Nur noch ein Monat bis Weihnachten, und dann das: Der aktuelle Lockdown erschwert vielen Eltern nun das Erfüllen der Spielzeugwünsche, die in krakeliger Kinderhandschrift oder in Form von ausgeschnittenen Katalogfotos auf dem Wunschzettel ans Christkind stehen. Doch selbst wenn der Handel jetzt geöffnet hätte: Mehrere Hersteller von Playmobil bis Schleich warnen schon angesichts pandemiebedingt teils massiv beeinträchtigter Lieferketten vor Engpässen sowie steigenden Preisen bei ihren Produkten. Ob etwa Playmobil dann auch im stationären Handel so teuer wird wie bei Amazon (dort sind die Preise nämlich oft eklatant höher), darf allerdings bezweifelt werden.

Profiteure davon sind unter anderen jene, die sich Neuwaren noch rechtzeitig gesichert haben und nun gemeinsam mit alten Spielzeugen für Nostalgiker auf Willhaben oder eBay gewinnbringend weiterverkaufen.

Umsatzrekord in Pandemie

Rafaela Hartenstein, Director Corporate Affairs bei Hasbro Europa. - © Hasbro
Rafaela Hartenstein, Director Corporate Affairs bei Hasbro Europa. - © Hasbro

Bei all dem verkneift man sich freilich besser die Frage, ob viele Kinder nicht ohnehin schon genug Spielzeug haben und vielleicht - mit Blick auf die Ergebnisse diverser Pisa-Studien - Bücher das bessere Weihnachtsgeschenk wären. Allerdings ist auch im Buchhandel teilweise von drohenden Engpässen aufgrund von Papiermangel die Rede. Immerhin aber gibt es dank Buchpreisbindung in Österreich die Garantie, dass man den Lesestoff überall zum selben Preis bekommt wie bei den Online-Großhändlern.

Aber zurück zum Spielzeug. Auch wenn einige Hersteller jetzt jammern, sind sie doch bisher gar nicht so schlecht durch die Corona-Krise gekommen. So bescherte etwa das erste Pandemiejahr mit mehreren Lockdowns der deutschen Brandstätter-Gruppe (Playmobil) laut eigenen Angaben das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte mit einem globalen Umsatzrekord von mehr als 758 Millionen Euro. Schleich verzeichnete im Vorjahr eine Umsatzsteigerung von 200 auf 210 Millionen Euro. Der US-Konkurrent Hasbro steigerte seinen Umsatz im heurigen dritten Quartal sogar im Jahresvergleich um 11 Prozent von 1,78 auf 1,97 Milliarden Dollar.

Per Post oder Sammelstelle

Spielzeug ist also beliebt wie nie - und das, obwohl es meistens aus jenem Stoff besteht, der so unbeliebt ist wie nie: Plastik. Das ist natürlich auch der Grund, warum heutige Kinder in unseren Breiten in der Regel so viel Spielzeug haben wie keine vorangegangene Generation: Der Bestand besteht zu einem guten Teil aus Kunststoffteilen, die oft mehrere Jahrzehnte alt sind. Aber irgendwann geben die Weichmacher halt doch nach, und dann hilft auch kein Superkleber mehr. Was tun mit Kunststoffspielzeug in Zeiten riesiger Plastikinseln, die unsere Ozeane vermüllen?

Recycling lautet das Zauberwort, wenn es nach Hasbro geht. Der Spielwarenhersteller versucht nämlich gerade ein Wiederverwertungssystem zu etablieren. "Spielzeug kann leider nicht über die bestehenden Kreisläufe wie den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne recycelt werden. Die normalen Recyclinganlagen sind nicht auf so komplexe Produkte wie Spielzeug ausgelegt", erklärt Rafaela Hartenstein, Director Corporate Affairs bei Hasbro Europa. Die Teile landen deshalb bisher meist auf der Deponie. "Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch schade um die hochwertigen Ausgangsmaterialien, aus denen das Spielzeug gefertigt wurde. Diese gehen dann der Kreislaufwirtschaft verloren."

In den USA hat Hasbro bereits 2018 ein eigenes Recycling-Programm für Spielzeug ins Leben gerufen und finanziert, "als erster Spielwarenhersteller weltweit", betont Hartenstein. "Wir übernehmen damit die Verantwortung für unsere Produkte bis hin zum Ende ihres Lebenszyklus." Parallel dazu steige Hasbro "derzeit auch bei allen neuen Produkten auf plastikfreie Verpackungen um".

Seit Oktober wird das Recycling-System nun auch in Österreich ausgerollt. "Wir befinden uns hier noch in der Sammelphase", sagt sie. "Sobald eine ausreichende Menge eingesendet wurde, kann es losgehen." Konkret ist die Idee folgende: Kaputte Actionfiguren, Gesellschaftsspiele, Play-Doh oder andere Spielsets werden von den Konsumenten gratis per Post an Hasbro geschickt oder bei Sammelstellen abgegeben. Die interaktive Übersichtskarte auf www.terracycle.com ist noch dürftig. Man kann aber dort oder auf hasbrotoyrecycling.hasbro.com auch ein Benutzerkonto anlegen, um sich ein Gratis-Rücksendeetikett herunterzuladen oder selbst eine Sammelstelle zu eröffnen.

Für eine gewisse Sammelmenge gibt es dann Punkte, die Hasbro in eine Geldspende an eine gemeinnützige Organisation umwandelt, erklärt Hartenstein. "So kann auch der Kindergarten oder die Schule als Sammelstelle agieren und über die Sammelpunkte Projekte finanzieren. Das ist zugleich auch eine schöne Möglichkeit, den Kindern Nachhaltigkeit im Alltag nahezubringen, denn schon die Kleinsten können so ganz konkret mithelfen."

Hasbro sammelt Hasbro

Das Plastik und Metall im Spielzeug wird beim Recycling wieder in den Rohstoffzustand gebracht, um daraus etwa Blumentöpfe, Parkbänke oder Aufbewahrungsboxen herzustellen. Ausgenommen von der Sammlung sind elektronische und batteriebetriebene Spielzeuge. "Für die existiert bereits ein von der EU initiiertes Rückgabesystem über Händler und Kommunen", so Hartenstein.

An sich beschränkt sich das neue Recycling-System, für das Hasbro im Vorjahr vom europäischen Spielwarenverband Toy Industries of Europe bei den Play for Change Awards mit Gold in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde, auf hauseigene Produkte. "Ein branchenübergreifendes Rücknahmeprogramm gibt es leider noch nicht", sagt Hartenstein. Hasbro sei aber "grundsätzlich offen für Kooperationen innerhalb wie außerhalb der Branche". Es ist wohl davon auszugehen, dass abgegebenes Nicht-Hasbro-Spielzeug im Zweifel nicht an die Kunden zurückgeschickt wird. Dass die dafür bereit sind, davon ist Hartenstein überzeugt: "Familien und gerade Kindern liegen Nachhaltigkeit und Umweltschutz besonders am Herzen."

Die Kunden müssen freilich auch zum Mitmachen motiviert werden. Ansonsten wäre das Ganze bloß eine gut gemeinte PR-Aktion und kein echter Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit.