligungsholding Öbag festgelegt ist. "Nach den Schwierigkeiten der Vergangenheit war es ganz entscheidend, einen transparenten und internationalen Standards entsprechenden Prozess für die Vorstandsbestellung aufzusetzen", wird Aufsichtsratspräsident Wolfgang Hesoun in der Aussendung zitiert.

Die Casinos Austria stehen im Epizentrum jener mittlerweile weit verästelten Affäre, die Österreichs Innenpolitik seit mehr als zwei Jahren beschäftigt, zu umfassenden Ermittlungen gegen Manager und Politiker dieses Landes geführt haben und letztlich auch zum Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler. Ihren Ausgang hatten die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige im Sommer 2019 genommen, knapp nach dem Ende der türkis-blauen Bundesregierung durch die Ibiza-Affäre. In der Anzeige wurde der Vorwurf mutmaßlich illegaler Absprachen bei der Vorstandsbestellung 2019 erhoben. Es folgten Hausdurchsuchungen und die Sicherstellung von Handys, zunächst unter anderem beim ehemaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (damals FPÖ) und wenige Monate später bei Thomas Schmid, dem Öbag-Chef und ehemaligen Generalsekretär im Finanzministerium. Die von den Ermittlern ausgewerteten Chats sind mittlerweile Basis zahlreicher Verfahren.