Der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) macht der vierte Lockdown mit Blick auf Wirtschaft und Banken keine Angst. Notenbank-Chef Robert Holzmann zeigte sich am Mittwoch bei der Präsentation des jüngsten Finanzmarktstabilitätsberichts gelassen. Er rechnet damit, dass der erneute Lockdown die heimische Wirtschaft bei ihrer Erholung "nur moderat" bremsen wird. "Mit jedem Lockdown sind die negativen Effekte geringer geworden", erklärte Holzmann. "Man hat gelernt, mit der Krise umzugehen."

Viel werde jetzt von der Dauer des Lockdowns abhängen, sagte er weiter. Es gebe jedoch die Hoffnung auf steigende Impfquoten und damit auch auf eine rasche Öffnung nach nur wenigen Wochen.

"Die Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung werden keinesfalls katastrophal sein", ist Holzmann überzeugt. Selbst wenn es zu stärkeren negativen Effekten durch den Lockdown kommen sollte, werde ein Teil davon durch eine konjunkturelle Gegenbewegung im kommenden Jahr wieder wettgemacht werden. Ihre Konjunkturprognose werde die Nationalbank deshalb nur geringfügig nach unten korrigieren - "um wenige Zehntelprozentpunkte", wie Holzmann anmerkte. Am 22. Dezember sollen die aktualisierten Prognose-Werte veröffentlicht werden.

OeNB rechnet weiterhin mit keiner Insolvenzwelle

Für die heimische Finanzwirtschaft dürften die Auswirkungen des Lockdowns ebenfalls gut verkraftbar sein. Wie Nationalbank-Vize Gottfried Haber unter Hinweis auf einen von der OeNB durchgeführten Stresstest festhielt, wären die Banken derzeit selbst für einen schweren Wirtschaftseinbruch gewappnet. Zwar sei die Insolvenzquote nach dem Auslaufen von Kreditstundungen zuletzt leicht angestiegen, und auch die Ausfallrisiken im Kreditgeschäft hätten sich pandemiebedingt erhöht, womit es "Unsicherheiten für die Zukunft" gebe. Mit einer Pleitewelle rechnet Haber dennoch auch weiterhin nicht. Sein Fazit: "In der Gesamtschau sehen wir keine Gefährdung der heimischen Finanzmarktstabilität."

Nichtsdestotrotz herrscht innerhalb der OeNB nach wie vor ein gewisses Unbehagen. Der Grund ist "die zunehmende Überhitzung des Wohnimmobilienmarktes", wie es hieß. Diese zeige sich neben den massiv gestiegenen Preisen auch in der Kreditvergabe. Die Banken hätten die dafür geltenden Standards angesichts der starken Nachfrage nach Wohnimmobilien zuletzt immer öfter nicht mehr strikt eingehalten. Aus Sicht der OeNB, die auch als Bankenaufsicht fungiert, besteht damit die Gefahr, dass sich systemische Risiken aufbauen.

Ein Fünftel Eigenmittel und keine Laufzeiten über 35 Jahre

Grundsätzlich sind die Geldinstitute dazu angehalten, bei der Vergabe von Wohnimmobilienkrediten darauf zu achten, dass der Kreditnehmer zumindest 20 Prozent der Finanzierung mit eigenem Kapital stemmt, die Tilgung des Kredits 40 Prozent seines verfügbaren Einkommens nicht übersteigt und die Laufzeit nicht mehr als 35 Jahre beträgt. An diesen seit 2018 bestehenden Vergabestandards sollte sich die Branche eigentlich orientieren. Da sie es nicht im vollen Umfang tut, hat die Nationalbank den Markt für Wohnimmobilienkredite nun unter die Lupe genommen. Sollte diese Analyse drohende volkswirtschaftliche Probleme aufzeigen, könnten die Banken zu strikteren Regeln bei der künftigen Kreditvergabe verpflichtet werden, so Haber.

Für die Überhitzung des Wohnimmobilienmarktes führte der OeNB-Vize mehrere Gründe an. Zum einen habe das niedrige Zinsniveau die Finanzierung von Immobilien wesentlich erleichtert. Zum anderen seien die Immobilien selbst immer teurer geworden, seit 2010 hätten sich die Preise verdoppelt. Darüber hinaus habe die allgemeine Unsicherheit in der Pandemie zum Wunsch nach sicheren Anlageformen geführt, so Haber.

Holzmann sprach davon, dass sich die aktuellen Immobilienpreise in Österreich von den Fundamentalwerten abgekoppelt hätten. Eine Blase, die bald platzen könnte, sieht er vorerst dennoch nicht.

Banken verdienten im ersten Halbjahr 3,7 Milliarden Euro

Indes war das erste Halbjahr 2021 für den österreichischen Bankensektor das gewinnbringendste seit 2009. Einerseits vervierfachten sich die Gewinne im Vergleich zur ersten Hälfte 2020 auf 3,7 Milliarden Euro, andererseits sank der Anteil notleidender Kredite bis Mitte 2021 auf 1,9 Prozent, was die Risikokosten stark nach unten drückte.

An Empfehlungen für die Branche hat die OeNB parat, die Qualität der vergebenen Kredite weiter gut im Auge zu behalten, bei Gewinnausschüttungen zwecks besserer Eigenkapitalausstattung nach wie vor zurückhaltend zu sein, die Effizienz zu steigern und Strategien im Zusammenhang mit Digitalisierung und Klimawandel umzusetzen.